Frauen müssen draufzahlen

von | 23. November 2018

‚Aufgrund der ‚‚Pink Tax“ zahlen Frauen für das gleiche Produkt oft mehr als Männer. Illustration: Ulrike Schell

Eine Frau zu sein ist teuer, denn für Produkte wie Hygieneartikel, die sich oftmals nur in ihrer Farbe unterscheiden, müssen Frauen im Vergleich zum Männerprodukt tiefer in die Tasche greifen. Ähnlich sieht es bei Dienstleistungen wie Frisierangeboten oder Textilreinigungen aus, denn auch hier zahlen Frauen drauf. Das Phänomen ‚‚Pink Tax”, dass für Frauen oftmals unvermeidbar ist, ist  nicht nur ärgerlich, sondern kann vor allem kostspielig werden.

Der Überbegriff für ‚‚Pink Tax” ist ‚‚Gender Pricing“, was grundsätzlich bedeutet, dass der Preis abhängig vom Geschlecht gesetzt wird. Das Resultat dieser Preisdifferenzierung, dass Frauen mehr zahlen müssen als Männer, nennt sich ‚‚Pink Tax”.

Wie unser Geschlecht den Preis bestimmt

Die bundesweit erste Studie der Antidiskrimierungsstelle des Bundes zur ‚‚Preisdifferenzierung nach Geschlecht“ aus dem Jahr 2017 bestätigte, dass es bei Dienstleistungen für Frauen Preisunterschiede gibt. Es wurden dabei 381 Dienstleistungen untersucht und bei knapp 59 Prozent  konnte ein Preisunterschied mit der Beanspruchung dieser bei Frauen und Männern festgestellt werden. Hierbei wurden vor allem Preisdifferenzierungen im Reinigungs- und Friseurgewerbe untersucht. Bei Kurzhaarfrisuren müssen Frauen im Durchschnitt 12,50 Euro mehr bezahlen, als Männer. Bei Standard-Kurzhaarfisuren bieten rund 90 Prozent der untersuchten Friseure und Friseurinnen grundsätzlich unterschiedliche Preise für Frauen und Männer an. Genauso verlangen ein Drittel der Reinigungen abweichende Preise für Frauenblusen und Herrenhemden. Im Durchschnitt bezahlen Frauen sogar 1,80 Euro drauf. Laut der Verbraucherzentrale Hamburg sollten Frauen beim Kauf von Deo, Parfüm, Rasierer und Rasiergel in der Drogerie genauer hinsehen. Deren  Recherche ergab, dass Produkte einer selben Marke für Frauen teurer sind als für Männer. Durchschnittlich müssen Frauen für Duschschaum bis zu 90,8 Prozent und bei Einwegrasierern 27,3 Prozent mehr zahlen. Denn beispielsweise bei Parfüm beträgt der Preisaufschlag 54,8 Prozent. In der PULS Reportage: ‚‚Pink Tax: Zahlen Frauen mehr als Männer?” meinte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, dass  Frauen bereit sind mehr zu zahlen und es die Kunst des Händlers sei, den Preis, der bereit ist bezahlt zu werden, aufzurufen.

Durchdachte Marketingstrategie

Die Händler sorgen dafür, dass den Verbraucherinnen und Verbrauchern der Preisunterschied gar nicht auffällt. In Drogerien sind meist getrennte Regale für beide Geschlechter aufgebaut, sodass die Käuferin oder der Käufer nur die Produkte in ‚‚ihrem“ bzw. ‚‚seinem”  Regal vergleichen. Meist erscheinen Männerprodukte auf den ersten Blick sogar teurer. Der unterschiedliche Preis fällt erst auf, wenn man sich den Preis pro 100 Milliliter oder pro Stück anschaut. Ein Beispiel hierfür wären die Einwegrasierer von Balea aus einer Stichprobe der Verbraucherzentrale Hamburg 2017. Die Rasierer kosten pro Packung für Männer 1,25 Euro und die rosa Variante kostet für Frauen 0,85 Euro. Jedoch bekommen Männer bei dem Kauf dieser Packung 10 Rasierer und Frauen lediglich die Hälfte, was einen Stückpreis von 0,13 Euro für einen blauen und 0,17 Euro für einen rosa Rasierer ergibt. Die Verbraucherinnen zahlen hier einen Aufschlag von 36 Prozent. In der PULS Reportage wird aufgezeigt, dass ein Deo von James Bond für Männer 5,97 Euro pro 100 Milliliter  kostet und für Frauen 66,5 Prozent mehr, was einen Preis von 9,93 Euro ergibt.

Preis doch gerechtfertigt?

Bei Pflegeprodukten stellt sich die Frage, ob die Preisunterschiede doch gerechtfertigt sind, aufgrund der unterschiedlichen Inhaltsstoffe. In der PULS Reportage ist der Chemiker Prof. Dr. Heinz Langhals der LMU München diesem Thema auf den Grund gegangen. Es  könne nicht bei allen Produkten alle Kosten aufgeschlüsselt werden, da in den meisten Fällen die Reinheit der Stoffe nicht angegeben sei und auf einigen Düften Lizenzgebühren anfallen könnten, meint Langhals. Bei dem Vergleich zweier Rasierschäume von ISANA für beide Geschlechter ist aufgefallen, dass viele Inhaltsstoffe gleich sind, aber andere Hautschutzmittel und Farbstoffe verwendet wurden. Dies rechtfertigt aber nicht den Preisunterschied von über 20 Prozent. Danach wurde das James Bond Deo für die Frau und den Mann auf seine Inhaltsstoffe untersucht und überprüft, ob der Preisaufschlag von über 66 Prozent angemessen ist. Schlussendlich haben laut Langhals beide Produkte die gleichen Inhaltsstoffe, bis auf einen Duftstoff im weiblichen Deo – Zimtaroma – was jedoch keinen Preisaufschlag rechtfertigt.

Gender Pricing entgegentreten

Um der ‚‚Pink Tax” zu umgehen, gibt es zwei Wege: Zum einen können die Verbraucherinnen die Produkte für das andere Geschlecht kaufen, da sich Produkte wie Rasierer oder Rasiergel von den Inhaltsstoffen kaum unterscheiden, kann auch zum günstigeren Produkt gegriffen werden, wenn sie den Bedürfnissen der Käuferinnen entsprechen. Ein anderer Weg wäre, sich bei den Herstellern oder Händlern direkt zu beschweren. Jedoch gibt es keine gesetzliche Grundlage, die die Konzerne in ihrer Preispolitik eingeschränkt, weshalb fraglich ist, ob diese Beschwerde letztendlich Wirkung zeigen würde.

Text: Tina Weber, Illustration: Ulrike Schell