Internet-Stars

Sink or Swim – Wie lang hält der YouTube Ruhm ?

von | 17. Juli 2018

Mit möglichst wenig Aufwand, viel Gewinn erzielen: Das ist YouTube Deutschland. Foto: Caroline Lindner

Zwei Mädchen, zwischen 15 und 16 Jahren, tanzen in knapper Kleidung vor der Smartphone-Kamera und bewegen ihre Lippen zur Musik. Diese Art von Videos laden sie auf der Videoplattform YouTube hoch und werden in kürzester Zeit berühmt. Doch wie lange hält diese Welle des Erfolges an?

Ihre Abonnentenzahl steigt täglich auf auf YouTube. Ihr Berühmtheitslevel auch. Sie posten ihre kurzen Clips und generieren im Durchschnitt zwischen 99.000 und 295.000 Klicks – bei 675.659 Abonnenten eine Vielzahl an Aufrufen. YouTube verhalf LisaAndLena aber nicht nur zu einer hohen Zahl an Followern, sondern auch zu Auftritten auf Events wie den TeenChoice Awards, dem US-amerikanische Film-, Musik- und Fernsehpreis, bei dem die besten Leistungen von jungen Kreativen in Populärmedien des Jahres auszeichnet werden. Zusätzlichen erarbeiteten sie sich eine Nominierung bei dem Webvideopreis Deutschland im Jahr 2017 in der Kategorie „Person of the Year Female“. Wie jeder erfolgreiche Influencer zählen auch die Schwestern Werbeverträge, Werbeschaltungen vor eigenen Videos und Produktplatzierungen zu ihren Verdienstmöglichkeiten.

Laut Aussage gegenüber der Bravo, haben LisaAndLena ihre Schule abgebrochen um diesen Erfolg zu erreichen. Zwar streben die beiden eine Ausbildung als Tanzpädagoginnen an der Minkow Tanzakademie in Winnenden an, ihr Abitur haben die beiden allerdings nicht. Zu stressig sei das Leben geworden, obwohl die Schwestern vor einem Jahr noch gegenüber der Bravo sagten: „Das klappt total gut, weil wir das auch sehr ernst nehmen.“ Sie hätten sich in der Schule sogar verbessert, und „Die Schule ist uns schon sehr wichtig“, erklärten LisaAndLena damals. Allerdings nicht so wichtig wie YouTube und Co. Mit dem Abbruch des Abiturs konzentrieren sich die beiden nun vollkommen auf ihre Internetkarriere.

Lisa und Lena M. sind aber nicht die einzigen, die YouTube erfolgreich zum Beruf gemacht haben. „YouTube-Königin“ Bianca „Bibi“ Heinicke, den meisten besser bekannt als BibisBeautyPalace, „regiert“ YouTube zurzeit mit mehr als fünf Millionen Abonnenten und ist damit die aktuell erfolgreichste YouTuberin Deutschlands. Aufgebaut hat Bianca ihr kleines Imperium seit November 2012 mit „Schmink-Tutorials“: Bedienungsanleitungen im Bewegtbildformat zum perfekten Make-Up. Momentan hat Bibi ihren Content der Zeit angepasst und geht mit den „YouTube-Trends“.  „Prankvideos“ oder sogenannte „Challenges“ zählen zu ihren meist geklickten Videos. BibisBeautyPalace erntet mit ihrer Umstellung des Content weiterhin Klicks in Millionenhöhe. Ihr Konzept läuft: Durch Werbeverträge, Werbeartikel und Provisionen aus Affiliate-Marketing sowie ihrer eigenen Kosmetikmarke Bilou könnte Bibi laut socialblade.com monatlich mehr als 100.000 Euro einnehmen. Ihr Kanal hat sie also weit gebracht.

Mitschwimmen oder untergehen

Doch der Ruhm kann schnell versiegen, denn neue Formate verdrängen alte Erfolgsgeschichten und Geschäftsmodelle quasi in Echtzeit. Was früher „Let’s Play’s“ – also kommentiertes Gameplay – war, sind jetzt Challenges. Was früher kleine Mädchen mit Make-Up Tutorials waren, sind jetzt Business Women. YouTuber, die sich diesem Wandel nicht schnell genug anpassen, geraten in Vergessenheit. Wie die Kanäle Alberto, Y-Titty oder auch Taddl. Alle früher auf Comedy und Gaming spezialisiert, haben sie YouTube Deutschland geprägt. Doch als das Publikum immer jünger wurde und die Nachfrage nach einem bestimmten  Content immer größer wurde, konnten diese „alten Hasen“ nicht mehr lange mithalten. Am besten kann man die Veränderungen in den Trends der Plattform beobachten: Einer Kategorie, in der Videos nach Aufrufzahlen geranked werden. Wer auf Platz 1 liegt, ist am erfolgreichsten. In den Jahren von 2013 bis etwa 2015 führten hier YouTuber wie Y-Titty oder DieAußenseiter. Jetzt hat eine neue Generation von Creator die Nase vorn, zum Beispiel KuchenTV oder auch ApoRed. Beide haben Abonnentenzahlen zwischen 600.000 und 2,3 Millionen. Sie begeistern mit reißerischen Titeln, aufregenden Thumbnails und immer verrückteren Videos. Der YouTuber ApoRed generierte mit einem Video rund 1,2 Millionen Aufrufe, als er versuchte die „größte Oreo-Torte der Welt“ zu backen. Lisa und Lena wollen vor allem mit Videos glänzen die bei ihren Fans gefragt sind, also die die am meisten geklickt werden. Alles, was das junge Publikum anzieht, ist erlaubt. Und alles, was dem Creator Geld in die Kassen spielt.

Youtube ABC

Challenges =  (dt.: Herausforderungen) Videos, in denen eine schwierige Aufgabe bewältig werden soll oder etwas sehr Verrücktes getan wird

Creator = dt. Künstler auf YouTube, die Videos auf ihren Kanälen hochladen

Influencer = Personen die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in Social Media für Werbung und Vermarktung in Frage kommen; die durch ihre hohe Reichweite Menschen „beeinflussen“ können

Pranks = (dt.: Streich) Videos, in denen eine Person veralbert und dabei unwissentlich gefilmt wird

Das große Geld schnell verdient

Diese YouTuber zeigen, dass man mit der Plattform Geld verdienen kann. Einige davon lassen sich vermeintlich in die Einnahmen schauen. Der YouTuber JulianBam legte im September 2017 in einem seiner Videos offen, wie viel er mit Werbeschaltungen und Videoaufrufen im Monat erziehlt. Mit rund 30 Millionen Videoaufrufen im Monat verdiene JulianBam mit seinem gleichnamigen Kanal allein durch die Schaltung von Werbung rund 25.400 US-Dollar (rund 21.200 Euro). Allerdings sei das nicht die endgültige Summe. Der Gesamtgewinn müsse noch versteuert werden. Schließlich zählt JulianBam als weitere Abzüge die Gehälter für sein Team, Produktionskosten und Kosten für sein Haus auf. Im Verlauf des Videos begeht der YouTuber allerdings ein paar grobe Rechenfehler. Denn er zieht die Steuern (Steuerspitzensatz 42 Prozent) direkt von seinem Gesamtgewinn ab, obwohl im Vorfeld sämtliche Betriebsausgaben abgezogen werden müssen. Außerdem werden Steuern nicht monatlich, sondern quartalsweise berechnet und abgezogen. Dies führt dazu, dass auch hier das Endergebnis ungenau ist. Durch das Video von JulianBam hat man zwar einen kleinen Einblick bekommen, wie viel ein erfolgreicher YouTuber verdienen kann, allerdings gibt es keine Garantie, dass diese Zahlen der Wahrheit entsprechen. Also wird fleißig im Internet spekuliert – einen Euro pro Klick, pro Abonnent oder doch 100 Euro pro 1.000 Abonnenten? Gesagt sei aber: YouTuber, die gelernt haben sich zu vermarkten, können in der Regel gut von den Einnahmen ihrer Videos leben.

Auf der Website socialblade.com findet man auch Zahlen zu dem Kanal von LisaAndLena. Allerdings kann man den Berechnungen von SocialBlade nur in Sachen Aufrufzahlen vertrauen. Den Aufgrund von unterschiedlichen Verträgen, Produktplatzierungen, Strukturen von Multi-Channel-Netzwerken, Werbeblockungssoftwaren und Steuern- und Versicherungsabgaben sind die Angaben zum Verdienst der Teenager (laut socialblade.com 117 Euro bis 1.900 Euro monatlich) auch hier wieder sehr spekulativ.

Ein Ausblick in die Vergessenheit

Lisa und Lena haben es geschafft, durchaus erfolgreich mit ihrem Kanal zu sein. Und das steckt an: Junge Menschen wollen auf diesen Zug aufspringen. Denn der aktuelle Content, der auf YouTube zurzeit kursiert, impliziert den Eindruck, dass jeder „Otto-Normal-Teenager“ genau das Gleiche erreichen kann – ganz ohne Schule und abgeschlossene Berufsausbildung. Die Videos der jetzt aktuell noch angesagten YouTuber halten sich an Trends und bezeichnen sich offen selbst als Mainstream. Sie wissen, welcher Content geschaut wird und lehnen ihren eigenen daran an. Das Konzept YouTube als schnelle Eigenvermarktung haben sie verstanden. LisaAndLena machen es vor, und hunderte Jugendliche wollen es nachmachen oder mindestens genauso angesagt sein wie die beiden Schwestern. Wer als nächstes ganz oben in den YouTube-Trends steht, kann man nicht vorhersehen. Das entscheidet allein die Zielgruppe von YouTube. Denn eine Plattform die von ihren Zuschauern lebt, verändert sich mit der Zeit. So könnten auch Lisa und Lena schnell zu den Vergessenen gehören.

Text und Foto: Caroline Lindner