Aufbrausende Städte und filmreife Provinzen

von | 5. Juli 2019

Eine der vielen goldenen Statuen des Großen Palasts in Bangkok. Foto: Susan Jahnke

„Flug nach Dubai mit der Flugnummer EK052 beginnt jetzt mit dem Boarding. Bitte halten Sie ihren Boarding Pass und ihren Reisepass bereit, danke“, schallt es aus den Lautsprechern am Münchener Flughafen. Hektisch sammeln wir unseren Boarding-Pass und das Handgepäck zusammen. Unter der Leitung des Studierendenrates begibt sich die Reisegruppe Mittweida in den Airbus A380. Gespannt beobachtet Susi, wie sich Caro vor ihrem ersten Flug fühlt. Sie schlägt sich gut. Noch schnell einen Kaugummi, um später den Druck in den Ohren besser ausgleichen zu können. Los geht’s. Nun haben wir insgesamt zwölf Stunden Flug vor uns. 

Angekommen

Nach einem Zwischenstopp in Dubai, erreichen wir den hektischen Flughafen Suvarnabhumi. Angekommen springt uns Bangkok förmlich ins Gesicht. Wir steigen aus und sofort kommt uns eine tropisch-heiße und feuchte Luft entgegen. Es ist verrückt. Überall fahren Menschen, Taxis und Tuk Tuks kreuz und quer. Ein Shuttlebus fährt uns einmal durch die Stadt in unser Hotel. Als wir auf unsere Zimmer dürfen, öffnen wir die Vorhänge des riesigen Fensters und bewundern die Skyline Bangkoks. Wir betreten das schicke Bad und bekommen zunächst einen ordentlichen Lachanfall. Dusche und Zimmer sind nicht durch eine normale Wand getrennt, nein, eine Glaswand ziert die Abtrennung zwischen Dusche und Schlafzimmer. Bei aller Freundschaft, aber  zum Glück gibt es da noch ein Rollo. 

Als wir endlich in das sehr große und bequeme Bett fallen, wird uns erst einmal richtig bewusst: Wir sind in Thailand!

Unterwegs auf den Straßen Bangkoks. Foto: Susan Jahnke

Die erste Dosis Bangkok

Der nächste Tag ist vollgepackt. Mit dem Shuttlebus geht es zu unserem ersten Ausflugsziel – der deutschen Botschaft in Thailand. Dort lädt uns ein Diplomat zum Gespräch ein. Wir diskutieren über die Wirtschaft und Kultur in Thailand. 

Danach fahren wir zum Großen Palast. Zum Glück wurden wir bereits im Voraus über die Kleiderordnung aufgeklärt. Wir Frauen müssen Kleidung tragen, die unsere Schultern, Beine und Knöchel bedecken. Bei 38 Grad im Schatten nicht unbedingt angenehm. Trotzdem freuen wir uns natürlich darauf, den beeindruckenden Palast, den man bereits von der Ferne erkennen kann, bewundern zu können. Am Eingang werden wir auch wirklich im Vorbeigehen auf korrekte Kleidung „gescannt“. Ein Sicherheitsmann erlaubt sich einen Scherz mit Caro. Mit ernstem Gesicht spricht er sie auf ihren tattoowierten Arm an. Caros Blick wirkt verunsichert, doch schnell fängt der Mann an zu lachen und winkt sie durch. Später erfahren wir von unseren Reiseleitern, dass Tattoos bei Frauen in Thailand unüblich sind. 

Der Große Palast erstreckt sich über 2,6 Quadratkilometer. Überall schauen die goldenen Spitzen der kunstvoll verzierten Dächer zwischen Bäumen hervor. Aufwendig wurden die vielen Säulen, die die schweren Tempel stützen, mit kleinen Mosaiksteinchen verziert. Es gleicht einem Labyrinth aus Tempeln, Gebetshäusern und Statuen. In den Sonnenstrahlen glitzert alles um uns herum. Wir verbringen einige Stunden damit, die faszinierenden Bauten zu bewundern. 

Am Abend finden wir dann noch die beliebte Straße für Backpacker – die Khao San Road. Diesen Anblick, die Menschen und Gerüche muss man selbst erleben. „Hi, do you want dinner?“ „Here Dinner, we have Curries, Western foods, drinks…” Auf der Khao San Road werden wir von beiden Seiten angesprochen. Dort gibt es auch endlich das erste traditionelle Curry für uns. Wir verspeisen drei Hauptgerichte, zwei Dessert und Cocktails für ungefähr 600 Baht, nur umgerechnet 17 Euro. Zusammen wohlgemerkt.

Tempel, Gebetshäuser und Stupas (in denen religiöse Artefakte aufbewahrt werden) füllen den Innenhof des Palastes. Foto: Susan Jahnke

Von Märkten, fiesen Gerüchen und Party

Unser nächster Tag beginnt früh. Um 6.30 Uhr fahren wir zum berühmten Railway-Market. Wir laufen auf Eisenbahngleisen. Links und rechts sind Stände und kleine überdachte Buden, in deren hinteren Ecken Menschen kochen oder Dinge stapeln. Direkt vorn an den Gleisen sitzen Verkäufer, die von früh bis spät ihre Waren anbieten. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis – vor allem für die Nase. Denn neben Obst und Gewürzen verkaufen die Thais auch Fisch und Fleisch. Aber ohne die in Deutschland typischen Kühltruhen. Die Lebensmittel liegen also bei über 38 Grad in der prallen Sonne. „Puhh, ich hab gerade Fischwasser abbekommen“, sagt Caro, während wir an einem Eimer vorbeigehen, in dem sich Welse wild umher schlängeln. Schnell laufen wir die engen Gleise entlang, um zum Ausgang zu gelangen. 

Die Longtailboote mit ihren Automotoren rasen über die kleinen Kanäle die zum Chao Phraya gehören. Nachdem wir es aus dem Railway Market geschafft haben, fahren wir mit dem Boot zu den Floating Markets, auf deutsch auch schwimmende Märkte genannt. Von kleinen Booten aus werden hier Waren verkauft. Wir betrachten das Geschehen von einem kleinen Restaurant am Rand aus. Eine ältere Frau wendet Fleischspieße auf einem kleinen Grill, der sich auf ihrem Boot befindet.

Nach dem straffen Kulturprogramm haben wir Freizeit und erkunden Bangkok auf eigene Faust. Vorbei an mobilen Imbissständen, auf deren Grills kleine Fische oder Fleischspieße zubereitet werden, weiter durch Gassen einer Mönchsschule und auf die Khao San Road. Das war unsere Straße – Bars, Restaurants, Musik und Backpacker aus aller Welt kreuzen unseren Weg. Doch aus einem dummen Zufall heraus, gelangen wir auch auf die Nebenstraße der Khao San, der „Ballermann“ Bangkoks. Laute Musik dröhnt aus allen Ecken. Feierwütige junge Leute tanzen auf den Tischen der Clubs. Stände an denen Lachgas angeboten wird. Als wir am Ende der Straße angelangen, sind wir etwas überrascht über die Partyszene dieser Stadt. Irgendwie haben wir die Thailänder nicht so feierlustig eingeschätzt. Also schnell wieder nach Hause ins Hotel. Reicht dann auch für heute. 

Ob Railway oder Floating Market – beide sind auf ihre Art besonders. Foto: Susan Jahnke

Off to Cambodia

Am darauffolgenden Tag treten wir die Weiterreise nach Kambodscha an. Nach 45 Minuten Flug sind wir in Siem Reap angekommen. Das Ressort, in dem wir die nächsten drei Tage untergebracht sind, ist unfassbar schön und luxuriös. Durch ein großes Tor geht es auf das Gelände des Ressorts. Ein hölzerner Steg führt zwischen Palmen und anderen tropischen Grünpflanzen zum „Innenhof“, in dem zwei große Pools auf uns warten. Das Personal ist sehr nett und zuvorkommend. Ohne zu zögern, nehmen sie uns unser schweres Gepäck ab und bringen uns persönlich auf unser Zimmer. Nachdem unsere Taschen dort abgestellt wurden, geht es ohne Umwege in den Pool. Später am Abend trinken und quatschen wir mit unseren Mitreisenden aus der Hochschule. Forensiker, Maschinenbauer und Studierende der sozialen Arbeit – alle mit dabei. 

Hier und da sieht man eine kleine Kröte über die Terrasse hüpfen oder einen Gecko unter dem Dach verschwinden. Doch so paradiesisch unser Ressort auch ist: Der Anblick über die Hotelmauern, führt uns die ärmlichen Verhältnisse Siem Reaps vor Augen.

Ruinen im Dschungel

Zehn Tuk Tuks (zwei- oder dreirädrige kleine Fahrzeuge) machen sich am nächsten Tag auf den Weg über die staubigen Straßen Kambodschas in die Tempelregion Angkor Wats. Die Armut in dieser Gegend ist deutlich zu erkennen. Mütter sitzen mit ihren Kindern an kleinen Ständen und Hütten, um vom Straßenrand etwas zu verkaufen. Obst oder Getränke werden von Pick-Ups aus angeboten. Alte Plastikflaschen, die zu einer Art Benzinkanister umfunktioniert wurden, werden wieder verkauft. 

Vier große Tempel fahren wir an, denn nur zu Fuß ist es nicht möglich, alles von Angkor zu erleben. Zum Glück haben wir gut gelaunte Fahrer, die uns nach jedem Tempel mit kaltem Wasser versorgen. Die Hitze in Kambodscha ist anders. Bereits am Morgen spüren wir, wie es auf unserer Haut brennt. Ohne eine Kopfbedeckung halten wir es keine Sekunde in der prallen Sonne aus. Endlich in den schattigen Tempelbauten angekommen, erkunden wir die zahlreichen Gänge. Wir wissen gar nicht, wohin wir zuerst laufen sollen. Susi zückt ihre Kamera und fotografiert die Steinmauern und Säulen, in die Schriften und Figuren geprägt sind. Caro wandert deutlich beeindruckt durch den Tempel. 

Fazit des Tages: Wir haben in unserem Leben noch nie so sehr geschwitzt und springen deshalb am Abend ohne Umwege in den Pool des Hotels.

Angkor Wat wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Dschungel ausgegraben und aufwendig restauriert. Foto: Susan Jahnke

You need to get out 

Zwei Tage später machen wir uns mit dem Bus auf nach Koh Chang, einer Insel im Golf von Thailand. Aus den angesetzten acht werden insgesamt zwölf Stunden Busfahrt. Die anstrengende Tour beinhaltet die Ein- und Ausreise von Kambodscha. Am Grenzübergang müssen wir unser Gepäck fest umklammern, denn dort wird oft und gern das Tragen des Gepäcks von Einwohnern angeboten. Tut man das, sieht man sein Gepäck nie wieder. Doch jetzt auf der Zielgeraden erleben wir noch einmal eine pure Horrorfahrt. Die Insel ist gezeichnet von Serpentinen und unsere Busse sind eher mäßig dafür geeignet. Zu jeweils acht sitzen wir in den Bussen mit unserem schweren Gepäck an Board. Unser kleiner Minivan quält sich die schmalen Straßen hinauf. Der Boden des Fahrzeugs glüht bereits unter unseren Füßen, als wir plötzlich mitten auf dem Berg stehen bleiben. Jetzt bloß nicht zurückrollen, denn hinter uns steht schon das nächste Auto. „You need to get out“, ruft der thailändische Busfahrer uns zu – also müssen alle raus und laufen den Hügel hinauf.

Wir steigen wieder ein und so geht es noch einige Male weiter, bis wir endlich unser Ziel erreichen. Müde fallen wir in unsere Betten in den Bungalows mitten im Urwald. Hoffentlich wird der nächste Tag besser.

100 Prozent Koh Chang – Dschungel, Regenzeit und Meer

Um 7.30 Uhr geht es los. Mit Schnorchel und Tauchermaske bewaffnet, fahren wir mit dem Boot hinaus auf das Meer. Es steuert mehrere kleine Inseln an. Dort angekommen springen wir in das blaue Wasser. Nachdem Susi endlich den Dreh mit dem Schnorchel raus hat und kein Salzwasser mehr schluckt, paddelt sie Caro begeistert hinterher. Fischschwärme wohin das Auge reicht. Manchmal kitzeln uns die Fische an den Füßen. Ein paar Korallen können wir auch entdecken. Sie leuchten blau an den Spitzen und bedecken Felsen und Meeresboden.

Das Schnorcheln macht uns ziemlich müde, so dass wir fast alle auf der längeren Rückfahrt auf den Bänken des Bootes einschlafen. 

Als wir mit dem Boot wieder auf dem Weg gen Festland sind, verfolgt uns ein Sturm. Am Hafen angekommen, zeigt uns Koh Chang dann, was Regenzeit bedeutet. Binnen fünf Minuten stehen die Straßen unter Wasser. Ohne knöcheltief im Wasser zu versinken, ist also kein Durchkommen möglich, aber irgendwie müssen wir wieder ins Hotel. So stürzen wir uns ein zweites Mal in die Fluten. 

Klitschnass im Bungalow wieder angekommen, werden erstmal alle Klamotten trocken geföhnt. Die Wäsche nach draußen zu hängen trauen wir uns nicht, denn überall warten diebische Affen darauf, das ein oder andere Kleidungsstück zu stibitzen. 

Morgen steht die Abreise an. Von Koh Chang nehmen wir trotz der abenteuerlichen Anreise und Regenfälle nur schöne Erinnerungen mit.

Sonne, Strand und Salzwasser – Willkommen in paradiesischen Koh Chang. Foto: Susan Jahnke

One Night in Bangkok

Unsere nächste zwölfstündige Busfahrt bringt uns wieder nach good old Bangkok. An unserem letzten Tag besorgen wir Souvenirs für Familie und Freunde, verabschieden uns von Bangkok und essen unser letztes Curry. Susi nimmt noch eine lebenslange Erinnerung mit – ein Tattoo. 

23.30 Uhr geht unser Transfer zum Flughafen. Die Maschine geht um 1.25 Uhr. In den frühen Morgenstunden landen wir in Dubai und schlafen ein paar Stunden auf den Bänken im Boarding Bereich. Ehe wir uns versehen, stehen wir völlig fertig, traurig, aber auch irgendwie glücklich am Münchener Hauptbahnhof und treten unsere letzte Reise Richtung heimisches Bett an.

Zurück geht es nach Deutschland, mit Bus und Flugzeug. Foto: Susan Jahnke

Unser Fazit der Reise

Das freundliche Wesen der Einwohner ließ uns über den doch oft griesgrämigen, deutschen Tellerrand blicken. Selbst nach nur 14 Tagen entdeckten wir unsere Liebe zur thailändischen und kambodschanischen Kultur. Gespräche mit Einheimischen über ihre Lebensweise ließen uns über unser eigenes Handeln nachdenken. Oft fühlten wir uns als Europäer stark privilegiert und höher gestellt. Besonders in Kambodscha erkannten wir die große Schere zwischen arm und reich. Wir schliefen im 5-Sterne Ressort, während nebenan die Menschen in Wellblechhütten lebten.

Diese Reise bedeutete nicht nur Hotelanlage und Touristenattraktionen für uns, sondern auch ein Auseinandersetzen mit der Kultur und dem Leben vor Ort. Diese Eindrücke nehmen wir mit und wollen sie uns so oft es geht vor Augen halten und weitergeben. Als Deutsche leben wir in einem der am weit entwickeleltesten Länder der Welt. Dieses Privileg sollten wir zu schätzen wissen. 

Thailand – khap kun krap (mit diesen Worten bedanken sich die Frauen in Thailand, die Männer bedanken sich mit den Worten “khap kun kra”) für diese 14 Tage voller lächelnder Menschen, einer atemberaubender Kultur und so so vielem guten Essen. Wir sehen uns wieder – ganz bestimmt. 

Text: Caroline Lindner, Susan Jahnke, Fotos: Susan Jahnke