Mit der Angst neben den Worten und Erinnerungen auch das eigene Ich zu verlieren, fasst die Professorin Alice den Entschluss den Kampf gegen die Demenz aufzunehmen, um weiter an den wichtigen Dingen im Leben teilnehmen zu können. „Still Alice“, ab jetzt im Kino.

Die Story

Das Vergessen schleicht sich langsam an Alice (Julianne Moore) heran. Da ist ein Wort, es schwebt förmlich vor ihr, doch nur verschwommen. Sie kann es partout nicht abrufen. Eigentlich nichts Alarmierendes, auch nicht bei einer Linguistik-Professorin. Doch nicht nur einzelne Wörter scheinen wie ausgelöscht, denn während dem Joggen, verliert sie völlig die Orientierung. Dabei hat sie sich nicht in unbekannte Gegenden verirrt, sondern kann sich schlicht und ergreifend nicht an ihre wöchentliche Routinestrecke erinnern. Nur mit Mühe und Not findet sie den Weg wieder zurück nach Hause. Als Alice dann noch gegen ihre Gewohnheit eine Verabredung vergisst, ahnt sie, dass etwas nicht stimmen kann und sucht einen Arzt auf.

Diagnose: Alzheimer. Alice kann es kaum glauben, dass es gerade sie trifft. Eine Akademikerin in den besten Jahren, die scheinbar alles zu haben scheint: Einen liebenden Ehemann, beruflichen Erfolg und drei gesunde Kinder. Letztere sind von der Erkrankung ihrer Mutter besonders betroffen, denn Alzheimer ist vererbbar. Die beiden älteren Kinder sind zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, um Alice gebührend beizustehen. Nur Lydia (Kristen Stewart) ist beim Kampf gegen den „Radierer“ im Gedächtnis immer an der Seite ihrer Mutter. Dabei gerät Lydia in ein Spannungsfeld aus den Erwartungen ihrer Mutter und ihrem eigenen Traum Schauspielerin zu werden. Alice akzeptiert Lydias Berufswunsch, legt ihr aber ein Studium nahe. Lydia fühlt sich durch die Krankheit der Mutter dazu gezwungen ihre Zukunft nach Alice’ Vorstellungen auszurichten.

Lydia
„Du kannst deine Lage nicht ausnutzen, nur damit ich alles tue was du willst!“

Währenddessen werden Alice’ Symptome immer drastischer. Sie kann sich keine Gesichter mehr merken und der Weg zur Toilette ähnelt eher einem Lauf durch einen Irrgarten. Alice erkennt schmerzlich ihren täglichen Verfall und sieht ein, dass sich etwas ändern muss. Ein Pflegeheim scheint eine der Lösungen sein. Aber Alice macht sich Sorgen, was die Krankheit aus ihr macht und ist sich bewusst, dass sie schon bald nicht mehr in der Lage sein wird zu unterscheiden was gut oder was schlecht für sie und ihre Familie ist. Sie nimmt ein Video mit Anweisungen für ihr zukünftiges, vergessliches „Ich“ auf. Ein vorsorgliches Video, dass der „Zukunfts-Alice“ und ihrer Familie den richtigen Weg zeigen soll, wenn die Krankheit ihre größten Tribute fordert. Dabei sind die Aufnahmen nicht nur ein Notfallplan für die Zukunft, sondern auch eine Art um die “alte Alice” zu kondensieren.

Alice verbringt den Sommer mit ihrer Tochter Lydia im Strandhaus. Die Ruhe tut ihr gut, aber dennoch schreitet die Krankheit weiter fort. Eine Frage schwebt ständig wie ein Damoklesschwert über der Sprachwissenschaftlerin: Ist sie noch sie selbst? Und wenn ja, wie lange noch?

Die Kritik

Wörter bilden die Basis unserer Kommunikation. Wir verwenden sie jeden Tag, fast sekündlich. Wir lesen, wir sprechen und drücken mit Wörter aus was wir denken oder wie es uns geht. Was aber tut man, wenn Wörter plötzlich verschwinden und unser Wortschatz von Tag zu Tag immer mehr zu versiegen droht? Kein Film kann dazu die perfekte Antwort geben, doch „Still Alice“, schlägt einen besonderen Weg ein, um mit der Krankheit Alzheimer umzugehen. Und diese ist allgegenwärtig.

Schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Alzheimer-Krankheit. Somit ist Demenz und Alzheimer ein Thema das jeden betrifft. „Still Alice“ ist einer von zahlreichen Filme, die Alzheimer thematisieren, aber der Film setzt neue Maßstäbe. Die Gefühlslage der Betroffenen und die schonungslosen Einschläge, die eine Familie durch einen solchen Krankheitsfall erleiden muss, werden aufgezeigt. Wie fühlt es sich an die Namen der eigenen Kinder nicht mehr zu wissen? Oder was tut man wenn die eigene Mutter nicht mehr den Weg nach Hause findet? Fragen, die der Streifen schnörkellos auf die Darsteller und Zuschauer loslässt. Ein Aspekt ist jedoch mit Abstand der Bedeutendste: Was bleibt nach Alzheimer von der eigenen Persönlichkeit noch übrig? Julianne Moore erschafft in ihrer Rolle als Alice, einen faszinierenden Charakter, der sensibel und doch so unfassbar stark durchs Leben geht und dabei vor allem eines ist: Bedingungslos ehrlich. Sie lehrt die Zuschauer den Tag zu nutzen und ihn zu leben, als wäre er der letzte. Der Oscar für die beste weibliche Hauptrolle unterstreicht die beeindruckende Leistung der 54-Jährigen. Das wird hoffentlich niemand so schnell vergessen.

“Still Alice – Mein Leben ohne Gestern”, ab Donnerstag den 5. März 2015 im deutschen Kino

Mit: Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin

Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland

Dauer: 1 Stunden 41 Minuten

Genre: Drama

In Kooperation mit 99drei Radio Mittweida. Jeden Mittwoch „Die Leinwand“ von 19 – 21 Uhr auf UKW 99,3.

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Text: Christina Höhnen.  Audiodatei: Timo Schmied.