Lösungsorientierter Journalismus

„Medienkonsum beeinflusst die Wahrnehmung unserer Welt“

von | 21. Januar 2022

Wie Nachrichten mit Perspektive den Journalismus nachhaltig verändern können. Ein Interview.

Klassischer Journalismus möchte Kritik und Kontrolle ausüben. Dies geschieht, indem Journalisten als ,,Vierte Gewalt“ die Menschen über Handlungen des Staates und seiner Institutionen informieren, Missstände aufdecken und den öffentlichen Diskurs anregen. Dabei gilt seit jeher das Motto „Bad news are good news“. Dennoch wird in Journalistenkreisen immer wieder diskutiert, ob journalistische Inhalte auch anders aufbereitet werden können – zum Beispiel lösungsorientiert.
Konstruktiver Journalismus richtet seinen Fokus auf Lösungen statt Probleme. Was hinter lösungsorientierter Berichterstattung steckt, hat medienMITTWEIDA in einem Essay bereits beleuchtet. Ziel ist es, zu integrieren, gegen Hass zu arbeiten und Lösungsansätze für Probleme aufzuzeigen, zum Beispiel für den Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit. Noch ist konstruktiver Journalismus ein kleiner Trend, der in Kinderschuhen steckt. 
Auch die Online-Plattform Good News Magazin verfolgt die Mission, Nachrichten zu veröffentlichen, die andere bestärken, motivieren und inspirieren. Paul Esser, Redakteur vom Good News Magazin, hat uns in einem Interview verraten, welche Chancen in der positiven Berichterstattung liegen.

Herr Esser, was hat Sie damals motiviert, für Good News Magazin zu schreiben?

Paul Esser: Die Möglichkeit für das Good News Magazin zu arbeiten, hat sich mir ziemlich zufällig eröffnet: Über Umwege habe ich einen unserer Gründer, Florian Vitello, kennengelernt. Er hat mich direkt gefragt, ob ich für das Good News Magazin schreiben möchte. Zunächst sah ich dies als Chance, neben meinem Studium Erfahrungen mit redaktioneller Arbeit zu sammeln und meine Leidenschaft für das Schreiben auszuleben. Ich habe aber schnell verstanden, dass sich dahinter noch viel mehr versteckt: Ein junges und engagiertes Team, das an einer wirklich beeindruckenden Idee arbeitet. Mit positivem Journalismus die Medienwelt aufmischen.

Wie stehen Sie zur klassischen Berichterstattung? Würden Sie von dem
Konsum dieser Art von Nachrichten ganz abraten?

Paul Esser: Nein, von klassischen Fernsehnachrichten oder Berichten in Tageszeitungen würde ich nicht abraten. Aber es ist wichtig zu verstehen, mit welchen Mechanismen diese Berichterstattung funktioniert. In den allermeisten Fällen setzt sie auf Krisen, Katastrophen und Probleme. Ja, damit bildet sie einen Teil unserer Welt ab, aber eben nur einen Teil. Und plötzlich entsteht der Eindruck, dass alles schlecht und hoffnungslos ist. Das Good News Magazin möchte diesen Eindruck verändern. Aber nicht mit rosarotem Süße-Babykatzen-Journalismus. Wir sind eine Plattform, die Lösungswege präsentiert und zeigt, wie Positives und Gelingendes noch besser werden kann. 

Was passiert mit den Menschen, wenn sie ihren Medienkonsum ändern und
bewusst mehr lösungsorientierte beziehungsweise positive Nachrichten
konsumieren?

Paul Esser: Das Ergebnis dafür ist ziemlich intuitiv: Sie nehmen die Welt positiver wahr, schöpfen Hoffnung und sind motivierter, selbst Initiative zu ergreifen. Die Psychologie weiß schon lange, dass Medienkonsum die Wahrnehmung unserer Welt beeinflusst. Und diese Wahrnehmung beeinflusst ganz direkt unser Verhalten. Genauso wie negative Nachrichten Stress und Angst verursachen, können positive Nachrichten glücklicher und zuversichtlicher machen.

Negative Nachrichten über das Weltgeschehen können zwar zu Wut und Frustration führen, doch spornen gleichzeitig auch viele Menschen an, Druck auf die Politik auszuüben, siehe Fridays for Future. Wie kann positiver Journalismus dasselbe Ziel erreichen?

Paul Esser: Wir berichten häufig über Menschen, die sich einem Problem entgegenstellen und an einer neuen, innovativen Lösung arbeiten oder sie bereits gefunden haben. Doch viele Menschen, die Initiative ergreifen möchten, fühlen sich allein oder wissen nicht, wo sie anfangen können. Wir wollen mit unseren Nachrichten zeigen, wo und wie sich Menschen bereits engagieren, welche Ideen sie haben und wie man sie unterstützen kann. Damit motivieren wir sicherlich noch mehr Menschen als mit Angst und Wut.

Wie hat sich Ihr eigener Medienkonsum im Vergleich zu früher geändert?

Paul Esser: Als medienaffiner Mensch und Politikwissenschafts-Student konsumiere ich immer noch ständig Nachrichten. Und natürlich komme auch ich nicht an den üblichen Nachrichtensendungen und Twitter-Kanälen vorbei. Aber mein Medienkonsum ist bewusster und diverser geworden. Und vor allem behalte ich immer im Hinterkopf, dass die Nachrichtenwelt nur ein Teil der wirklichen Welt ist. Und die tägliche Dosis guter Nachrichten hilft dabei, den positiveren Blick auf das Ganze zu bewahren.

Neue Gewohnheiten zu etablieren ist nicht immer einfach – vor allem dann nicht, wenn seit Jahren stets die gleichen Nachrichtenquellen genutzt wurden. Welchen Ratschlag würden Sie jemanden geben, der seinen Medienkonsum umgestalten möchte?

Paul Esser: Durch das Internet stehen uns unfassbar viele Nachrichtenquellen zur Verfügung. Das ist eine Chance, die wir alle nutzen sollten. Mehrere Seiten zu hören und versuchen, die ganze Geschichte zu erfahren, ist auf jeden Fall der erste Schritt.

Text: Mikayla Weiland , Titelbild: Gustavo Wandalen

<h3>Mikayla Weiland</h3>

Mikayla Weiland

ist 22 Jahre alt und studiert derzeit im 4. Semester Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Bei medienMITTWEIDA engagiert sie sich als Lektoratsleiterin seit dem Sommersemester 2022.