UEFA Champions League Reform

Super League durch die Hintertür?

von | 24. Juni 2022

Die UEFA Champions League Reform als Ersatz für die Super League. Eine gute Lösung oder doch nur das geringere Übel?

„Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The champions“, wenn diese Zeilen im Stadion erklingen, ist Gänsehaut vorprogrammiert. Die Hymne der UEFA Champions League, des größten Vereinswettbewerbs der Welt. Viele verbinden damit legendäre Momente wie das Finale „dahoam“ 2012 oder Cristiano Ronaldos Fallrückzieher im Viertelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin. Doch wird die Champions League auch in Zukunft noch ihre Geschichten schreiben? Oder verliert sie im Zuge der Reform ihren Glanz?

Super League

Ein Projekt von 12 Top-Fußballvereinen, die sich im April 2021 aus den nationalen Wettbewerben zurückziehen und eine eigene Liga gründen wollten. Federführend waren dabei die US-amerikansiche Bank JPMorgan Chase, welche mit der Super League vor allem monetäre Interessen verfolgte. Durch massiven Protest der Fans und Spieler wurde das Projekt aber vorerst eingefroren.

Das Ende der Gruppenphase

Acht Gruppen a vier Teams, insgesamt 32 Mannschaften und eine Gruppenphase mit sechs Spielen pro Team – so kennt man die Champions League in ihrer aktuellen Form. Doch diese wird ab der Saison 2024/25 verändert. Die Gruppenphase wird dabei aufgebrochen, das heißt, dass die Teams jetzt im Schweizer Modell, also einem Ligasystem, gegeneinander antreten. Die Plätze werden dabei von 32 auf 36 aufgestockt, wobei einer der vier neu geschaffenen Plätze an den Meisterschaftsdritten des in der UEFA-Verbandskoeffizientenrangliste fünftplatzierten Verbandes geht. Dieser wäre aktuell Frankreich, das bedeutet, dass sich in dieser Saison auch die AS Monaco direkt für die Champions League qualifiziert hätte und sich den Weg über die Qualifikation sparen könnte. Der zweite „Extra-Platz“ geht an einen nationalen Meister einer „kleineren“ Liga, also beispielsweise Österreich oder die Türkei.

In der ersten Beschlussvorlage sollten die restlichen beiden Plätze via „Koeffizienten-Regel“ an Top-Klubs vergeben werden. Damit ist gemeint, dass eine Art Rettungsnetz für Top-Klubs gespannt wird, wenn sie eine schlechte nationale Saison spielen. Das würde beispielsweise bedeuten, dass der FC Bayern in der Bundesliga zwar nur siebter werden könnte, sich also über diesen Weg nicht für die Champions League qualifizieren kann. Durch die Leistungen in den vorherigen Saisons wäre die Platzierung in dieser „Koeffizienten-Tabelle“ aber so gut, dass man über diese Regelung trotzdem einen Startplatz für die kommende Saison erhält. Durch massive Kritik aus Fanlagern, aber auch von Seite anderer Fußballfunktionäre ist die UEFA im endgültigen Beschluss vom 11. Mai 2022 von dieser Idee abgerückt. Die verbleibenden Plätze werden jetzt an die jeweiligen Verbände gehen, welche in den vergangenen Jahren in den internationalen Wettbewerben am besten abgeschnitten haben. Nach der abgeschlossenen Saison würden diese Plätze an die englische Premier League und an die niederländische Eredivise gehen.

In einer ersten Beschlussvorlage der UEFA war außerdem die Rede von zehn Spielen pro Team im Liga-System, das heißt fünf Heimspiele und fünf Auswärtsspiele gegen verschiedene Teams. Auch von diesem Vorhaben ist die UEFA auf Druck der Vereine abgerückt. Zwar gibt es noch zehn mögliche Spieltage für die Vorrunde, jedoch müssen die Teams nur noch acht Spiele bestreiten. Sie werden also auf 10 Tage gestreckt, sodass weniger Spiele parallel laufen, das bedeutet also auch mehr TV-Einnahmen. Die Teams werden dabei in Lostöpfe unterteilt und dann von einem Algorithmus die jeweiligen Gruppengegner bestimmt. Nach acht Spieltagen ist die Vorrunde dann beendet und die Top-Acht qualifizieren sich direkt für die KO-Phase, während die Plätze 9 bis 24 in einem Play-off-System die restlichen acht Teilnehmer ausspielen.

Wieso, Weshalb, Warum diese Reform?

Das Hauptargument der UEFA ist vor allem die mangelnde Spannung in der Gruppenphase. Das zeigt auch die abgelaufene Champions League Saison, als bereits am fünften Spieltag, also einen Spieltag vor Schluss, elf der sechzehn Achtelfinalteilnehmer feststanden. Der letzte Spieltag ist also häufig nur noch Schaulaufen der zweiten Garde. Das beste Beispiel dafür lieferte Manchester United letzte Saison im Heimspiel gegen die Young Boys Bern, als deren Cheftrainer Ralf Rangnick komplett durchrotierte. Solche Spiele schaden der Attraktivität des Wettbewerbs und locken keine Zuschauer vor die TV-Geräte. Vom neuen Wettbewerb erhofft sich die UEFA mehr Topspiele, da diese mehr Geld in die Kassen spülen.

Hier zeigt sich auch die Kehrseite der Medaille. Zum einen werden die Top-Klubs durch dieses System abgesichert, sollten sie zum Beispiel eine schlechte Vorrunde spielen, so können sie sich über die Play-offs trotzdem noch fürs Achtelfinale qualifizieren. So wird der elitäre Kreis des Fußballs immer weiter gefestigt. Kleine Teams können in diesen Kreis nur noch selten vorstoßen, da sie trotz besserer Leistungen in der Liga auf der Strecke bleiben. Vor allem wird der Wettbewerb durch das neue System immens aufgebläht. Aus vormals 125 Spielen pro Saison werden jetzt 225 Champions League Spiele in einer Spielzeit, was vor allem die Spieler verärgert. Der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan beschwerte sich bei Twitter: „Mehr und mehr und mehr Spiele – denkt denn niemand an uns Spieler? Das neue CL-Format ist im Vergleich zur Super League nur das kleinere Übel.“

Natürlich bringt diese Zunahme der Spiele vor allem mehr TV- und Vermarktungsgelder für die Vereine, deren Verteilung aber vor allem durch Leistungsprämien, einen Marktpool und die „Koeffizienten-Rangliste“ so ungleich ist, dass nur die großen Klubs davon profitieren. Die leidtragenden sind dabei vor allem die nationalen Ligen. Laut der Sportschau wird diese Schere zwischen den Champions League Klubs und dem Rest der Liga im Zuge der Reform noch weiter zunehmen.

Die Reform schlägt also den kleineren Klubs, Spielern, aber vor allem auch den Fans auf den Magen. Vor allem die Fanorganisation „Football Supporters Europe“ hat sich extrem für die ersten Veränderungen eingesetzt, gibt aber zu verstehen, dass ihr Weg noch lange nicht am Ende sei. Wie die Champions League ab der Saison 24/25 aussieht, ist zwar vonseiten der UEFA eine beschlossene Sache, aber wie die Fans dieses Konstrukt annehmen werden, bleibt abzuwarten.

Kurzkommentar

Money, Money, Money

„Here Comes The Money“ – eigentlich könnten wir doch ab 24/25 auch dieses Lied als Hymne nehmen, oder? Besser passen würde es auf jeden Fall. Die Gruppenphase ist abgeschafft und sie wird sicherlich nie zurückkommen.

Die Super League wurde als trojanisches Pferd in die Mitte der Fangemeinde getrieben, um sie dann mit der Champions League Reform zu überraschen und so sehr zu überrumpeln, dass man sie ohne großen medialen Aufwand einfach so durchdrücken konnte. Natürlich klingt Real Madrid gegen Bayern München im ersten Moment nach einem Topspiel, was jeder Fußball-Fan unbedingt sehen will und wieso? Weil es etwas Besonderes ist, die besten Kicker der Welt gegeneinander spielen zu sehen, aber eben nicht Topspiele im Wochentakt. Diese Reform nimmt das besondere Flair aus dem Wettbewerb und bringt mit 100 Spielen mehr als zuvor eine Übersättigung in nie dagewesenen Maßen.

Profitgier > Spielergesundheit

In meiner Jugend war die Champions League der Olymp für jeden Fußballer, den er unbedingt erklimmen wollte. Mittlerweile haben nicht einmal die Spieler selbst auf diese reformierte Champions League Lust und das, obwohl sie eigentlich als das Aushängeschild des europäischen Spitzenfußballs fungieren sollte. Verstehen kann ich die Spieler dabei vollkommen, denn wieder einmal wird ihre Gesundheit der Profitgier der UEFA untergeordnet.

Die TV-Rechte an immer mehr unterschiedliche Sender zu verteilen ist dabei nur ein weiterer Kritikpunkt. Mittlerweile müssen Fans allein für die Champions League fast 40 Euro im Monat hinlegen, die Bundesliga ist dabei natürlich nicht inbegriffen. Dazu noch Ticketpreise, die immer weiter in die Höhe schießen. Natürlich bekommen dabei auch die Vereine ein gehöriges Stück vom Kuchen ab.

Oh Bundesliga, wie bist du langweilig 

Vor allem betrifft dies die Elite-Klubs, der nationale Wettbewerb wird also immer uninteressanter, die Kluft zwischen den Vereinen wird so nur von Jahr zu Jahr größer. Man kann sich ja immerhin noch jeden Sommer einreden, dass es dieses Jahr mal einen anderen Meister gibt. Spätestens am 34. Spieltag stellt man trotzdem fest, dass Geld eben doch Tore schießt und Meisterschaften holt. Die Schale geht dann auch die nächsten 10 Jahre wieder an die Säbener Straße. Falls der Platz irgendwann nicht mehr ausreicht, kann man die Meisterschalen auch einfach als Teller benutzen – spülmaschinenfest sollten die Dinger ja wenigstens sein. Etwas Besonderes sind sie sowieso nicht: Eine Saison, in der die Bayern nur Meister werden, ist fast schon ein Skandal.

Wie sollen sich Kinder also noch für dieses Produkt Fußball begeistern? Wenn der Wettbewerb vor der Haustüre komplett öde ist und der eigene Verein, wenn er nicht gerade aus München kommt, niemals eine Meisterschaft gewinnen kann. Die Champions League Reform ist nach einer WM in Qatar und der Nations League nur eine weitere Spitze des Eisbergs der Kommerzialisierung und sie wird traurigerweise nicht die letzte bleiben. So wird der Fußball am Ende seine wichtigste Basis verlieren und der Sport zum Spielball der Eliten verkommen.

Text: Dennis Hambeck, Titelbild: Felix Schubert

<h3>Dennis Hambeck</h3>

Dennis Hambeck

ist 20 Jahre alt und studiert im vierten Semester Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Bei medienMittweida engagiert er sich als Leitung des Social-Media Team.