Bald ist es wieder soweit: Am 28. Februar wird der Oscar zum mittlerweile 88. Mal in Los Angeles verliehen. Die Preisverleihung zeichnet jährlich die ganz Großen der Filmbranche aus. Dieses Jahr trüben jedoch Rassismusvorwürfe die Freude auf das Event. Zu Recht? Ein Kommentar von Christin Müller.

#OscarsSoWhite

Da die Preisrichter der Jury dieses Jahr gar keinen afroamerikanischen Menschen für eine Kategorie nominiert haben, gehen Stars wie Jada Pinkett Smith und deren Mann Will Smith nun auf die Barrikaden. Sie rufen dazu auf, dem Award fernzubleiben und werfen den Veranstaltern Rassismus vor. Das sind schwere Vorwürfe, die gegen die  Mitglieder der  Academy of Motion Picture Arts erhoben werdenDieses Jahr sei schon das zweite in Folge,  in dem keine Afroamerikaner einen Oscar bekommen hätten.

Viele dunkelhäutige Schauspieler und Filmemacher finden offenbar, ihre Arbeit werde nicht genug oder gar nicht gewürdigt. Und so ist in kürzester Zeit eine Debatte entstanden, die auf gespaltene Meinungen trifft. Unter dem Hashtag „#OscarsSoWhite“  gehen minütlich Videos, Stellungnahmen und wütende Texte auf Twitter ein. Von den großen Stars bis hin zu interessierten Usern aus aller Welt. So zeigt sich beispielsweise Halle Berry, die 2002 den Oscar als beste Schauspielerin bekam, in einer Videobotschaft traurig darüber, dass sie bis jetzt die letzte Schwarze war, der dieses Glück zuteil wurde.

Rassismus sieht anders aus

Normalerweise habe ich mich immer so auf die Zeremonie der Oscarverleihung gefreut, jetzt geht es mir jedoch anders. Ich finde es schade, dass die Mitglieder der Akademie sich nun rechtfertigen müssen, für etwas, was vielleicht nur dummer Zufall ist. Denn Beweise für die Richtigkeit der Rassismusanschuldigungen gibt es nicht, außer die Namen der Menschen auf der Nominiertenliste. Ob das Grund genug ist?

Zumal die Akademie-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs selbst dunkelhäutig ist. Diese fand entschuldigende Worte für die Lage, aber die Rassismusvorwürfe findet auch sie sehr beleidigend.

Unter den Mitgliedern sind unter anderem auch Schauspieler wie Rosario Dawso („Sin City“) und Chris Tucker („Rush Hour“). Insgesamt gibt es rund 7000 Personen, die an den Abstimmungen beim Oscar beteiligt sind.

Chris Rock, ebenso ein dunkelhäutiger Schauspieler, der für Rollen in „Rush Hour“ und Co bekannt ist, wird dieses Jahr der Host der Veranstaltung sein.

Dies sorgt natürlich für viel Spannung: Zum einen raten die Leute im Netz dazu, dass er der Verleihung lieber fernbleiben soll und zum anderen wird vorgeschlagen, dass er mit seinem Auftritt mal so richtig Druck machen könnte, um den Verantwortlichen ihren “Fehler” nochmal vor Augen zu führen.

Wie sich Chris Rock entscheiden wird, wissen wir noch nicht. Da müssen wir uns überraschen lassen.

Quotenregel für Minderheiten

Außerdem wird in unserer heutigen Zeit oft genug unter Beweis gestellt, dass Rassismus in der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen hat und massiv bestraft wird, wenn er allgegenwärtig ist.

Ein Meilenstein war die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das war etwas ganz Neues, aber die Mehrheit wollte es so. Seine Hautfarbe war dabei egal, es ging um den Menschen an sich und seine politische Einstellung.

Auch er äußerte sich gegenüber amerikanischen Fernsehsendern zum Oscar:

“…Ich denke, wenn die Geschichte aller erzählt wird, führt das zu besserer Kunst.“

Alle würden sich dann „als Teil einer amerikanischen Familie“ fühlen.

Nichtsdestotrotz reagiert die Oscar-Akademie auf die Anfeindungen. In Zukunft möchte sie mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten als Mitglieder gewinnen. Da stellt sich mir die Frage, ob es beim Oscar denn auf eine Minderheiten-Quote oder doch auf die beste filmerische Leistung ankommt?

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Wenn ich an den Oscar von 2014 zurückdenke, als beispielsweise der Film „12 Years a Slave“ zum Besten gewählt wurde und die tolle Schauspielerin Lupita Nyong´o zur besten Nebendarstellerin in diesem Film, wurde sie als „Neuling“ fast mehr gefeiert als Cate Blanchett für den Film „Jasmin“. Zumindest kann ich mich nur an Lupita und den Film erinnern und zu Recht, denn der ist mehr als gelungen. Damit wurde die Minderheiten-Quote wohl mehr als erfüllt.

Fakt ist dennoch, das beispielsweise Jada Pinkett Smith sich mit ihren öffentlichen Diskriminierungsvorwürfen viel Aufmerksamkeit eingebracht hat und somit viele Anhänger gefunden hat. Ob nun aus rein marketingtechnischen Gründen oder aus Neid, da ihr Mann keiner der Nominierten ist, weiß nur sie selbst.

Revolutionär ist die Oscar-Verleihung 2016 allemal, denn es könnte das erste Mal sein, dass Leonardo DiCaprio einen goldenen Oscar bekommt. Endlich, nach all den Jahren des Hoffens, könnte 2016 sein Jahr werden. Aber eben nur könnte. Warum er sich nie öffentlich Luft und die Akademie dafür verantwortlich gemacht hat, dass er keinen Oscar bekam? Weil Schweigen manchmal Gold ist!

Ich kann die Verärgerung von Jada Pinkett Smith und Co. verstehen, denn die Fakten regen natürlich zum Grübeln an, aber ich denke auch, dass es zu weit geht, die Menschen der Oscar-Akademie in eine Ideologie zu drängen, die menschenfeindlich ist. Jeder will für seine Arbeit Anerkennung ernten, und verdient sie für gute Arbeit auch.

Deshalb hoffe ich, dass die neuen Regelungen der Oscar-Akademie zum Frieden in der Branche beitragen und jeder einmal die Chance auf den begehrten Oscar bekommt.

Text: Christin Müller. Titelbild: „Academy Award Winner“ © Davidlohr Bueso  unter CC BY 2.0  | „Oscar Statuettes“ © Prayitno / Thank you for (9 millions +) views unter CC BY 2.0  | „Ver Oscar 2015 en vivo en directo“ © Ver en vivo En Directo unter CC BY-SA 2.0. Bearbeitung: Mandy Lewna.