Plädoyer für mehr Rückkopplung

von | 14. November 2011

Zuschauerreaktionen, Sportwetten, Livechats – was verbirgt sich hinter Interaktivität im Fernsehen? Die Teilnehmer der Diskussion „High End TV“ suchen noch nach guten Konzepten.

Keine neue Entwicklung und wenig vorangetrieben: Interaktivität im Fernsehen ist ein erforschungswertes Kapitel. Für Pati Keilwerth, Annette Koch, Carsten Riemann und Wolfgang Konrad endet Interaktivität nicht mit Telefonanrufen. Sie arbeiten crossmedial und tauschten sich beim Medienforum über Möglichkeiten auf diesem Gebiet aus. Als einen Vorreiter sieht „iTVone“-Geschäftsführer Konrad „Wetten, dass..?“. Doch er meint nicht etwa die Abstimmung über die Wettkönige, sondern die Straßenwetten. Dabei können Menschen durch Anwesenheit oder Teilnahme an lokalen Aktionen während der Sendung den Ausgang der Wette bestimmen. Was das „ZDF“ unter dem Begriff Straßenwette initiierte, verstehen wir heute unter „Flashmob“.

Auch von der gemütlichen Couch aus kann der Zuschauer tätig werden. TV-Geräte mit Internetanschluss oder HbbTV sind nur zwei Entwicklungen, über die in Zukunft das Publikum schnellen Einfluss auf die Redaktion nehmen kann. Wichtiger als die technische Entwicklung aber ist das Interesse der Zuschauer daran einbezogen zu werden. „Der Trick ist etwas zu finden, was man sowieso tut“, so Annette Koch, Projektleiterin der „ZDF“-Hauptredaktion Neue Medien. Jüngst lief im „ZDF“ der Krimi „Dina Foxx“, bei dem der Zuschauer die Handlung ohne Auflösung präsentiert bekam und anschließend im Internet sein kriminalistisches Gespür überprüfen konnte.

Ein ähnliches Projekt realisiert Wolfgang Konrad derzeit: Über die Fernbedienung kann das Publikum Einfluss auf die Handlung nehmen. „Interaktion kann stattfinden, sie muss aber nicht“, erklärte Konrad das Prinzip. So können die Couch-Potatos per Knopfdruck bequem Szenen in die Handlung einfügen, obwohl die Hauptstory bereits feststeht.

Die große Herausforderung hinter all den Ideen ist die Vereinfachung für die Fernbedienung. Nicht nur die Medienstudenten im Raum fragten sich, warum ein Fernsehgerät überhaupt noch einen Platz in der heimischen Wohnung verdient, wenn PCs und mobile Endgeräte die gleichen Funktionen und noch viele mehr leisten können. Auch die Referenten kennen fertige Entwicklungen, die letztendlich an ihrer eigenen Komplexität und Benutzerunfreundlichkeit scheiterten. Für sie liegt das Problem damit bei Kundenfreundlichkeit, Interesse und der Unfähigkeit komplexe Menüs auf die Fernbedienung herunterzubrechen. Einig sind sie sich jedoch, dass es in der Zukunft darauf ankommen wird, die Vorteile von TV und Internet zu verbinden, um ein interaktives Benutzermedium zu schaffen.

<h3>Stefan Kirsten</h3>

Stefan Kirsten