Nicht tot zu kriegen

von | 30. Dezember 2018

Die Dinosaurier sorgen im zweiten Teil der Jurassic World-Reihe für ordentlich Action. Das Niveau des Debüts erreicht er aber nicht.  Foto: Universal Studios and Amblin Entertainment, Inc. and Legendary Pictures Productions, LLC.

Mit Jurassic World: Das gefallene Königreich nimmt Regisseur J.A. Bayona Dino-Liebhaber zum fünften Mal mit auf die Isla Nublar – und schlachtet den epochemachenden Klassiker damit immer weiter aus. Der Actionfilm zeigt auch, warum Hollywood lieber alten Stoff aufwärmt, als neuen Geschichten eine Chance zu geben.

Die Gegenwart lässt sich manchmal nicht ohne die Vergangenheit verstehen: Als die Dinosaurier in Jurassic Park 1993 erstmals die Leinwand eroberten, hatte Steven Spielberg einen Blockbuster erschaffen. T-Rex und Raptoren erwachten in einem bis hierhin unbekannten Realismus zum Leben, durch eine unbekannte Welt entspann sich eine facettenreiche Handlung, die auch vor moralischen Fragen nicht Halt machte: Darf der Mensch in die Evolution eingreifen, nur weil er es kann? Das Publikum staunte, die Kritiker lobten, die Kassen klingelten.

Wohltuende Abwechslung zu Marvels Superheldenflut

25 Jahre und vier Teile später funktioniert das Rezept für ein popcorngeschwängertes Dino-Abenteuer immer noch nach der gleichen Masche: Der Mensch – in diesem Fall mal wieder die mysteriöse Firma „InGen“ – lässt die Saurier immer noch nicht einfach Saurier sein, sondern pfuscht aus Geldgier im großen Plan des Lebens herum und rührt dabei Gen-Cocktails an, die Wissenschaftlern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Gewürzt wird das Ganze mit einem möglichst furchterregenden Fleischfresser (hier: dem „Indo-Raptor“) und einer aufgewärmten Liebesgeschichte. Dann noch mit einem skrupellosen Geschäftsmann und einem sadistischen Großwildjäger abschmecken und mit einem rebellischen Kind garnieren: Fertig ist Jurassic World 2.

Natürlich fehlt dem mittlerweile fünften Teil der Reihe mit dem Titel „Das verlorene Königreich“ der Charme und die Klasse des Debüts (sowie des unterschätzten zweiten Teils „Vergessene Welt“, zu dem dieser Film erstaunliche Parallelen aufweist). Aber zwischen all den superheldenverseuchten Pre- und Sequels, die vermutlich irgendwo in einem geheimen Marvel-Bunker zusammengeschustert werden und anschließend die Kinos fluten, wirkt Jurassic World: Das gefallene Königreich erstaunlich oldschool – ein klassischer Actionfilm, der sich nicht in Hintergründen, Details oder Charakterentwicklung verliert, sondern solide choreografierte Geradeaus-Unterhaltung liefert. Das reicht 2018, um in dieser Kategorie zu einem der besten Filme des Jahres zu zählen.

Dinos als animalische Waffen an den Meistbietenden verhökern

Die Handlung ist schnell erzählt, denn sie ist noch dünner (oder dümmer) als bei den Vorgängern: Ein Vulkanausbruch bedroht das Überleben der Dinos, die in den Überresten des neuen Parks „Jurassic World“ auf der Isla Nublar hausen. Per US-Senatsbeschluss sollen die Urzeitechsen nun gerettet werden. Ganz so, als hätte nie ein wütender T-Rex San Diego verwüstet. Dafür kommt die alte Band wieder zusammen: Raptor-Trainer Owen (herrlich stumpf: Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard), die frühere Leiterin des Parks, landen mit einem Team auf der Insel, um die Tiere ausfindig zu machen. Dann geht natürlich alles schief und ziemlich rasch flüchtet die ganze Expedition wieder vor Dinosauriern. Skrupellose Geschäftemacher wollen die Tiere aber gar nicht retten (gemein!), sondern die Dinos als animalische Waffen an die Meistbietenden verhökern.

Der Showdown zeigt dann, warum die „Jurassic“-Reihe bis heute nicht ausgestorben ist: Wohliger Nervenkitzel geht einher mit brachialer Ironie und voyeuristischer Lust an Tod und Verstümmelung durch bösartige Echsen. Das ist zwar nie so absurd wie bei Sharknado, versetzt aber im Jahr 2018 auch kaum noch jemanden in Ekstase. Der sechste Teil, Jurassic World 3, ist bereits angekündigt. Vielleicht dürfen die Dinos danach endlich in Ruhe aussterben.

Text: Janis Brinkmann, Foto: Universal Studios and Amblin Entertainment, Inc. and Legendary Pictures Productions, LLC.

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