„Mit der Neuausrichtung liegt ‚MySpace‘ im Trend“

von | 5. Oktober 2012

„MySpace“ fiel es zunehmend schwer, sich gegenüber „Facebook“ zu behaupten. Ein Relaunch soll nun helfen. Daniel Wagner erklärt, mit welchen Mitteln das Portal überzeugen will. Daniel Wagner ist Social Media- und Community-Manager aus Straubing in Niederbayern. Mit seinem Label „danny woot“ entwickelt er seit mehr als zehn Jahren Web 2.0-Kommunikationsstrategien für kleine und mittelständische Unternehmen. Im […]

„MySpace“ fiel es zunehmend schwer, sich gegenüber „Facebook“ zu behaupten. Ein Relaunch soll nun helfen. Daniel Wagner erklärt, mit welchen Mitteln das Portal überzeugen will.

Daniel Wagner ist Social Media- und Community-Manager aus Straubing in Niederbayern. Mit seinem Label „danny woot“ entwickelt er seit mehr als zehn Jahren Web 2.0-Kommunikationsstrategien für kleine und mittelständische Unternehmen. Im Interview mit medienmittweida erklärt der Experte, welche Chancen „MySpace“ mit seinem Redesign und der Besinnung auf Social-TV hat. Wagener ist überzeugt: „Mit der Neuausrichtung liegt „MySpace“ übrigens voll im Trend.“

Welche Ziele verfolgt „MySpace“ mit dem Relaunch?

Ich tippe mal darauf, dass der Relaunch mit „MySpace“-TV zu tun hat, dem neuen großen Feature, das „MySpace“ und „Panasonic“ für dieses Jahr angekündigt hatten. Nimmt eine große Plattform wie „MySpace“ eine solche strategische Neuausrichtung seiner Angebote vor, geht das nicht selten mit fundamentalen Designanpassungen einher, um die Plattform inklusive aller Features wie aus einem Guss zu präsentieren.

Mit dieser Neuausrichtung liegt „MySpace“ übrigens voll im Trend. Fernsehen wird in Zukunft eine mächtige soziale Ebene verpasst bekommen: Angefangen von der Möglichkeit, dass Zuschauer in Echtzeit Einfluss auf TV-Sendungen nehmen können, bis hin zu personalisierten TV-Programmen. Social-TV ist einer der großen Trends der kommenden Jahre, der die Machtverhältnisse in der Fernsehbranche und die Art und Weise, wie wir fernsehen, grundlegend verändern wird. Mit diesem Projekt hat „MySpace“ die Chance, wieder eine der ganz großen Plattformen zu werden.

Laut Promovideo spricht „MySpace“ klar eine junge Zielgruppe an, was den Userkreis natürlich extrem einschränkt. Wird sich ein so spezielles Netzwerk überhaupt etablieren können?

Meines Erachtens sind Nischen heute ohnehin die einzige Chance groß rauszukommen. „MySpace“ war mal richtig groß und musste dann, unter anderem durch die Ausbreitung von „Facebook“, eine Menge User einbüßen. Das Portal hat dabei den Vorteil, dass es immer noch einer der großen Namen der Branche ist und entsprechende Aufmerksamkeit genießt. Und mit Justin Timberlake hat „MySpace“ auch einen mächtigen Multiplikator an Bord, der den Relaunch richtig pushen kann.

Welche Verbesserungen hat „MySpace“ im Zuge des Relaunches vorgenommen?

Was ich nie mochte, war die Freiheit in der Gestaltung des eigenen Profils. Da kamen zum Teil wirklich schreckliche Profilseiten heraus, die überall blinkten und völlig kaputt aussahen. Wenn ich mir das neue Design so ansehe, weist es ganz klar Parallelen zu „Pinterest“ auf, einer sehr erfolgreichen Bilderplattform, die immensen Traffic generiert.

Das neue Design weißt eine klarere Linie auf, wirkt aufgeräumter und die audiovisuellen Elemente kommen so besser zur Geltung. Vielleicht findet „MySpace“ ja eine sehr elegante Lösung, Social-TV auf der Plattform nicht nur anzubieten, sondern auch tief in die „MySpace“-Experience seiner User zu integrieren. Das könnte für die Plattform der große Wurf werden.

Welche Bedeutung haben audiovisuelle Elemente in sozialen Netzwerken?

Generell scheint es derzeit einen Trend zu geben, das Web, das nach wie vor von Texten dominiert wird und in dem Bilder und Videos häufig nur schönes Beiwerk sind, vermehrt mit audiovisuellen Elementen anzureichern. Während einige Leute Bilderplattformen wie „Pinterest“ und Foto-Apps wie „Instagram“ deshalb schon als die legitimen Nachfolger von eher textbasierten Diensten wie „Twitter“ sehen, haben die „Soundcloud“-Macher das Projekt „Unmute The Web“ ins Leben gerufen. Also das Vorhaben, das Web mit Sound zu füllen und ihm so mehr Leben und Herz einzuhauchen.

Neben der Musikindustrie sind auch Medienkonzerne immer aktiver im Web 2.0: Kommen durch Social Media deren Nachrichten überhaupt erst beim Nutzer an?

Ja, durchaus. Weil Social Media – um ein Bild zu bemühen – eine riesengroße Bühne ist. Auf der diskutieren wir große, gesellschaftlich relevante Themen aus den Massenmedien ebenso wie kleine Themen, die nur für mich und ein paar meiner Freunde relevant sind. Ich erfuhr beispielsweise von Dirk Bachs Tod zuerst auf „Facebook“, dank meiner Freunde. Das Netzwerk diente hier als verlängerter Arm von Online-Inhalten, die von großen Zeitschriften und Magazinen, TV- und Radiosendern bereitgestellt wurden.

Das Interview führte: Richard Hardege. Bild: Wikipedia, Daniel Wagner, Bearbeitung: Nathalie Gersch

<h3>Richard Hardege</h3>

Richard Hardege