Ready for take-off?

von | 9. Juni 2010

Seit zehn Jahren findet die "Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung" auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld statt. Eine informative Messe mit 100-jähriger Tradition – doch wie sieht die Zukunft der bemannten Raumfahrt aus?

Der Traum des Menschen ist es zu fliegen. Bereits Leonardo da Vinci, Genie des 15. und 16. Jahrhunderts, skizzierte Fluggeräte, die heutigen Hubschraubern in vieler Hinsicht ähnlich sind. Dem deutschen Ingenieur Otto Lilienthal gelang es 1891, erfolgreiche Flugversuche mit seinem eigens konzipierten Gleitflugzeug durchzuführen. „Pioniere“ der heutigen Luft- und Raumfahrt treffen sich alle zwei Jahre zur „Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung“ (ILA) in Berlin. Firmenvertreter sowie Experten für Verteidigung und Sicherheit tauschen neue Informationen aus. Doch vorerst ist die Zukunft der bemannten Raumfahrt mit dem Ende der Space Shuttle-Missionen der NASA unklar.

Am 14. Mai startete das Space Shuttle „Atlantis“ der NASA zu seiner vorerst letzten Mission zur ISS. Nach 25 Jahren im Einsatz mit rund 190 Millionen zurückgelegten Kilometern beendete die Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde der USA ihre traditionsreiche Shuttle-Mission. In dieser Zeit dockten 34 Raumschiffe und Mannschaften an der Internationalen Raumstation ISS an. Gegenüber medienMITTWEIDA erläutert Freya Scheffler-Kayser, ehemalige Koordinatorin des SATNAV Forums (Forum zur Satellitennavigation) der DLR, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, wie in Zukunft die Raumfahrt zur ISS gestaltet werden soll: „Der Personentransport wird mit russischen Soyuz-Raumschiffen vorgenommen. Die unbemannten Raumtransporter Progress (Russland), ATV (Europa) und HTV (Japan) versorgen die ISS mit Verbrauchsgütern, Astronautenbedarf, Treibstoff, Experimenten und Ersatzteilen.“ Das europäische ATV „Jules Verne“, Automated Transfer Vehicle, wird laut Dipl.-Ing. Volker Schmid, Raumfahrtingenieur der DLR und Projektleiter für ATV, bereits seit 2008 erfolgreich zur Versorgung der ISS eingesetzt. Weitere ATV’s befinden sich im Bau und werden bis 2015 zur ISS fliegen.

„Challenger“- und „Columbia“-Unglücke

Derzeit befinden sich noch erhebliche Vorräte und Ersatzteile für Reparaturarbeiten auf der ISS, die mit den bisherigen Space Shuttle-Flügen der NASA angelegt wurden. Die endgültige Einstellung der Shuttle-Flüge ist für November 2010 angesetzt – vorher sollen noch zwei große Bauteile zur ISS transportiert werden. Die Shuttle-Missionen vereinten zwei wichtige Aufgaben: den gleichzeitigen Transport von Mannschaften und Materialien zur ISS. Doch diese Besonderheit brachte im Laufe der Zeit ein erhöhtes Risiko mit sich. Durch die Unglücke der Raumfähren „Challenger“ 1986 und „Columbia“ 2003 befand sich die bemannte Space Shuttle-Mission der NASA in krisenreichen Zeiten. Beide Besatzungsmannschaften starben bei den Unglücken.

„Das System ist komplexer und damit risikobehafteter als ein Transportsystem. Beide Shuttle-Katastrophen haben zu einer umfangreichen technischen Überarbeitung des Shuttles und Verschärfung der Sicherheitsvorschriften und damit letztlich auch zu einer Kostenerhöhung beigetragen.“ In dem aktuellen Jahresbericht des „U.S. Human Space Flight Plans Committee“ bewertete der Ausschuss die Effizienz, Verlässlichkeit und Kosten der Space Shuttle-Missionen – letztendlich war die Frage nach der Finanzierung entscheidend für das Ende der Shuttle-Missionen bei der NASA.

Künftige amerikanische Raumfahrtsysteme werden voraussichtlich die Trennung von Mannschafts- und Lastentransporten sowie eine absprengbare Kapsel für die Crew vorsehen. „Nicht zuletzt muss man auch sehen, dass die Shuttle-Entwicklung auf die 70er Jahre zurückgeht und das System trotz vieler technischer Detailverbesserungen nicht mehr den heutigen Anforderungen und Möglichkeiten entspricht,“ erklärt Scheffler-Kayser. Während des Kalten Krieges kannte der Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion keine finanzielle Begrenzung, die Raumfahrt war vor allem politisch bestimmt, die Finanzierung war also gesichert – somit waren extrem schnelle Fortschritte möglich. Die USA waren als erste Nation der Welt auf dem Mond und stiegen damit endgültig zur „Weltraumnation“ auf. „Raumfahrt ist heute von weltweiter Kooperation geprägt und leistet damit auch einen wesentlichen und wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung“, weiß Scheffler-Kayser. Derzeit sind neben Amerika und Russland auch zehn Mitgliedsstaaten der ESA, Japan und Kanada an der ISS beteiligt.

Deutsche Beteiligung an Mars-Missionen

Während der ILA 2010 sind als Teil der Ausstellung im Bereich der Raumfahrt auch die Europäische Weltraumorganisation ESA und das DLR vertreten. Beide Organisationen sind aktiv an der Entwicklung der Luft- und Raumfahrt in Deutschland und Europa beteiligt. Das gemeinschaftliche Weltraumprogramm ESA wird hauptsächlich von 18 europäischen Nationen finanziert und konzipiert. Neue Projekte zur Erforschung des Sonnensystems, der Erde und Entwicklung von Satellitentechnologien stehen im Vordergrund. Die Beteiligung Europas und Deutschlands an künftigen Weltraummissionen wird sich verstärken.

„Im Bereich der Exploration sind hier primär ein europäisches Mars-Programm (ExoMars) mit einer deutschen Beteiligung in Höhe von circa 10 Prozent zu nennen“, weiß Schmid. Bis spätestens 2018 ist eine europäische Mondlandemission geplant, deren Durchführungsmöglichkeit derzeit untersucht würde. Außerdem sei Deutschland als derzeitiger Systemführer am ARV-Programm der ESA beteiligt: Ein ARV (Advanced Re-Entry Vehicle) kann im Gegensatz zu einem ATV auch Materialien von der ISS zurücktransportieren und ist somit kosteneffizienter. Durch das Ende der Space Shuttle-Missionen wird die Beteiligung europäischer Gemeinschaftsprojekte in Zukunft immer mehr Bedeutung haben.

<h3>Pia Hanke</h3>

Pia Hanke