Der Studentenclub Mittweida – Das neue Wir

Seit dem 9. Mai 2017 blieben die Türen des Studentenclubs in Mittweida verschlossen. Direkt nach den Feierlichkeiten des 150-jährigen Jubiläums der Hochschule vom 5. bis 7. Mai 2017 schloss der Club. Eine Rundmail an die Studentenschaft und ein Facebook-Beitrag informierte über die Gründe: Geringe Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit, Vandalismus in den Räumlichkeiten des Clubs und geringe Besucherzahlen des „House on the Hill Festivals“. In diesem Zusammenhang verwies der Club auf diverse Gegenveranstaltungen am Festival-Wochenende. Heute, am 23.05.2017, lud der Studentenclub zur öffentlichen Diskussionsrunde ein und das sind die Fakten.

Vorab, Vorstandsvorsitzender Sebastian Sprenger stellte eine Relaunch-Party am 29. Mai 2017 in Aussicht. Und fest steht, dass der Club nach wie vor zu den üblichen Zeiten von Montag bis Freitag geöffnet haben soll, sobald es wieder losgeht.

Im Club war es dunkel. Nur wenige Scheinwerfer warfen Licht in den Versammlungsraum. Das Öffnen der abgehängten Fenster brachte nur wenig. Auf der Bühne nahmen die Vorstandsmitglieder in Manier einer Pressekonferenz platz. Brian Gäbler eröffnete die Diskussionsrunde. Zunächst drückte er die Freude des gesamten Vorstands darüber aus, dass so viele Menschen Interesse für den Club und ihre Veranstaltung zeigten. Die Gäste wurden vor der Bühne auf Bierbänken platziert. Alle anderen mussten stehen. Es war voll: schätzungsweise 120 Neugierige im Club und bis zu 60 vorm Facebook-Livestream. Der Barbetrieb fand wie gewohnt statt.

In einem ersten Statement stellte Gäbler klar, dass die Ereignisse am Jubiläumswochenende nicht der ausschlaggebende Grund für die Schließung waren. Sie waren allenfalls das i-Tüpfelchen, das den Entschluss zur Schließung festigte. So führte er das Fehlverhalten mancher Besucher gegenüber den ehrenamtlichen Mitarbeitern auf. In den vergangenen drei Monaten musste sich die Crew mit wüsten Beschimpfungen, Diebstählen und mutwilligen Sachbeschädigungen auseinandersetzen. Ein Zeugnis der Zerstörung ist das Loch in der Wand neben der Cocktailbar. Außerdem häuften sich Beschwerden wegen politisch unkorrekter Äußerungen und sexueller Diskriminierung durch Clubbesucher.

Um die Zukunft des Clubs zu sichern, betonte Sebastian Sprenger mehrfach die Entwicklung eines Wir-Gefühls. Dieses Wir-Gefühl soll künftig Zerstörung und Beschimpfung verhindern – einfach, indem die Besucher gegenseitig aufeinander aufpassen. Rechtsverletzungen werden nach wie vor zur Anzeige gebracht.

Das neue Konzept sieht die aktive Einbindung aller Interessenten vor. Momentan gibt es noch keinen konkreten Ansprechpartner dafür. Die Lösung ist, eine Nachricht an die Facebook-Seite des Clubs zu senden. Eine weitere Möglichkeit sind die sonntäglichen Sitzungen (ab 19 Uhr), zu denen auch Interessierte ohne Anmeldung erscheinen können. Der Vorstand setzt also in Zukunft stark auf die Beteiligung aller Studierenden der Hochschule. Im Gespräch waren u.a. Poetry Slams, LAN-Partys oder auch die guten alten Karaokeabende. Vorschläge jeglicher Art sind willkommen.

House on the Hill Festival

Der Vorstand äußerte sich nach der öffentlichen Diskussionsrunde gegenüber medienMITTWEIDA zu den Umständen des Festivals. Dieses war als Alternative für Studierende zu den Alumnifeierlichkeiten der Hochschule Mittweida gedacht. Tatsächlich blieben hohe Besucherzahlen aus. Die Gründe sind vielseitig. Die eine Gegenveranstaltung gab es nicht. Nicht im ZMS und auch nicht vor der Mensa. Es scheint, wer konnte, flüchtete vor der zu erwartenden Lärmbelästigung der 150-Jahrfeier aus der Stadt.

Gegenveranstaltungen

Wir sprachen vor der Diskussionsrunde im Studentenclub mit Thore Brüggemann, der zwar Mitglied des Studentenrats ist, aber an dieser Stelle seine persönliche Wahrnehmung vom Wochenende schilderte. Er arbeitete während der Feierlichkeiten im Spiegelzelt und als Moderator bei einer der vielen anderen Veranstaltungen im “1865”, einem kleinen Cafe mitten in Mittweida. Danach besuchte Thore das „House on the Hill Festival“. Auch sonst war Thore regelmäßiger Gast im Studentenclub.

Gerüchten zufolge sollen neben den offiziellen Veranstaltungen im Studentenclub private Feiern an mehreren Orten auf dem Campus stattgefunden haben. Mit absoluter Sicherheit kann Thore das nicht bestätigen. Er weiß lediglich von einer privaten Veranstaltung mit Alkoholgenuss vor der Mensa am Samstagabend, den 06. Mai, die aber gegen 23 Uhr beendet wurde. Zwei Stunden zuvor begann die offizielle ZMS-Party für Alumni und Studierende. Veranstalter dieser Party war der Studentenrat. Allerdings war nicht nur der Samstagabend von privaten Feiern betroffen, sondern das gesamte Jubiläumswochenende – kann Thore weiterhin berichten. Die Besucher des „House on the Hill Festivals“ waren überschaubar. Ein Grund dafür könnten die schwarz abgehangenen Bauzäune gewesen sein, so Thore. Sie sollten das Festivalgelände eingrenzen, hatten aber eher eine abschreckende Wirkung.

Wir wollten es noch genauer wissen und den Studentenrat ebenfalls zu Wort kommen lassen, deshalb schickten wir Jenny mit ein paar Fragen zu Gordon Oswald, dem Leiter des Studentenrates, ins Haus 6. Er führt nicht nur den Studentenrat an, sondern studiert ebenfalls hier in Mittweida im 8. Semester Wirtschaftsingenieurwesen und wer weiß, vielleicht hält er ja noch die eine oder andere hilfreiche Antwort für uns parat.

„Ich halte die Schließung für äußerst bedauerlich und wir müssen hier gemeinsam als Hochschule, Studentenrat und Studentenclub eine Lösung finden.“ antwortete Gordon auf die Frage, ob er sich ein Mittweida ohne Studentenclub vorstellen könnte. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit in der Vergangenheit ablief, antwortete er: „Wir haben nichts gegeneinander unternommen, aber auch nichts füreinander getan, es war eher ein neutrales Verhältnis“. Die Gerüchte, dass der Studentenrat „Mittweida ReUNIGHTed“ am 06.05.2017 im ZMS vorsätzlich als Gegenveranstaltung zum „House on the Hill Festival“ veranstaltete, konnte Gordon entkräften.

Außerdem erfuhr unsere Interviewerin, dass der Studentenrat den Auftrag hat, das kulturelle Leben zu fördern und somit die Möglichkeit besitzt, studentische Projekte mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Eine Form der Zusammenarbeit könnte daher in Zukunft auch über die Bereitstellung von Fördergeldern für den Studentenclub erfolgen.

Und das sagen die Studis über ihren Club

Jenny (Medienmanagement) kann die Reaktion der Clubmitglieder nachvollziehen. Es sei blöd, wenn niemand zum Festival kommt, obwohl sich die Leute viel Mühe gegeben haben. Allerdings erscheint ihr die Schließung etwas übertrieben. Ansonsten mag sie die Leute hinter der Bar, die sind nett und es geht schnell.

Sina (Forensik) findet die Zerstörungen im Club unnötig, solche Dinge passieren oft auch bei Hauspartys. Das muss nicht sein.

Matthias (Elektrotechnik) kann die Reaktion der Clubmitglieder verstehen, immerhin machen das die Leute in ihrer Freizeit „…und wenn da schlechte Erfahrungen rüberkommen, hätte ich auch keine Lust mehr.“ Mit Schließung des Clubs, so Matthias, gäbe es abends für ihn keinen Ort – außer vielleicht vor der Mensa zu sitzen.

Alexandra (Medienmanagement) vermutet, die Schließung des Clubs sei keine vorübergehende Maßnahme wie es von vielen anderen Studenten angenommen und gehofft wird. Sie besuchte den Club mindestens zweimal in der Woche.

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