Jahrzehntelange Improvisation, staatliche Kontrolle und internationale Bündnisse trugen das System durch Krisen – doch nun verdichten sich wirtschaftlicher Niedergang, gesellschaftliche Erschöpfung und außenpolitischer Druck zu einer Entwicklung, die das Land grundlegend verändern könnte. Für Millionen Menschen wird die Frage nach der Zukunft damit längst zur Frage des täglichen Überlebens.
Die Geografische Lage im Überblick

Ein Land an der Grenze
Kuba befindet sich in einer der schwersten wirtschaftlichen Krisen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er-Jahren. Die Versorgungslage ist entsprechend angespannt: Ein Großteil der Bevölkerung ist auf staatlich rationierte Lebensmittel angewiesen, die jedoch oft nicht ausreichen. Laut Berichten von Einwohnern seien Produkte wie Reis, Öl oder Fleisch regelmäßig knapp oder nur zu sehr hohen Preisen auf privaten Märkten erhältlich. Hinzu kommen massive Probleme in der Energieversorgung. Seit 2022 sei es landesweit zu täglichen Stromausfällen von mehreren Stunden gekommen, teilweise mit Ausfällen von über 20 Stunden pro Tag in ländlichen Regionen, schildern Einwohner. Ursache sind unter anderem veraltete Kraftwerke und Treibstoffmangel. Politikwissenschaftler Bert Hoffmann warnt, dass Kuba auf eine „humanitäre Katastrophe“ zusteuere.
Aktuellen Schätzungen zufolge schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Landes zwischen 2019 und 2023 um insgesamt rund 10 bis 15 Prozent. Gleichzeitig liegt die Inflationsrate seit der Währungsreform im Jahr 2021 dauerhaft im zweistelligen Bereich, zeitweise sogar deutlich darüber. Offizielle Angaben sind begrenzt, doch unabhängige Analysen gehen davon aus, dass Preise für Grundnahrungsmittel um ein Vielfaches gestiegen sind.
Reformen, Abwanderung und der Verlust staatlicher Strukturen
Parallel dazu verschärfen sich die innenpolitischen und wirtschaftlichen Dynamiken. Die Regierung Kubas versucht, durch begrenzte Marktöffnungen und die Zulassung kleiner Privatunternehmen gegenzusteuern. Die Anzahl von privaten Händlern steigt stetig an. Importware – wie Süßigkeiten, Verhütungsmittel oder Medikamente gegen chronische Krankheiten – sind derzeit nur in nicht staatlich geführten Etablissements erhältlich. Dennoch bleibt die Produktivität gering, und staatliche Verkaufsstellen dominieren weiterhin zentrale Wirtschaftsbereiche. Die wirtschaftliche Krise hat zudem eine verstärkte Migration ausgelöst: Zwischen 2021 und 2024 verließen laut US-Behörden über 500.000 Kubanerinnen und Kubaner das Land, ein signifikanter Anteil der Gesamtbevölkerung von rund 11 Millionen, darunter Ärzte, Pflegekräfte und Pädagogen. Der Mangel an Fachpersonal führt zum Einbrechen der täglichen Strukturen. Schulen zu; Krankenhäuser, die Patienten nicht behandeln können, da weder Strom noch Medikamente da sind.
Politischer Kurswechsel in Washington verschärft den Druck
Ein wesentlicher Einflussfaktor für diese Lage sind die politischen Beziehungen zu den USA, insbesondere seit 2014. Unter Barack Obama wurden diplomatische Beziehungen wieder aufgenommen und wirtschaftliche Einschränkungen teilweise gelockert. Dies führte kurzfristig zu einem Anstieg des Tourismus und wirtschaftlicher Aktivitäten. Zwischen 2015 und 2017 stieg die Zahl internationaler Besucher auf über 4 Millionen jährlich.
Diese Entwicklung kehrte sich jedoch unter der Regierung von Donald Trump um. Mehr als 200 neue Sanktionen wurden eingeführt, darunter Einschränkungen im Reiseverkehr, bei Geldüberweisungen sowie im Energiesektor. Diese Maßnahmen trafen Kuba wirtschaftlich erheblich, da Überweisungen aus dem Ausland zuvor eine zentrale Einnahmequelle darstellten. Nicht nur für offizielle Instanzen, sondern auch für die Einwohner Kubas, die sich durch Familie im Ausland finanziert haben (Remittances). Schätzungen zufolge machten solche Remittances zeitweise mehrere Milliarden US-Dollar jährlich aus. Die „Erdrosselungspolitik“ der USA wird hart von Trump durchgesetzt, und durch Drohungen ausgedrückt.
„Während wir in Venezuela einen historischen Wandel vollziehen, freuen wir uns auch auf die großen Veränderungen, die bald in Kuba stattfinden. Kuba befindet sich in seinen letzten Augenblicken, so wie es ist. Unser Fokus liegt derzeit auf Iran. Aber danach werde ich mich um Kuba kümmern.“ sagte er auf dem „Schild of the Americans“-Gipfel am 7. Marz in Doral, im Raum Miami.
Vom Kalten Krieg zur Dauerkrise
Zur Einordnung dieser Entwicklungen ist der historische Kontext entscheidend. Seit der kubanischen Revolution unter Fidel Castro 1959 und insbesondere seit der Einführung des US-Embargos im Jahr 1962 infolge des Kalten Kriegs ist die wirtschaftliche Entwicklung Kubas stark eingeschränkt. Das Embargo betrifft unter anderem Handel, Finanztransaktionen und Investitionen und wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verschärft. Nach Angaben eines kubanischen Regierungsberichts beläuft sich der wirtschaftliche Gesamtschaden durch das US-Embargo auf mehr als 170 Milliarden US-Dollar.
Während des kommunistischen Regimes konnte Kuba diese Einschränkungen teilweise durch Unterstützung der Sowjetunion kompensieren. Nach deren Zerfall Anfang der 1990er-Jahre geriet das Land jedoch in eine schwere Versorgungskrise („Período Especial“), deren strukturelle Folgen bis heute spürbar sind.
Was ist ein Embargo?
Embargos sind Beschränkungen im Außenwirtschaftsverkehr. Sie haben Verbote von Handlungen und Rechtsgeschäften im Außenwirtschaftsverkehr gegenüber einem bestimmten Land oder bestimmten Personen/Personengruppen zum Inhalt.
Internationale Partnerschaften als begrenzter Stabilitätsfaktor
Kuba intensiviert seine Beziehungen zu Ländern wie Russland und China, insbesondere im Energie- und Infrastrukturbereich, aufgrund der gemeinsamen Geschichte. Beide Länder schicken Öl oder Lebensmittel, doch nur Russlands Tanker werden von der US-Regierung durchgelassen. Anderen Staaten droht die US-Regierung mit zusätzlichen Zöllen, sollte ihr Embargo missachtet werden. Venezuela war für Kuba lange ein wichtiger Partner, vor allem durch Öllieferungen. Durch die verschärfte Lage in Venezuela und den wachsenden Druck der USA sind diese Lieferungen jedoch deutlich zurückgegangen. Diese internationalen Partnerschaften können die strukturellen Probleme jedoch bislang nur begrenzt ausgleichen.
Externe Ereignisse als Verstärker der Systemkrise
In den letzten Jahren haben zusätzliche Ereignisse die Situation weiter verschärft. Neben den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, die den für Kuba wichtigen Tourismussektor, welche die Einkommensquelle vieler Kubaner ist, zeitweise nahezu zum Erliegen brachte, spielte auch die Energieversorgung eine zentrale Rolle. Die Ölkatastrophe 2022, die Explosion des größten Öldepots Kubas, verschärfte bestehende Engpässe und führte zu weiteren Einschränkungen in Industrie und Alltag. Nur rund 20 Prozent des gelagerten Öls konnten gerettet werden, berichteten kubanische Nachrichtendienste zur Zeit des Geschehens. Gleichzeitig beeinträchtigen globale Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel die Importfähigkeit des Landes zusätzlich.
Explosion eines Öldeponats; Quelle: Mariel Gonzalez
Unsichere Zukunft unter politischem Druck
Kuba steht vor einer komplexen Gemengelage aus wirtschaftlicher Schwäche, außenpolitischem Druck und strukturellen Defiziten. Die Kombination aus langjährigem Embargo, aktuellen Sanktionen, internen Reformhemmnissen und externen internationalen Krisen hat zu einer Situation geführt, in der kurzfristige Verbesserungen schwer umzusetzen sind. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie weit die US-Regierung ihre Politik gegen den sozialistischen Staat treibt.