Der ewige Kampf der Waffengegner

von | 14. Dezember 2018

Die Waffengesetze spalten die US-Bevölkerung. Foto: Laura Fischer

Die USA wird oft mit Schusswaffen in Verbindung gebracht. Laut Deutschlandfunk besitzen vier von zehn US-Bürgern eine Waffe. Manche sogar zwei oder drei. Und so kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Familien verlieren ihre Angehörigen, Schüler ihre Schulkameraden und Freunde ihre Freunde. Im März haben laut Spiegel Online ganze 800.000 Menschen in Washington gegen Waffen demonstriert – Eine historische Zahl, die klar macht, dass immer mehr Menschen gegen die US-Regierung ankämpfen, um den vielen Zwischenfällen durch Waffengewalt ein Ende zu setzen.

„Vier Tote nach Schießerei in Krankenhaus in Chicago“ schrieb die WELT am 20. November 2018. Der bewaffnete Angreifer schoss auf dem Parkplatz des Mercy-Krankenhauses in Chicago erst auf eine Frau, mit der er zusammenlebte, danach auf die eintreffende Polizei. Anschließend betrat er das Gebäude und eröffnete das Feuer auf eine Angestellte der Klinik. Zwölf Tage zuvor, am 8. November, berichtete unter anderem ZDF heute von einer Schießerei mit mehreren Toten und Verletzten in einer Bar in Thousand Oaks, westlich von Los Angeles. Ein ehemaliger US-Veteran stürmte das Lokal, in dem gerade eine Studentenveranstaltung stattfand, eröffnete das Feuer und tötete 13 Menschen. Weitere zwölf Tage zuvor, am 27. Oktober, lautete unter anderem die Schlagzeile bei tagesschau.de: „Elf Tote bei Schüssen in Synagoge.“ Während einer Zeremonie zur Namensgebung schoss ein 45-jähriger Amerikaner um sich und riss damit elf Menschen in den Tod. Wie der SPIEGEL berichtete, lautet die Reaktion von US-Präsident Donald Trump nach einem Amoklauf an einer Highschool in Parkland im Februar 2018 dazu: „Nehmen wir an, ein Lehrer wäre geübt  im Umgang mit Schusswaffen – das könnte einen Angriff schnell beenden.“ Die Lösung für die fast schon wöchentlichen bewaffneten Attacken in den USA soll also die weitere Aufrüstung sein. Ein Schock für die Gegner des amerikanischen Waffengesetzes.

Das Waffenrecht in den Vereinigten Staaten von Amerika

Das aktuelle Waffenrecht der USA ist auf die Geschichte des Landes zurückzuführen. Im 18. Jahrhundert kämpften sich die Amerikaner mit Waffengewalt von Großbritannien frei und eroberten daraufhin, ebenfalls durch Waffengewalt, immer mehr Land von den Ureinwohnern. Durch die Geschichte ihres Landes ist es in den Köpfen vieler Amerikaner verankert, dass der Waffenbesitz ein Zeichen von Freiheit ist und der Einsatz von Waffen zum Erfolg führt.

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es in den USA rund 20.000 Gesetze, die den Waffenbesitz betreffen. Das Wesentlichste ist der zweite Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser sagt übersetzt aus, dass eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist und das Recht des Volkes auf Waffenbesitz daher nicht beeinträchtigt werden darf. Am 28. Juni 2010 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika, dass dieses Gesetz für alle Bundesstaaten und Städte in den USA gilt.

Die erschreckende Opfer-Zahl

Wie FOCUS ONLINE berichtete, kommen laut Statistiken in keinem anderen Land der Welt so viele Menschen durch Schusswaffen ums Leben wie in den USA. Vergleicht man auf Statista die Statistik der USA mit der von Deutschland, sieht man, dass es in den Vereinigten Staaten im Jahr 2017 31.154 Verletzte durch Schusswaffen gab. In Deutschland dagegen sind im Jahr 2017 nur in 4.724 Fällen überhaupt Schusswaffen zum Einsatz gekommen. Das ist ein Unterschied von über 26.000 Fällen. Auch wenn das eine enorm hohe Zahl ist, ist sie anfangs zwar erschreckend, aber dennoch anonym. Das ändert sich, sobald von einem persönlichen Schicksal in den Medien berichtet wird. Immer wieder erzählen die Eltern, die Freunde und die Bekannten von Todesopfern im Fernsehen oder in Zeitungen von ihren Verlusten und flehen die Regierung an, die Waffengesetze der USA endlich zu verschärfen. So beispielsweise auch die Mutter von Isabelle Leymance, die den längsten Tag ihres Lebens durchsteht, als an der Highschool ihrer Tochter ein Amoklauf stattfindet. Der Stern erzählte ihre Geschichte, wie der ganze Tag für die Familie abgelaufen ist und wie er sie verändert hat.

Der Widerstand wird immer lauter

Nach den schrecklichen Szenen in Parkland, wo ein 17-Jähriger im Februar 2018 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen hatte. Unter anderem berichtete die welt.de, dass es große Proteste gegen die US-amerikanischen Waffengesetze gab. So haben auch einige Firmen begonnen, sich von der Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA) zu distanzieren. Laut Stern sind auch die Fluglinien Delta und United, sowie die National Bank of Omaha an dem Protest beteiligt. Vorteile, die NRA-Mitglieder zuvor bei beispielsweise Banken oder Autovermietungen hatten, wurden gestrichen. 

Auch in den sozialen Netzwerken wird der Aufschrei immer lauter. Kurz nach dem Amoklauf in Parkland gab es den Hashtag „BoykottNRA“, der auf Twitter und Co. viral ging und auch von vielen Prominenten geteilt und genutzt wurde. Außerdem fingen Waffenbesitzer an, Videos zu posten, in denen sie ihre Schusswaffen vernichteten. Beispielsweise New Yorker Scott Papparlado teilte seines unter dem Hashtag „oneless“, was so viel bedeutet wie „eins weniger“.

In Regierungskreisen gibt es ebenfalls immer mehr Repräsentanten, die sich vom amerikanischen Waffengesetz distanzieren. Führend auch Ex-US-Präsident Barack Obama. Im Januar 2016 stellte er einen Vier-Punkte-Plan vor, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, mit dem er das Waffengesetz der USA besser kontrollieren wollte. Wert legte er hierbei vor allem auf die Kontrolle der Käufer. Am 28. Februar 2017 unterzeichnete sein Nachfolger Donald Trump einen Erlass, der die Regelungen von Barack Obama rückgängig machte.

Der ganze Kampf für nichts?

Die Präsidentschaft von Donald Trump ist für viele Gegner des amerikanischen Waffengesetzes entmutigend. Mit Aussagen wie der nach dem Amoklauf in Parkland, dass man den Angriff mit bewaffneten Lehrern hätte abwenden können, macht er seine Position immer wieder klar. Er ist für eine zunehmende Aufrüstung von Privatpersonen in den USA, nicht etwa für eine abnehmende. Dass die Demokraten bei den Kongresswahlen am 6. November 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen haben, ist für die Waffengegner ein Hoffnungsschimmer. Somit können sie nun zahlreiche Gesetzesvorhaben der Republikaner blockieren, unter anderem auch Vorhaben in Richtung Waffengesetz. Die Meinungsverschiedenheit um das US-Waffengesetz wird die Amerikaner und die ganze Welt also noch weiterhin beschäftigen.

Text: Pauline Rosa Maier; Foto: Pauline Rosa Maier