Ernährung

Mensaessen: Wie gesund ist es wirklich?

von | 18. November 2022

Nahrung ist ausschlaggebend für unsere Leistung, aber kann die Mensa dazu auch einen gesunden Teil beitragen?

Die Uni ist schnelllebig und zwischen all den Vorlesungen brauchen Studenten auch eine gute Mahlzeit, um die Leistung und das Wohlbefinden zu fördern. Sich selbst etwas mitzubringen kostet Zeit und etwas im Laden zu kaufen ist oft zu teuer. Deshalb ist die Mensa ein wichtiger Bestandteil des Hochschulalltags. Doch gibt es dort wirklich so gesundes Essen, wie behauptet wird?

Was macht eine gute Ernährung aus?

Eine vollwertige Ernährung liefert ausreichend Energie (Kalorien) und alle lebensnotwendigen Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Protein (Eiweiß), Fette, Kohlenhydrate, Ballaststoffe als auch sekundäre Pflanzenstoffe. Jede einzelne dieser Gruppen liefert lebensnotwendige Stoffe für den Körper, jedoch sind diese in ausreichender Menge nie in einzelnen Lebensmitteln zu finden. 

Der Energie- und Nährstoffbedarf eines Menschen ist fundamental, jedoch unterscheidet er sich von Mensch zu Mensch. Je nach Faktoren wie Geschlecht, Körper und Gewicht, sowie dem Maß an körperlicher Bewegung und vielen weiteren Einflüssen ändert sich dieser Bedarf. Um so einen Bedarf zu decken, sollten die Grundnährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in einem gesunden Verhältnis stehen. Eine optimale Verteilung beträgt laut dem deutschen Lebensmittelverband bei Kohlenhydraten etwa 50 % bis 55 %, bei Fett höchstens 30 % und bei Eiweiß 15 %. Diese Richtwerte sind nur eine gesunde Orientierung, welche nicht auf das einzelne Individuum festgelegt werden können. Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe befinden sich in Gemüse, Obst und Getreide sowie Kartoffeln. Dies ist die Basis einer Ernährung. Aus Milchprodukten, Fleisch und Eiern werden Proteine gewonnen, welche man in kleineren Mengen zu sich nehmen sollte und die der Körper für den Aufbau von Gewebe sowie zur Zellregeneration braucht. Bei Ölen und Fetten ist die Qualität entscheidend. Ein Tipp der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. lautet: „Nutzen Sie deshalb das reichhaltige Lebensmittelangebot und essen Sie abwechslungsreich. Bevorzugen Sie dabei pflanzliche Lebensmittel“.

Um möglichst gesund leben zu können, sollte eine Balance zwischen abwechslungsreichen Essen und Bewegung herrschen. Um sich umfangreichend zu informieren können Thematiken helfen, wie der DGE-Ernährungskreis, die Lebensmittelpyramide oder die zehn Regeln der DGE.

Das Mensaessen der Hochschule Mittweida

Nun stellt sich die Frage, inwiefern man sich als Studierender in der Mensa der Hochschule Mittweida gesund ernähren kann. Die genannten Nährstoffe sind nicht in einer Mahlzeit und auch nicht in einem Mensaessen zu decken. 

Laut dem Studentenwerk Freiberg, welche die Mensa organisiert, nutzen täglich über 3000 Studierende, Hochschulmitarbeiter und Gäste die Mensa der Hochschule Mittweida. Die Gerichte werden unterteilt in mensaInternational, mensaVital, vegetarisch, Campusteller, Pfanne & Grill und dem Tagesangebot der Cafeteria. Dabei wird besonders die Menülinie mensaVital betont, da diese viele Kriterien des DGE e.V für eine gesunde Ernährung erfüllt.

Viele Studierende, die nach einer langen Vorlesung der Hunger plagt, gehen täglich in die Mensa. Wer Glück hat und vor Pausenbeginn kommt, muss sich nicht an einer langen Schlange von hungrigen Menschen anstellen. Die Wartezeiten wurden von den Gästen im Allgemeinen eher als mangelhaft beurteilt. An der Treppe angekommen, teilen sich meistens die Fleischliebhaber und die Vegetarier auf. Die Fleischliebhaber haben dabei auch die größte Auswahl, obwohl diese Gruppe an Menschen nur 42 % der Kundschaft ausmacht. Oft gibt es eine Art Fleisch mit beispielsweise Kartoffeln und einer Beilage wie Salat. Da Kartoffeln zu einem Großteil aus Kohlenhydraten bestehen, Fleisch aus Proteinen und Salat aus vielen Vitaminen und Mineralstoffen ist dies eine vollwertige Mahlzeit. Auch bei vegetarischen Essen gibt es eine Grundlage wie verarbeitete Kartoffeln, eine Fleischalternative wie Tofu und Gemüse, welche mit ausreichend Nährstoffen zu einer guten Ernährung beitragen. Als Alternative gibt es sehr oft nur Quarkkäulchen mit viel Zucker. Zusammen mit dem Apfelmus und dem Zucker ist dies im Verhältnis zu den restlichen Nährstoffen zu kohlenhydratreich. Auch trotz zusätzlicher Eierflockensuppe. Veganer haben eine noch schlechtere Auswahl, da es Tage komplett ohne vegane Gerichte gibt. Dabei stieg die Anzahl von vegan lebenden Menschen an der Hochschule Mittweida, sowie allgemein. 

So die Ernährungsberaterin Tatjana Wittich zu dem Thema Mensaessen: Durch meine eigene Erfahrung mit dem Mensaessen schlussfolgere ich, dass das Mensaessen mit dem Fokus auf einen geringen Kosten- und Zeitaufwand umgesetzt wird. Daher kommen dort viele Fertigprodukte und Konserven in den Einsatz. In den Fertigprodukten ist der Nährstoffverlust groß und es werden Konservierungsstoffe eingesetzt.”

Ein Einblick in den Mensaplan

In der Umsetzung besteht der Mensaplan meistens aus ca. fünf bis sechs verschiedenen Gerichten und einer Selbstbedienungsbar. Dies wurde anhand des Mensaangebots über 2 Wochen von MedienMittweida geprüft. In manchen Fällen haben sich ganze Gerichte geändert und andere wurden komplett weggelassen oder hinzugenommen. Allgemein ist das Essen trotzdem sehr abwechslungsreich, da es von Burgern, Reis oder Suppe einiges gibt. MensaInternational soll das kulinarische Heimweh international Studierender verringern, dies gibt es jedoch nur einmal pro Woche. MensaVital kann man täglich essen, jedoch ähneln sich die Gerichte sehr oft in Form von verschiedenen Wraps. Dies ist zwar gesund, aber nicht wirklich so abwechslungsreich, wie es vom Studentenwerk Freiberg behauptet wird.

Die Ernährungsberaterin Tanja Wittich beschreibt den Plan als gut, da es durch die vegetarisches Gerichte der Fleischanteil gering gehalten wird. Es gibt kein Dessert, was den Zuckeranteil gering hält und es sind Hülsenfrüchte dabei, diese liefern dem Körper wichtige pflanzliche Eiweiße und Calcium. Ebenso befürwortet sie, dass es viel Gemüse gibt, welches Ballaststoffe liefert und Rohkost. “Trotzdem gibt es viele Fertigprodukte auf dem Plan, dazu gehört auch Gemüse aus Konserven sowie Weißmehlprodukte wie Fastfood und Pasta. Diese gehören aber eben nicht zu den gesündesten Nahrungsmitteln aus vollwertiger Sicht.” so Frau Wittich.

Laut einer Umfrage von 2018 des Studentenwerks Freiberg sind die Gäste allgemein eher zufrieden mit dem Angebot, dem Service und der Örtlichkeit. Diese Meinung wird in Bezug auf das Speisenangebot ebenfalls geteilt, tendiert aber auch zu einer teilweisen Zustimmung. Im Punkt Vorhandensein von Speisen mit Zutaten aus ökologischer Erzeugung herrscht eine leichte Tendenz zur Unzufriedenheit. Auch das Vorhandensein veganer Speisen wurde als eher schlechter beurteilt.

Zusammenfassend sollte eine Balance zwischen einer ausgeglichenen Ernährung und der körperlichen Aktivität für einen gesunden Körper und Geist bestehen. Eine vollwertige Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen kann nicht mit einer Mahlzeit gedeckt werden, auch nicht mit einer einzelnen aus der Mensa. Daher kann neben dem privaten Essverhalten das Mensaessen nur dazu beitragen.

Die Gerichte der Mensa sind zu einem Großteil gut zusammengestellt und abwechslungsreich. Trotzdem hat sich herausgestellt, dass es für vegetarisch und vor allem vegan lebenden Menschen schwierig ist, sich gut zu ernähren. Auch ein sich vegan-ernährender Kommilitone hat eine klare Meinung dazu: „Das vegane Angebot an der HSMW überzeugt mich leider nicht. In der Mensa gibt es zwar jeden Tag zwei vegetarische Mahlzeiten, aber keine explizit veganen. Neulich gab es aber veganen Käse, darüber habe ich mich gefreut. Heute habe ich auch Soja-Gyros an der Nudeltheke entdeckt. Leider gibt es auch an der Kaffeestation keine veganen Milchalternativen. So kann man sagen, dass Veganer selten auf ihre Kosten kommen.” Daher wäre es sinnvoll, wenn es mehr Angebote für alternative Ernährungsformen gäbe, damit jeder die Chance hat, sich neben dem Studium gesund ernähren zu können.

Die Ernährungsberaterin Tatjana Wittich schlägt an dieser Stelle auch die Verbesserung vor, damit Studierende ihre Ernährung voranbringen können: Mehr Hülsenfrüchte und frisches Gemüse oder frisch zubereitetes Gemüse integrieren. Dazu eignen sich sehr gut vegane Gerichte nur aus Gemüse und Hülsenfrüchten, ohne Einsatz von Fleischersatz, dafür mit orientalischen Gewürzen. Alternativ können auch z.B. Fleischstreifen extra angebraten werden. So können mehr Studenten davon profitieren. Diejenigen, die vegane Variante wählen und auch alle anderen, die einfach Fleischstreifen als Beilage dazu wählen.”

Text, Titelbild – Lana Schmidt

<h3>Lana Schmidt</h3>

Lana Schmidt

ist 20 Jahre alt und studiert derzeit im dritten Semester Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Bei medienMITTWEIDA engagiert sie sich als Redakteurin und Assistenz der Bildredaktion seit dem Wintersemester/Sommersemestern 2022.