Glosse: Klein-Dieter und die bösen Radiosender

von | 8. Juni 2011

Schon vor einiger Zeit wurde der Vorwurf laut, die "ARD"-Radiosender würden die Songs der "DSDS"-Finalisten Pietro Lombardi und Sarah Engels boykottieren. Das wies die "ARD" jedoch zurück. Unbegründet, schließlich durfte Pietro Lombardi sogar beim "NDR"-Jugendsender auftreten, wo er sich unerwarteterweise blamierte.

Scharf geschossen wird derzeit im Bälleparadies. Die böse „ARD“-Krabbelgruppe in der einen Ecke will angeblich nicht die Songs von Bohlens jüngsten Gelddruckmaschinen Pietro Lombardi und Sarah Engels spielen. „Stimmt ja gar nicht“, behauptet das „ARD“-Grüppchen aus der gegenüberliegenden Ecke.

Die „Bild“ will mitspielen

Grund für den kleinen Dieter Bohlen, die „Bild“-Redaktion in den Streit zu integrieren. Diese rutscht freudig in das Bällebecken hinein und schlägt wild um sich: „Dieter Bohlen ist ratlos“, „Die Politik ist alarmiert“, heißt es auf „Bild.de“. Die eigentlich lächerliche Meinungsverschiedenheit bauscht die Redaktion zu einem ausgewachsenen Bällchenkrieg auf und sponsert der frustrierten „RTL“-Gruppe ein paar Plastikkanonen.

„Es ist kein Zufall, dass wir im ‚ARD‘-Radio nicht stattfinden. Das ist Meinungsdiktat. Und wir alle zahlen dafür noch Zwangsgebühren“, nörgelt der kleine Dieter auf „Bild.de“. Die „ARD“-Krabbelgruppe holt unterdessen die Wasserpistolen aus der Vorratskammer und kontert erwartungsgemäß: Sie richte sich nur nach dem Geschmack ihrer Zuhörer und nicht nach dem, was in den „Viva“-Charts ganz oben ist.

Blamage bei der „Pisa-Polizei“

Wie bei kleinen Kindern üblich, werden die vor kurzem noch heiß begehrtesten Spielgeräte nach wenigen Minuten uninteressant. Die „Bild“-Redaktion bastelt schon am Plastikballmaschinengewehr für die nächste Schlacht im Krieg gegen die Zwangsabgabe-Rundfunkgebühr und Pietro Lombardis erste Single „Call My Name“ wird von den „ARD“-Jugendwellen gespielt. Kürzlich trat er sogar bei dem „NDR“-Jugendsender „N-Joy“ auf. Die Chance für den Sender, eine neue Runde im Kindergartenstreit auszurufen. Die Redaktion hatte sich ein Spiel namens „Pisa-Polizei“ ausgedacht. Lombardi sollte nur ein paar Fragen beantworten, doch damit tat sich der neuste deutsche „Superstar“ etwas schwer. Fragen, wie der deutsche Bundespräsident heiße, wie viel drei Prozent von 100 sei, was „SPD“ bedeute und was überhaupt erst eine Demokratie ist, überforderten den armen Jungen.

Wenn er aber mit seiner allerbesten Freundin Sarah Engels spielt, scheint Lombardi sich dafür ganz besonders ins Zeug zu legen: „Oh, ich bin lange genug in Deutschland, dass ich wissen müsste, was ’ne erogene Zone ist. Ich sag mal 60 km/h.“ Auf diese Antwort muss sich Lombardi auch noch den Spott der bösen Radioleute gefallen lassen. Aber mach dir nichts draus, Pietro – als „DSDS“-Gewinner brauchst du so etwas gar nicht zu wissen – du solltest nur singen können. Außerdem ist dein Nachfolger bald gefunden und für dich beginnt der wirkliche Ernst des Lebens wieder – ohne Windel-Dieter, der sich dann bestimmt lieber mit den Bällen von Sarah Engels vergnügt.

<h3>Christina Mothes</h3>

Christina Mothes