Begabtenförderung im Journalismus

von | 15. November 2011

Neben zahlreichen Diskussionen fand auch eine Informationsveranstaltung über Begabtenförderung im Journalismus statt. Zwei Stipendianten erzählten von ihren Erfahrungen.

Nur zwei Prozent aller Studierenden werden durch ein Stipendium gefördert und erhalten während des Studiums finanzielle und ideelle Unterstützung durch eine Stiftung. Zu diesen zwei Prozent gehören Mimoza Troni und Elisabeth Muche. Gemeinsam mit Prof. Hans-Peter Niedermeier, der das Institut für Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) leitet, stellten sie Förderungsmöglichkeiten vor.

Die Bewerbungsverfahren sind vor allem langwierig, Mimoza Troni berichtete von fünf Monaten, die der Prozess mit Motivationsschreiben, Gruppendiskussion und Auswahlgespräch dauerte. Bei der HSS muss der Lebenslauf beispielsweise handschriftlich ausformuliert werden. Elisabeth Muche, die durch die katholische Stiftung ifp gefördert wird,  musste kirchliches Engagement vorweisen. Denn nicht nur die Noten sind entscheidend, „die Stiftungen achten auf soziale Kompetenzen“, schätzt Mimoza Troni ein. Prof. Niedermeier bestätigt ihren Eindruck: „Gesellschaftliches Engagement muss in irgendeiner Form vorhanden sein“.

Finanzielle und ideelle Förderung

Auch die schwierige Frage von fehlender Distanz zwischen Journalistenstipendien und den Parteiorganisationen, Weltanschauungen und Interessengruppen, denen die Stiftung nahe stehen, kam zur Sprache. „Ich erwarte große Toleranz. Wenn eine Stiftung diesen Schritt geht, muss sie auch offen sein“, so Niedermeier. „Jeder der Geförderten ist eine eigene Persönlichkeit, ein Freigeist. Wenn man das nicht akzeptieren will, muss man es bleiben lassen“.

Zu bieten haben die Begabtenförderungswerke für Stipendiaten neben der Übernahmen von Seminarkosten und einem monatlichem Büchergeld teilweise auch Fahrtkosten. Einen wichtigen Stellenwert nimmt auch die ideelle Förderung ein. Dazu gibt es vor allem ein großes Netz aus ehemaligen Stipendiaten. „Von Altstipendiaten erwarten wir, dass sie auch ohne Bezahlung kommen und etwas zurückgeben“, erklärte Prof. Niedermeier. Somit profitieren die Geförderten auch nach dem Studienabschluss von ihrem Stipendium.

Trotz der Vorteile stellen nur wenige Studierende den Antrag auf eine Begabtenförderung. „Oft treffe ich junge Frauen, die Karriere gemacht haben, und frage sie `Warum hast du dich nicht beworben?`“, bekennt Prof. Niedermeier mit Bedauern. Er hofft, dass sich das in Zukunft ändert.

<h3>Stefan Kirsten</h3>

Stefan Kirsten