„MDR“-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille ist die Schirmherrin des 16. Medienforum Mittweida. Anne Schulze hat sie zur Zukunft des „MDR“ und zu Frauen in der Chef-Etage befragt.
Die Juristin Prof. Dr. Karola Wille, seit 1. November des vergangenen Jahres „MDR“-Intendantin, übernimmt die Schirmherrschaft beim 16. Medienforum Mittweida. „Ich freue mich auf den Austausch mit Studenten“, sagt die 53-Jährige. Außerdem wird sie bei dem Mittweidaer Medien-Event als Referentin an einer Podiumsdiskussion über Frauen in Führungspositionen teilnehmen. Darüber, und über ihre bisherige Zeit beim „Mitteldeutschen Rundfunk“, hat Anne Schulze mit ihr gesprochen.
Sie haben Rechtswissenschaften studiert. Wie kam es dazu, dass Sie Ihren Beruf als Juristin aufgaben und „MDR“-Intendantin wurden?
Schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Leipzig habe ich mich auf Medienrecht spezialisiert. Zum „MDR“ bin ich 1991 gekommen, als Referentin in der Juristischen Direktion. Als der Gründungsintendant des „MDR“, Prof. Dr. Udo Reiter, im vergangenen Jahr seinen Rückzug erklärt hat, war ich bereits 15 Jahre Juristische Direktorin. Der „MDR“ Rundfunkrat hat mich dann am 23. Oktober 2011 auf einstimmigen Vorschlag zur Intendantin gewählt.
Worin bestehen die größten Unterschiede zu Ihrem alten Beruf?
Als Intendantin habe ich ein größeres Verantwortungsgebiet, muss strategisch denken, die Richtlinien für das Haus vorgeben, mich noch stärker mit journalistischen Inhalten beschäftigen. Und ich repräsentiere den „MDR“, zum Beispiel auf Podiumsdiskussionen, wie beim Medienforum Mittweida.
Was war die größte Herausforderung während beziehungsweise nach dem Jobwechsel?
Gemeinsam mit der Führungsmannschaft habe ich die „Vision 2017“ für den „MDR“ entwickelt, die unsere Arbeit in den kommenden Jahren bestimmen wird. Wir wollen professionell, glaubwürdig und leidenschaftlich unseren Auftrag für die Menschen erfüllen.
Als neue Intendantin des „MDR“ wollen Sie das Programm jünger und moderner gestalten. Was haben Sie bisher schon erreicht und wie? Was wollen Sie unbedingt noch schaffen?
Der „MDR“ muss als solidarisch finanzierte Rundfunkanstalt für alle in der Gesellschaft Angebote machen. Deshalb wollen wir zum Beispiel im Fernsehen auch jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer ansprechen, aber natürlich dabei unser bisheriges Publikum nicht verlieren. Der „Sputnik Festival-Sommer“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann, den haben wir auch ins Netz und ins Fernsehen geholt. Und „Jump“ kooperiert mit der „Umschau“, unserer Verbraucher-Sendung. So führt man sich auch gegenseitig Nutzer zu. Ziel ist, eine modernere Ansprechhaltung, das Ausprobieren neuer Formate. Wer nimmt was an? Wen interessiert was? Dafür will ich im „MDR“ ein Entwicklungslabor einrichten, in dem junge Programmmacher für junge Nutzer mit neuen Formaten experimentieren.
Was erwarten Sie vom diesjährigen Motto: eintauchen statt mitschwimmen?
Dass in vielfältigen Diskussionen vermittelt wird, dass es sich lohnt, sich zu engagieren, sich seine eigenen Gedanken zu machen, Dinge zu ergründen und zu vertiefen. Die uns umgebende Welt ist so komplex, dass wir auch Tiefgründigkeit, Kreativität und Mut brauchen.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf den Austausch mit den Studenten.
Neben Monika Piel vom „WDR“ und Dagmar Reim vom „RBB“ sind Sie nun die dritte Chefin einer „ARD“-Anstalt. Beim 16. Medienforum Mittweida werden Sie über das Thema „Frauen in Führungspositionen“ diskutieren. Wie wichtig ist dieses Thema für Sie?
Wie eine Führungsposition besetzt wird, ist für mich zunächst erstmal eine Frage der Eignung und die ist unabhängig vom Geschlecht des Bewerbers. Beim „MDR“ bemühen wir uns, Frauen noch stärker in Führungspositionen zu etablieren. Bedarf gibt es zum Beispiel in den Ingenieursberufen.
Haben es Frauen schwerer zum Chef zu werden? Und vor allem haben Sie es schwerer sich zu halten?
Chef zu werden ist selten einfach. Es bedeutet, mehr Verantwortung zu übernehmen, egal ob als Mann oder als Frau. Ob man dieser Verantwortung gewachsen ist und es einem gelingt, seine Mitarbeiter gut zu führen, entscheidet mit darüber, ob man sich hält oder nicht. Dass Männer und Frauen dabei unterschiedliche Stile pflegen, ist bekannt. Ich halte viel von natürlicher Autorität. Man muss die Leute durch die Sache mitnehmen – nicht durch das Amt.
Das Interview führte Anne Schulze