Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als alles über Facebook gemacht wurde, sei es Verabredungen, ganz normales „chatten“, Bilder austauschen – früher war die Social Media-Plattform so gut wie immer offen und eines der wichtigsten Kommunikationsmedien. Doch wie sieht das heute aus?

Facebook in Zahlen – weltweit

Vor Kurzem veröffentlichte Facebook die aktuellen Nutzerzahlen des Netzwerkes für das vierte Quartal 2014. Laut diesem Bericht hat Facebook weltweit 1,39 Milliarden aktive Nutzer, was im Gegensatz zu den Jahren und Quartalen zuvor eine Steigerung darstellt. Als „aktiver Nutzer“ gilt für Facebook jeder, der mindestens einmal im Monat bei Facebook online ist. Laut diesem Geschäftsbericht sind 64 Prozent der aktiven Nutzer täglich online. Außerdem ist bei den Usern ganz klar der Trend zur mobilen Nutzung zu erkennen: 1,189 Mrd. Menschen nutzen das Soziale Netzwerk auf einem mobilen Endgerät. 526 Millionen User, also 38 Prozent aller Facebook-User, nutzen es ausschließlich mobil. Auch umsatzmäßig konnte Facebook stark zulegen: Im vierten Quartal 2014 machte das Unternehmen 3,8 Milliarden US-Dollar Umsatz – das sind 650 Millionen US-Dollar mehr als im Quartal zuvor.

Expertenmeinung: Ist Facebook out?

In Deutschland ist Facebook immer noch das Netzwerk Nummer 1. Doch wie sehen Experten das? Wir befragten den Social Media-Experten André Jontza ob Facebook seiner Meinung nach out sei:

„Ja und nein. Ja bei den ganz jungen Menschen, nein bei den Menschen ab 30. Fragt man Kinder im Alter zwischen 9 und 13 hört man sie mit ziemlicher Sicherheit sagen Facebook sei out. Für sie ist Facebook eine Sache, die von ihren Eltern benutzt wird und deshalb wenig cool erscheint. Bei den Menschen zwischen 14 und 21 verhält es sich ähnlich befürchte ich. Sie dürften Facebook allmählich über haben.“

Als Grund dafür gibt er an, dass Facebook Konkurrenz bekommen hat, wobei er besonders an Snapchat, Instagram, Tinder, Tumblr und WhatsApp denkt. Besonders für die Jungen sei es wichtig sich von den anderen Generationen abzuheben – das gehe mit Facebook nicht mehr, da mittlerweile auch die ganze Verwandtschaft Facebook hätte. Außerdem sei bei den Jüngeren der Trend zurück zur „one-to-one-Kommunikation“ zu beobachten, wohingegen Facebook eher für die one-to-many Kommunikation steht.

„Insgesamt ist Facebook bei den jungen Menschen also vielleicht out, doch noch lange nicht am Ende. Die Anzahl der monatlich aktiven User steigt weiterhin. Ende 2014 waren es knapp 1,4 Milliarden Menschen. Ich sehe da kein Ende. Es gibt vermutlich noch viele Menschen über 30, die noch keinen Facebook-Account haben. Facebook ist erwachsen geworden!“    

Doch wie schätzt der Social Media-Experte die Zukunft von Facebook ein?

„Facebook wird auch weiterhin am Puls der Zeit bleiben. Ich kann mir vorstellen, dass sich Facebook durch noch exakteres Targeting und plattformübergreifender Aussteuerung der Werbung zur weltweit besten Werbeplattform entwickelt.“

Außerdem werde sich Facebook als „News Hub“ etablieren. Er glaubt, das Facebook verstärkt auch mobile E-Commerce- und Payment-Dienste integrieren wird, um Riesen wie Amazon anzugreifen. Darüber hinaus könnte Facebook auch großen Dating- und Spiele-Portalen den Rang ablaufen. Der Facebook-Login sei ein wichtiges Instrument in der Zukunft des Netzwerks. Der eigene Facebook-Account könnte damit zum digitalen Personalausweis im gesamten Internet werden. Diese Nebenprodukte werden nicht nur den User mehr an das Netzwerk binden, sondern auch eventuelle Gewinnrückgänge, wenn das „Hauptprodukt“ nicht mehr funktioniert, „abfedern“, so Jontza.

„Zuckerbergs Initiative Internet.org, die Menschen in Ländern ohne Internetanbindung ans Netz bringen soll, wird sein Übriges tun. Internet.org versorgt Menschen mit einem kostenlosen Zugang zu ausgewählten Internetdiensten. Facebook wird einer dieser Dienste sein.“

Facebook werde es also noch lange geben – darauf deuten nicht nur die stetig steigenden Nutzerzahlen, sondern auch das Vertrauen der Facebook-Aktionäre hin. Jontza hat den Eindruck, dass sich die private Kommunikation derzeit in andere Dienste wie WhatsApp, Instagram und Snapchat verlagert. Mark Zuckerberg habe dies verstanden, deshalb habe er den Facebook Messenger in eine eigene App ausgelagert und somit von Facebook abgekoppelt und als Höhepunkt die Konkurrenten Instagram und Whatsapp gekauft.

Text: Linda Häusler. Beitragsbild: Ⓒ geralt unter CC0 1.0 Universell.Bearbeitung: Christine Wolf.