Pulitzer-Preise

Oscars für die US-Medienbranche

von | 6. Mai 2018

Die Pulitzer Preise honorieren jährlich außergewöhnliche Werke der US-Medienbranche – 2018 zum 102. Mal. Illustration: Anna Gorski

Die Pulitzer Preise sind seit jeher eine der wichtigsten US-amerikanischen Auszeichnungen in der Journalisten- und Medienbranche. Derzeit ist der amerikanische Journalismus verstärkt Anfeindungen ausgesetzt – vor allem durch den US-Präsidenten Trump. Doch mit den Würdigungen gibt das Preiskomitee auch in diesem Jahr ein politisches Statement ab.

Die Preisträger des 102. Pulitzer Preises wurden Mitte April bekanntgegeben und im Mai folgt dann die Verleihung in der Columbia Universität. Ausgezeichnet werden unter anderem Jodi Kantor und Megan Twohey von der New York Times und Ronan Farrow vom New Yorker in der Kategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“. Sie erhalten den Preis für ihre Enthüllungen im Fall des Filmproduzenten Harvey Weinstein und die dadurch weltweit ausgelöste #metoo-Kampagne. Ebenso wird die Washington Post in Zusammenarbeit mit der New York Times für Berichte über den Einfluss Russlands auf die Präsidentschaftswahlen 2016 als Preisträger gekürt.

Doch nicht nur journalistische Arbeiten werden gewürdigt, sondern auch Poesie, Musik und literarische Werke. In der Kategorie Musik erhält zum ersten Mal ein Rapper, Kendrick Lamar, für sein 2017 erschienenes Album „Damn.“ den Preis. In den Jahren zuvor holten immer klassische oder Jazz-Musiker den Preis in dieser Kategorie. Auf seinem Album rappt Lamar über die Leute aus seinem Heimatviertel, seine Erfahrungen und gemeinsamen Gegner der Afroamerikaner. Es geht um die Polizei, regierungsnahe Medien, die neuen Organe des US-Staates und auch um Trump’s Vorstellungen eines weißeren Amerikas.

Betrachtet man die Liste der diesjährigen Pulitzerpreisträger und deren Themen, dann fällt auf, dass vor allem Arbeiten ausgezeichnet werden, welche im Kontext zu Trump stehen. Alleine die New York Times wird in diesem Jahr dreimal ausgezeichnet. Zusammen mit der Washington Post gehört sie zu den am meisten verachteten Zeitungen von Donald Trump. Dieser beschimpft beinah täglich die Artikel der genannten Tageszeitungen über Twitter als „Fake News“. Doch davon lässt sich die Pulitzerjury nicht beeindrucken. Für die Chefin des Preiskomitees, Dana Canedy, sind die nominierten Beiträge vor allem „Verteidiger der Pressefreiheit, auch in den härtesten Zeiten“.

Text: Maren Frömming, Illustration Titelbild: Anna Gorski