Schon etwa ein Jahr nach der Veröffentlichung der „Creative Suite 5.5“ , die nur ein mageres Update von „Photoshop CS 5“ beinhaltete, erscheint im ersten Halbjahr 2012 mit „Photoshop CS 6“ die nächste Generation der Profi-Grafiksoftware.Die Software soll erstmals eine dunkle Benutzeroberfläche erhalten und erinnert damit an verwandte „Adobe“-Produkte, wie die Foto-Verwaltungssoftware „Lightroom“ oder das Videobearbeitungsprogramm „Premiere“.

Neben der optischen Änderung sollen auch neue Werkzeuge die „Photoshop“-Nutzer dazu animieren, sich die neue Version zu kaufen. Mit der verfeinerten Form des Kamera-Plug-Ins „Camera Raw 7“ soll es künftig möglich sein, Fotos mit vielen Schattenbereichen besser und umfangreicher aufzuhellen. Zudem sollen neue Pinsel- und Pipetten-Werkzeuge mit 3D-Funktion die Bildbearbeitung erleichtern. Die neue „Photoshop“-Version kann zudem automatisch Projekte speichern, der Rhythmus durch den Nutzer selbst festgelegt werden.

Schnellere Updates, weniger Inhalt

Nicht jeder sieht unterdessen die schnelle Marktreife einer neuen „Photoshop“-Version positiv. Marcel Drechsler, der ein eigenes Design-Unternehmen im Werbebereich führt, hat die Version „Photoshop CS 5“ übersprungen. „Da die Abstände zu den einzelnen Versionen mittlerweile so schnell sind, bin ich der Meinung, dass so viele Neuerungen in ‚CS 5‘ nicht eingebaut wurden. Ich bezweifle, dass ich mir damit wirklich eine komplett neue Version zugelegt hätte“, erklärt er. Ein gewichtiges Argument sind die damit verbundenen Kosten. Das Upgrade – also der Wechsel von einer früheren zur aktuellen Softwareversion – kostet immerhin fast 300 Euro.

„Adobe“ hatte bis zur Veröffentlichung von „Photoshop CS 5“ im gleichmäßigen Zwei-Jahres-Rhythmus neue Versionen seines Grafikprogramms publiziert. Danach verkürzte die Firma das Intervall auf etwa ein Jahr. Einige Grafiker und Designer kritisieren, dass durch die neuen Versionen den Nutzern mitunter einzelne Neuerungen verloren gingen, da diese bis zum Veröffentlichungsdatum nicht ausgereift sind. Anke Lange, Gründerin der Webseite „Gimp-Werkstatt.de“, stört vor allem die ständig nötige Umgewöhnung bei „Adobe“: „Für Unternehmen ist es häufig schwierig diese Updates so schnell zu übernehmen. Anwender möchten mit der Software arbeiten und sich nicht ständig an neue Buttons, Features und Vorgehensweisen gewöhnen müssen.“

Für die schnelleren Aktualisierungsintervalle gibt es aber auch Argumente: „In einem Update müssen ja nicht immer Neuerungen enthalten sein. Manchmal geht es eben auch nur um Leistung oder Sicherheitslücken, die geschlossen werden“, argumentiert der Mediendesigner Dennis Papzien.

Freeware-Entwickler weichen bewusst von „Photoshop“ ab

Das Problem eines wirtschaftlich bedingten Zeitdrucks stellt sich Entwicklern von Freeware-Programmen nicht. Die Entwickler der kostenlosen „Photoshop“-Alternative „Gimp“ sind unabhängig und müssen mit ihrem Produkt keine Gewinne erzielen, wodurch Updates auch mehr Entwicklungszeit in Anspruch nehmen können. „Wir haben einen hohen Anspruch an ‘Gimp‘, insbesondere was die Qualität des Sourcecodes angeht“, sagt Simon Budig, einer der Entwickler von „Gimp“. Generell hält er es für kritisch, wenn ein Releasedatum anhand von Terminen festgelegt wird. Für ihn ist wichtig, dass das Feature ausgereift ist.

Kostenlose Grafik-Programme bieten vor allem Laien und Hobby-Grafikern eine gute Ausweichmöglichkeit zu „Photoshop“. „Freeware ist, wenn sie gut gemacht ist, definitiv immer eine gute Alternative. Privat würde ich mir eine so professionelle Software zu diesen Preisen nicht leisten können, beziehungsweise wollen“, erläutert Mediendesigner Papzien. „Im professionellen, gewerblichen Einsatz ist Freeware sicherlich keine Alternative, da ‚Adobe‘ mit ‚Photoshop‘ das Nonplusultra auf dem Sektor Grafik darstellt.“

Die Freeware-Entwickler sind jedoch teils gar nicht daran interessiert, dass ihr Programm mit dem „Adobe“-Produkt gleichzieht. „Ich selbst kenne ‚Photoshop‘ quasi gar nicht. Im schlimmsten Fall schadet es mir sogar, weil ich bei einer Problemlösung automatisch eine von anderen gefundene Lösung vor Augen habe und keine eigene, unabhängige Lösung finden kann“, erklärt „Gimp“-Entwickler Budig.