Pride Month

Der Juni zeigt sich bunt

von | 28. Juni 2018

Die Regenbogenflagge wurde 1978 von dem Künstler und Designer Gilbert Baker gestaltet. Ursprünglich umfasste sie acht Farben, jedoch wurden Türkis und Pink entfernt. Die jetzigen Farben repräsentieren das Leben, Heilung, Sonnenlicht, Natur, Harmonie, Geist und den Stolz Homosexueller sowie die Vielfalt ihrer Lebensweise. Illustration: Anna Marie Gorski

Regenbögen, Glitzer und jede Menge nackte Haut: Der Juni wurde von der LSBTTIQ* Gemeinschaft zum Pride Month erklärt. Am 14. Juli wird in Chemnitz ein Christopher Street Day gefeiert. Die ausgelassene Partystimmung erinnert kaum noch an die brutalen Ereignisse, die den Festivitäten zu Grunde liegen. Wir zeigen euch, was hinter diesem besonderen Monat für die Community steckt.

Was ist Pride-Month?

Jedes Jahr im Juni feiert die LSBTTIQ* Gemeinschaft ihre sexuelle Diversität. Sie gedenken Mitgliedern ihrer Gemeinschaft, die große Verdienste um die Bewegung erworben haben, Opfern von Hass- und Gewalttaten, sowie Opfern, die durch HIV/AIDS ihr Leben verloren haben.

Mit verschiedenen Events wie unter anderem Partys, Konzerten und Spendenläufen wird auf diese Minderheit, ihre Geschichte und Probleme aufmerksam gemacht. Die Gay-Pride-Paraden, die in Deutschland unter dem Namen „Christopher-Street-Day“ bekannt sind, spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Diese dienen nicht nur dazu, Aufmerksamkeit zu schaffen, sondern auch als unkonventionelle, „tänzerische“ Art des Protests gegenüber Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung. Sie stehen zudem für den Kampf zur Untermauerung ihrer Würde, Rechte und Selbstbestätigung für alle Angehörigen der Gemeinschaft auf der ganzen Welt.

 LSBTTIQ* Gemeinschaft
(engl. LGBTIQ+ Community) ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich als Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Transsexuell, Intersexuell oder Queer identifizieren. Das Sternchen steht für weitere Sexualitäten oder Menschen, die sich noch nicht sicher sind. Da sich der Zusammenschluss uneinig darüber ist, mit welchen Sexualitäten dieser sich genau definieren will, soll das Plus für jeden stehen, der sich mit seiner Sexualität der Gemeinschaft angehörig fühlt.

Warum ist der Pride Month im Juni?

Es ist der 28. Juni 1969, Grennwich Village, USA: etwa eine Stunde nach Mitternacht führt die Polizei eine Razzia im „Stonewall Inn“ durch. Eine Bar, die Homosexuelle und Transgender als Zielgruppe hat. Sie haben die Absicht, die Identitäten Homosexueller, Transgender und Dragqueens festzustellen, sie zu verhaften und für Anstößigkeit, beziehungsweise Erregung öffentlichen Ärgernisses vor Gericht anzuklagen.

Aufgrund vorangegangener, gewalttätiger Razzien, die besonders gegen afroamerikanische und lateinamerikanische Mitglieder der Gemeinschaft gerichtet waren, setzten sich die Clubbesucher zur Wehr. Daraus entstand der „Stonewall-Aufstand“, bei dem sich Anhänger der Lesben- und Schwulengemeinschaft über Tage hinweg gegen die Polizei auflehnten.
Um diesen Ereignissen zu gedenken und diesen Menschen Tribut zu zollen, erklärt die Community den Juni zum Pride-Month. Im deutschsprachigen Raum wurden die Tage, an denen durch Paraden protestiert wird, nach der Christopher Street benannt, in dem das „Stonewall-Inn“ bis heute steht.

Die erste Parade zum Gedenken der Vorkommnisse am einjährigen Jubiläum der „Stonewall-Aufstände“ organisierte Brenda Howard in West Village, New York. Sie ist heute in der Szene als „Mother of Pride“ bekannt und hat der Bewegung ihren Namen gegeben. Der 28. Juni 1969 war ein Wendepunkt in der Geschichte der Bewegung zur Liberalisierung von Homosexuellen. Nach dem „Stonewall-Aufstand“ bildeten sich politische Gruppen, die mehr Toleranz und Rechte für Homosexuelle forderten. Die Minderheit wurde erstmals durch die Medien von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Der Tag gilt weltweit als der Beginn der Schwulenbewegung.

Was sollte ich wissen, bevor ich zu einem Pride Event gehe?

Jeder kann an einem Pride-Event teilnehmen. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, sollte man folgende Terminologien kennen und verstehen. Hier findest du die am häufigsten vertretenen sexuellen Orientierungen mit ihren zughörigen Pride-Flaggen.

Da sich die Regenbogenflagge spezifisch auf die Homosexualität bezieht, haben sich Gruppen verschiedener sexueller Orientierungen ebenfalls entschlossen, sich selbst einen Wiedererkennungswert zu geben, der ihren Stolz repräsentiert. Illustrationen: Anna Marie Gorski, mit Material von: euroClinix, noizz, purrpurr, rainbowfeelings, lilli, queer-lexikon

Vorurteile lassen sich widerlegen

„Ist Homosexualität eine Krankheit? “

Homosexualität ist keine Krankheit: Seit 1992 wird gleichgeschlechtliche Liebe, im Katalog der International Classification of Diseases (ICD) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht mehr als solche gelistet.

Der Ursprung der Homosexualität ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt mehrere Theorien der Entstehung. Die Queer-Theorie unterscheidet zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) und sehen die Ursache für Homosexualität im kulturellen und sozialen Umfeld. Wissenschaftliche Disziplinen in denen diese Theorie angewendet wird, werden als „Queer Studies“ bezeichnet.

In eine andere Richtung forscht man in der Studie Genome-Wide Association Study (GWAS) of Male Sexual Orientation. Dort haben Alan Sanders (Direktor der Abteilung für Verhaltensgenetik am Zentrum für Psychiatrische Genetik der University of Chicago) und sein Forscherteam die Gene von ca. 1100 homosexueller und ca. 1200 heterosexueller Männer analysiert und verglichen. Die US-Forscher haben laut der Zeitschrift Nature auf dem Chromosomen 13 und 14 zwischen den Gruppen Unterschiede feststellen können, die laut ihnen für die Entwicklung der sexuellen Orientierung relevant sein könnten. Es sei nicht auszuschließen, dass Homosexualität sowohl genetisch als auch von dem sozialen Umfeld abhängig ist. Seit der 11. Auflage der ICD ist Transsexualität ebenfalls nicht mehr als psychische Störung gelistet.

„Bist du Transgender oder Transvestit?“

Transvestie (lat.: trans: hinüber; vestire: kleiden) ist eine Kunstform, bei der sich eine Person als ein anderes Geschlecht verkleidet, dem sie selbst nicht angehört. Sie ist nicht an die sexuelle Orientierung gebunden. Sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Menschen können Transvestie betreiben. Sobald die Person sich an einen festen Charakter bindet und nur noch als dieser auftritt, ist es „Drag“. Hierfür gibt die Person dem Charakter einen Namen, eine Persönlichkeit und ein bestimmtes Auftreten beziehungsweise Erkennungsmerkmal. Bekannte Dragqueens sind Olivia Jones oder RuPaul, als Dragking Jo Calderone.
Transvestie hat also nichts mit Transgender zu tun.

„Warum reden wir überhaupt noch über Homosexualität/andere Orientierungen? Ist das Thema nicht erledigt?“

In beispielsweise Deutschland, Kanada und den USA haben Homosexuelle und anders Orientierte keine Strafverfolgung mehr zu befürchten. Seit Oktober 2017 ist es auch in Deutschland möglich die gleichgeschlechtliche Ehe einzugehen. Diese Rechte gibt es allerdings nicht überall. In mindestens 68 Ländern der Welt drohen Homosexuellen, bei Nachweis einer sexuellen Handlung, Freiheitsstrafen, Peitschenhiebe, lebenslängliche Haft bis zur Todesstrafe. Auch in Ländern ohne spezielle Gesetzesvorschriften, die Homosexualität verbieten beziehungsweise bestrafen, kann es Einschränkungen in der Lebensweise geben. Zum Beispiel zählt dazu in Russland die eingeschränkte Versammlungs- und Redefreiheit. Da diese Strafen und Regelungen gegen die Menschenrechte verstoßen und teilweise von der UNO geächtet werden, scheint das Thema nichts von seiner Relevanz verloren zu haben.

Text, Titelbild und Illustrationen:  Anna Marie Gorski