Das Musical der Hochschulbühne 2018

von | 21. Dezember 2018

Die Premiere zum diesjährigen Hochschulbühnen-Musical „AIDA“ ein voller Erfolg. Titelbild Foto: Lisa Köhlmann

Man fragt sich, wie es sein kann, dass in den meisten Theatern Deutschlands kaum noch junge Leute zu finden sind. Das Interesse für Kunst und Kultur scheint von modernen Medien abgelöst worden zu sein. Anders läuft es in Mittweida. Hier war das diesjährige Musical der Hochschulbühne am Schwanenteich, wie schon im letzten Jahr, nach weniger als einer Woche restlos ausverkauft.

Ich stehe vor dem Vorhang und atme noch einmal tief durch. Gleich ist es soweit: Mein erster Auftritt als Tänzerin der Hochschulbühne. Ich lasse die letzten drei Wochen noch einmal Revue passieren. Jeden Tag haben wir als Team geprobt, um unser Stück heute zum ersten Mal auf die Bühne zu bringen. „Wie aufgeregt wohl die Hauptrollen sein müssen?”, schießt es mir noch einmal durch den Kopf. Dann setzt die Musik ein und ich betrete die Bühne.

Eine Reise in das alte Ägypten

Über 100 Mitwirkende aller Fakultäten und fast ein Jahr Arbeit stecken in dem Musical „AIDA”, das in diesem Jahr von der Hochschulbühne am Schwanenteich inszeniert wird. Das Broadway-Musical mit den Texten von Tim Rice und der Musik von Elton John basiert auf der gleichnamigen Oper von Guiseppe Verdi. Im Stück werden die Zuschauer in das alte Ägypten mitgenommen. Ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild kombiniert mit stimmungsvollem Licht schafft dabei eine einzigartige Atmosphäre. Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen der nubischen Prinzessin Aida und dem ägyptischen Feldherrn Radames.

Die Premiere ein voller Erfolg

Als der letzte Ton der Band ertönt und die Musiker auf die Bühne treten, sind die Mitwirkenden komplett. Die rund 200 Zuschauer im Fernsehstudio erheben sich und belohnen die lange Arbeit der Darsteller mit einem kräftigen Applaus. Im Nachgang sind sich alle einig: Die Premiere war ein voller Erfolg. Menschen mit strahlenden Augen kommen mir entgegen und verteilen Komplimente. Dabei sehe ich mich selbst nur als Beiwerk. Als Tänzerin liegt meine Aufgabe darin, das Stück mit Bewegungen zu untermalen. Auch der 22-jährige Ralf, ein junger Mann, der eigentlich nie Theatervorstellungen besucht und die Karten für dieses Stück online gewann, schreibt mir wenige Minuten später, wie begeistert er von der Inszenierung ist.„Besonders faszinierend ist es, Studenten, die man im Alltag als ruhige Kommilitonen wahrnimmt, plötzlich als ausdrucksstarke Hauptrollen mit einer Wahnsinnsstimme zu erleben.”

Alle Mitwirkenden von den Producern, der Regie, den Darstellern bis hin zur Maske arbeiten aus freien Stücken für das Projekt. Keine Noten, keine Finanzierung – für die Menschen ist dieses Stück eine reine Herzensangelegenheit. So auch für Anne Baum, die ganze drei Positionen übernimmt. Als Producerin, Crossmedia-Projektleiterin und Tänzerin opfert sie jede verbliebende freie Minute dem Stück. Für sie ist das immer wachsende Team der Hochschulbühne wie eine Familie geworden. Seit drei Jahren ist sie begeistert von dem Hochschultheater. Neben der Projektleitung war ihr die Rolle als Tänzerin besonders wichtig. „Als Tänzerin wollte ich unbedingt dabei sein, weil ich den Gedanken nicht ertragen kann nur hinter der Bühne zu arbeiten. Seitdem ich fünf Jahre alt war, stehe ich auf der Bühne. Für mich gehört das dazu und ich könnte nicht in den Zuschauerreihen sitzen und nur zugucken. Ich glaube da hätte ich mich richtig geärgert. Mit dem Tanzen hat mein Werdegang in der Hochschulbühne angefangen und damit soll es jetzt auch irgendwie enden.” Mit dem Abschluss an der Hochschule Mittweida 2019 wird sie ihre Leitungsposition im kommenden Jahr weiterreichen. Zuschauen möchte sie bei der nächsten Inszenierung dann natürlich trotzdem auf jeden Fall.

Producerin, Projektleiterin Crossmedia und Tänzerin – Anne Baum. Foto Credit: Lisa Köhlmann

Theaterbegeisterung in Mittweida

Warum schafft das Hochschultheater, woran viele professionelle Inszenierungen scheitern? Die rund 1.200 Tickets für die Vorstellungen waren unglaublich schnell vergriffen. An den Vorverkaufsstellen bildeten sich bereits morgens um neun lange Schlangen. Eine knappe Woche hat es gedauert, bis die Veranstalter eine Zusatzvorstellung publizierten. Schon seit drei Jahren lässt sich eine steigende Begeisterung bei den Studenten und Einwohnern von Mittweida beobachten. Nach den Stücken „Fame” und „Dracula” der letzten Jahre, schaffte auch „AIDA” das Interesse der jungen Leute zu gewinnen. Regisseurin Tabea Hoyer sieht den Zauber des Stückes in der Motivation jedes einzelnen Mitwirkenden: „Klar bringen wir hier keinen professionellen Perfektionismus auf die Bühne“, lacht sie. „Jedoch brauchen wir das auch gar nicht. Der Charme entwickelt sich mit unseren kleinen Fehlern und mit der Leidenschaft eines Jeden.”

Die Hochschulbühne als gutes Beispiel

Die Hochschulbühne zeigt – Theater muss nicht alt sein, Theater muss nicht langweilig sein, Theater ist für junge Leute. Durch die kontinuierlich guten Aufführungen der letzten Jahre können die begeisterten Besucher wohl auch im nächsten Jahr auf ein interessantes Stück hoffen. Was wir 2019 erwarten können, wissen jedoch auch Anne Baum und Tabea Hoyer noch nicht. Die Wahl des neuen Stückes liegt komplett in der Hand des kommenden Teams.

 Ob Tanz, Gesang, Schauspiel oder Bühnenbild – die Studierenden haben bleibende Eindrücke hinterlassen.
Text: Antonia Dietz; Fotos: Lisa Köhlmann