Kampf gegen die Dürre

von | 18. Januar 2019

Jedes Feldsalat Röschen wird einzeln gepflanzt. Ein Sinnbild des bio-bäuerlichen Arbeitsaufwands, dessen Ertrag jedoch durch die Hitze stark beeinträchtigt wird. Foto: Maximilian Christoph

Biobauern betreiben einen großen Aufwand, um natürliche Produkte besonderer Qualität anbieten zu können. Dabei ist ihre berufliche Existenz durch enorm lange Hitzeperioden gefährdet. Doch muss der Kampf gegen die Dürre mit Bedacht und Rücksicht auf die Natur geführt werden, ohne dabei selbst zugrunde zu gehen.

Eine dünne Schneeschicht liegt auf von Hitze misshandelten Äckern und Feldern. Die Natur braucht Erholung. Am 23. September 2018 um 6.03 Uhr hatte die historische Hitzewelle zumindest ihr astronomisches Ende erreicht. Mit deutschlandweit beständig auftretenden Hitzetagen sowie einem Temperaturmaximum von 39,5 Grad Celsius, schrammte dieser laut dem Nachrichtensender ntv nur knapp an den Werten des Rekordsommers von 2003 vorbei. Und auch die Nachwirkungen waren nicht zu übersehen. Braune Wiesen und ausgedörrte Felder prägten ein Bild landwirtschaftlicher Herausforderung. Diese mit Mitteln anzugehen, die der Natur nicht nur kurzfristig helfen, sondern diese langfristig stabilisieren, entspricht dem Sinn eines Biobauers. Ein Anliegen, das auch in Sachsen verfolgt wird.

„Ich kann aus der Natur nichts herauspressen, was sie nicht bereit ist, zu geben!“

Der Lichtenauer Bio-Bauer Jan Liebers und seine Frau Christine unterhalten seit nunmehr 27 Jahren eine Gärtnerei mitsamt anliegendem Hofladen. „Es ist uns ein Anliegen, dass Produkte, die hier produziert, auch hier verkauft werden“, so Frau Liebers. Und dabei liegt ihr Fokus vor allem auf Langlebigkeit der Natur, also wirtschaften im Einklang mit dieser. Ökologischer Landbau ist eine Form der Landwirtschaft, die besonders ressourcenschonend und umweltverträglich ist und sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Leitsatz ist hierbei ein möglichst geschlossener Kreislauf, der all seine Komponenten auf natürliche Art und Weise nutzt und reproduziert. Dabei gedeihen von jeglicher Chemie losgelöst Gemüsesorten, Salate und Kräuter. „Die Qualität unserer Produkte hängt in großem Maße davon ab, die ursprüngliche, für die Gewächse wachstumsfördernde Umgebung nachzuahmen. Das ist manchmal nicht ganz leicht, jedoch ist der Aufwand das Ergebnis wert“, erklärt Liebers mit einem Strahlen.

Und so kann man beim Betreten der zum Hofladen umfunktionierten Scheune eine Vielzahl frischer Rohprodukte bewundern. Tomatensorten wie Ananas-, Ochsenherz-, oder Andenhorntomaten liegen grün, gelb und rot glänzend gleich neben Fenchel und Spitzkohl. Ergänzt wird das Angebot durch sorgfältig ausgewählte Zusatzprodukte aus regionaler Herstellung. „Transparenz ist uns sehr wichtig, denn nichts schafft mehr Vertrauen dem Endverbraucher gegenüber“, so Frau Liebers.

Problem-Hitze

Der vergangene Sommer war so verheerend, dass einige Bauern laut Aussagen des Bauern-Verbandes vor dem Ruin stehen. Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Bauernverbandes sprach in der Süddeutschen Zeitung sogar von der „schlechtesten Ernte des Jahrhunderts.“ Insgesamt verlangten die Landwirte nach finanzieller Unterstützung in Milliardenhöhe.

Auch für Liebers Bio-Hof war die Hitzeperiode keine leichte. „Die Hitze macht keinen Unterschied, ob du Großindustrieller oder Kleinbauer bist. Jeder ist betroffen“, beschreibt er. Dabei ist das Hauptproblem so offensichtlich wie verheerend: Wassermangel. Von Mitte April bis Anfang Juli gab es laut Liebers circa 80 Millimeter pro Quadratmeter zu wenig Niederschlag.  „Ein für hiesige Verhältnisse starker Regenschauer wirft in etwa zwei Stunden circa zehn Millimeter pro Quadratmeter ab. Die fehlenden Wassermassen kann man nur sehr bedingt kompensieren“, so Liebers weiter. Doch birgt nicht nur der trockene Nährboden, sondern auch die Physiologie der Pflanzen selbst Gefahren für die Ernte. Der über Fotosynthese gesteuerte Selbstversorgungs-Prozess der Gewächse wird durch die anhaltende Hitze gehemmt. Die durch interne Verdunstung im Blatt ablaufende Kühlung, dem menschlichen Schwitzen nicht unähnlich, reicht kaum aus, um der Außentemperatur entgegen zu wirken. „Dieser Prozess produziert nämlich auch wieder Wärme, durch Reibung in den Pflanzensegmenten. Bei 44 Grad Celsius gerinnt dann das Pflanzeneiweiß und das Wachstum stagniert“, erklärt Liebers.

Frische Rohprodukte wie diesen Kohlrabi verkauft der Lichtenauer Bio-Bauer Liebers. Foto: Maximilian Christoph
Senfkrautsalat besticht durch seine feingliedrigen, geschmacksintensiven Blätter. viel Platz zum Wasser Speichern hat allerdings auch diese Pflanze nicht. Foto: Maximilian Christoph.

Folgen der Hitze und Gegenmaßnahmen

Wie stark einzelne Betriebe unter der Hitzewelle leiden, ist abhängig von deren Struktur und welche Produkte diese anbieten. So sind Milchbauern und weitestgehend von Tieren abhängige Betriebe stärker betroffen als reine Getreidebauern, wie Prof. Dr. Rainer Kühl, Agrarökonom, in der Wirtschaftswoche berichtet: „Betroffen sind vor allem Viehbetriebe, die mit ihrem eigenen Aufwuchs die Tiere füttern und nun Futter zukaufen müssen. Getreidebauern, die ihr Getreide auf dem eigenen Betrieb lagern können, können vielleicht noch mit dem Verkauf ihrer Ernten warten, sodass sie vielleicht noch von stärker steigenden Preisen profitieren. Wer seine Ernte oder einen Teil davon schon im Voraus zu einem geringeren Preis vertraglich verkauft hat, profitiert von den steigenden Preisen nicht und ist durch die Ertragseinbußen natürlich härter getroffen.“

Der Weltmarktpreis für Weizen ist im Jahr 2018 um ein Viertel gestiegen. Eine kurzfristige Lösung für das Bestehen lebenslang geplanter Existenzen. Langfristig rät Kühl zur Diversifikation des Angebotes, etwa durch den Anbau früh- oder spätreifender Getreidesorten. Von Vorteil sei in jedem Fall ein möglichst breites Angebotsportfolio, um Ausfälle finanziell ausgleichen zu können. Dies bestätigt auch Liebers: „Ein Betrieb, der nur auf ein Produkt, beispielsweise Milch setzt, hat es bei Ertragsausfällen deutlich schwerer, als ein Betrieb, der seine Risiken besser streut. Einige unserer Kulturen (sprich: Pflanzen, Anm. d. Red.) profitierten sogar von der Wettersituation, waren qualitativ besser und quantitativ mehr und haben so die Bilanz positiv beeinflusst. Auch können wir aufgrund der Vermarktungsstrategie im eigenen Hofladen die fehlenden eigenen Produkte durch andere Bioprodukte ersetzen und den Umsatz so sichern. Dadurch konnten wir einen Großteil des Schadens auffangen.“

Prävention statt Reaktion

Trotzdem ist Liebers nicht gewillt, seine berufliche Zukunft vom Wettergott oder jährlich notwendiger, Umsatz rettender Umstrukturierungen abhängig zu machen. Langfristig wirkende Änderungen in Art und Durchführung des Anbaus sind vonnöten.

„Grundsätzlich muss man sagen, dem Wetter können und sollten wir nicht den Kampf ansagen. Da können wir nur verlieren. Was wir aber tun können, ist die Herausforderung annehmen und die Erfahrungen der vielen Bauergenerationen vor uns, intelligent mit den Möglichkeiten der Gegenwart zu verbinden. Ohne dabei den Respekt vor der Natur einzubüßen.“

Dabei haben Bio-Bauern gegenüber herkömmlichen, konventionellen Landwirten einen Vorteil: „Aufgrund des Verzichts auf Pestizide (Pflanzenschutzmittel, Anm. d. Red.) und mineralische (synthetisch hergestellte, Anm. d. Red.) Dünger, hat unser Boden ein höheres natürliches Wasserspeichervermögen. Schutz und Förderung dieses Umstandes ist eine der entscheidenden Maßnahmen von Liebers. Zusätzlich will er eine Mulch-Schicht (Schicht aus Baumrinde, Anm. d. Red.) auf den Boden aufbringen, um diesen besser vor Sonneneinstrahlung zu schützen. „Dadurch wird die Verdunstung reduziert und die Struktur des Bodens vor Außeneinwirkungen geschützt“, erklärt er. Weiterhin arbeitet er gerade an einem Plan, die Aussaat- und Pflanzzeitpunkte sowie Wahl der Sorten und Kulturen an die veränderte Situation anzupassen.

 Außerdem überlegt er, schattenspendende Bäume in Reihen auf den Feldern zu pflanzen. Diese reichern den Boden mit Stickstoff an und bieten den Bauern später zusätzlich den Holzertrag. Liebers klärt mit einem Zwinkern auf: „Es gibt so viele Möglichkeiten, auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren, dass es eher eine Chance ist, sich weiter zu entwickeln, als ein Hindernis.”

Text und Fotos: Maximilian Christoph