Liebe in ihrer ehrlichsten Form

von | 30. Dezember 2018

Jackson (Bradley Cooper) und Ally (Lady Gaga) sprechen mit ihrer Musik die selbe Sprache, Foto: © 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND METRO-GOLDWYN-MAYER PICTURES INC. ALL RIGHTS RESERVED

Aus alt mach neu – an diesem Leitsatz scheint sich der Film A Star Is Born zu orientieren. Die vorher bereits dreimal verfilmte Geschichte über den Aufstieg eines Stars, für den ein Anderer scheinbar fallen muss, bekommt durch Bradley Coopers Regiedebüt einen neuen Anstrich. Auch Lady Gaga bringt in ihrer ersten großen Schauspielrolle frischen Wind in die 1976 zuletzt erzählte Story. An ihrer Seite übernimmt Cooper zudem die männliche Hauptrolle und bringt zum ersten Mal sein Gesangstalent zum Ausdruck. Damit verpackt der Film drei Neuheiten in einer alten Hülle.

Was auf den ersten Blick aussieht wie die vorhersehbare Liebesgeschichte zweier Musiker, entpuppt sich unter Coopers Feder zum versteckten Diamanten. Der von Alkohol gezeichnete Rockstar Jackson Maine (Bradley Cooper) trifft in einer Bar auf die singende Kellnerin Ally (Lady Gaga). Die beiden verlieben sich. Der Rockstar verhilft ihr zu Bekanntheit und Erfolg, während er sich in Rausch und Krankheit immer weiter auf den Abgrund zubewegt. So weit, so unspektakulär. Was macht Coopers Inszenierung nun so viel mitreißender als seine Vorgänger aus den Jahren 1937, 1954 und 1976?

Ein Film, der hinter die Fassaden blickt

In erster Linie erzählt der Film, wie auch vorherige Versionen, vom Showbusiness. 1937 ging es noch um die große Schauspielkarriere, seit 1954 um Musik. Jack, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet, flüchtet sich in Sucht und Abhängigkeit, um dem Druck der Branche standzuhalten. Mit traurigem und ausgezehrten Blick portraitiert Cooper den Rockstar mit Bravour und zeigt gleichzeitig, was für ein bisher verstecktes Gesangstalent in ihm geschlummert hat.

Der erfolgreiche Karriereeinstieg der jungen Ally zeigt hingegen die vorerst positive Seite der Branche und steht im Kontrast zu Jacks Leidensweg. Auch als Ally sich durch ihren Manager dazu drängen lässt, zugunsten des Erfolgs ihre feinsinnige, akustische Singer-Songwriter-Musik gegen plumpe Pop-Songs einzutauschen, hätte der Film seine Erzählung über die Branche vertiefen können. Anstatt sie bei ihrer musikalischen Veränderung und einer möglichen Besinnung zurück zu ihren eigenen Vorlieben und Wurzeln zu begleiten, setzt der Film lieber auf seinen wahren Kern: Emotionen.

Kleine Gefühle ganz groß

Die Liebesgeschichte zwischen Ally und Jack steht klar im Mittelpunkt des Films und lässt ihn zu etwas Besonderem werden. Ally, die Jack anfangs noch aus seinem Teufelskreis zu befreien scheint, wird zum Dreh- und Angelpunkt im Leben des Rockstars. Nicht zuletzt gibt Gagas überraschende wie überwältigende schauspielerische Leistung der Romanze das gewisse Etwas. Sie zeigt sich in A Star Is Born ungewohnt natürlich und verletzlich. Sie schafft es, ohne viel Make-Up und überspitzte Inszenierung, ihre Rolle nuanciert und überzeugend auszuspielen. Gerade Allys ehrliche, verständnisvolle, so einfach aussehende Art, Jack zu lieben, ist besonders eindrucksvoll.

Mit Leichtigkeit hauchen die beiden Schauspieler dem Filmpaar Leben ein. Nur durch ihr müheloses Zusammenspiel können die Feinheiten der Charaktere voll ausgeschöpft werden. So ermöglicht Ally dem Zuschauer einen Einblick in Jacks verletzliche Seele und seine tiefe Begeisterung für die Musik, die sonst hinter einer Fassade bleibt. Wohingegen Jack es möglich macht, Ally nach anfänglichen Zweifeln völlig aufblühen zu sehen. Der Film erzählt keine klassische Klischee-Liebesgeschichte, die kaum richtig begonnen hat, bevor der Film auch schon vorbei ist. A Star Is Born handelt nicht nur vom Kennenlernen und der rosaroten Brille, sondern vom Leben und wie die Liebe trotz Schwierigkeiten bestehen bleiben kann.

Musikalische Leistung der Extraklasse

Da es sich neben der fulminanten Liebesgeschichte aber immer noch um einen Musikfilm handelt, kommt selbstverständlich auch der musikalische Teil nicht zu kurz. Mit einem klaren roten Faden kommentiert und unterstützt jeder Song die gezeigte Handlung des Films. Der Soundtrack wurde eigens von Gaga und Cooper gemeinsam mit anderen Künstlern für den Film geschrieben. Dieser Umstand ermöglicht es den Beiden, die herausragende gesangliche Leistung präsentieren, einen Hit nach dem anderen herauszuschmettern.

Damit hat der Film mindestens genauso viel Entertainment-Faktor wie Tiefgang. Er ist rundum ausgewogen: Vorhersehbar wie überraschend, tragisch wie romantisch. Themen wie Sucht, Zwiespalt und Depression werden gekonnt in die Liebesgeschichte eingewoben und erscheinen trotz abgehobener Showbusiness-Welt stets bodenständig und realistisch. Absolut einzigartig bleibt allerdings die Darstellung der ehrlichen, leichtfüßigen Liebesgeschichte, die im Kontrast zu den harten Themen steht. Der Zuschauer erlebt eine Beziehung, die mit viel Akzeptanz, Respekt und Unterstützung die Höhen und Tiefen einer Partnerschaft beleuchtet. Damit findet man in A Star Is Born keinen Standard-Kitschfilm, sondern ein wahrhaftig realistisches Bild davon, wie die Liebe sein sollte – bedingungslos.

Text: Lena von Heydebreck, Foto:  © 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND METRO-GOLDWYN-MAYER PICTURES INC. ALL RIGHTS RESERVED