Dossier zum Thema Social Media
Autor:innen:
Loreen Pohl
Alexander Kalin
Felix Zahm
Viele Menschen empfinden die Digitalisierung mit ihren Anwendungen in verschiedenen Bereichen wie online Banking, soziale Medien oder Berufsalltag als anstrengend. Auch wenn sie uns in vielen Dingen hilft und unser Leben bereichert, greifen immer mehr Menschen zu einer Methode, die sich „Digital Detox“ nennt. Wie genau diese Methode funktioniert und was sie bewirken kann, erklärt dieser Beitrag.
Konzentrations- und Schlafstörungen sind seit einiger Zeit wissenschaftlich belegte Nebenwirkungen von der häufigen Nutzung digitaler Geräte. Außerdem können diese schnell ablenken, da sie verschiedene Funktionen haben, die mal unterhaltend, mal nützlich, aber auch oft stressfördernd sein können. Denn ständig erreichbar zu sein und immer den neuesten Stand zu kennen, ist seit der aktiven Nutzung von Smartphones die wahrgenommene Voraussetzung in unserer Gesellschaft.
Ablauf von „Digital Detox“
Wer sich bewusst von der medialen Unterhaltung abwenden möchte, schaltet meistens zunächst sein Smartphone aus ─ das Gerät, welches mittlerweile zu einem Teil des Alltags zählt. Auch das Internet ist ein ständiger Begleiter und Helfer. In Deutschland nutzen rund 97% der Menschen das Internet. Auch soziale Netzwerke werden in Deutschland von rund 59% der Menschen genutzt. Durch die Abschaltung des Smartphones wird man weder von ständigen Anrufen oder Nachrichten dazu gezwungen, auf sein Smartphone zu schauen, noch hat man die Möglichkeit, mehrere Stunden in den sozialen Medien zu verbringen oder Spiele auf dem Smartphone zu spielen.
Manchen Menschen reicht schon der Abstand zum eigenen Smartphone, andere wiederum verzichten auch auf die Nutzung von PC’s oder Fernsehern. Hierbei steht dann nicht nur das Vermeiden der dauerhaften Nutzung des Smartphones im Fokus, sondern ein vollständiger Verzicht auf digitale Geräte. Denn auch die Nutzung von Laptops ist durch eine daraus resultierende Fehlhaltung des Oberkörpers eine häufige Ursache für Nacken- und Rückenverspannungen.
Medizinische Hintergründe von „Digital Detox“
Teilweise wird dieser Verzicht oder auch die seltenere Benutzung von digitalen Geräten sogar von Ärzten empfohlen.„Digital Detox“ ist also nicht nur ein Trend, sondern wird auch zur Vorbeugung von realen Problemen wie Kopfschmerzen oder Migräne geraten. Außerdem sollen Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen durch einen solchen Entzug von den digitalen Geräten verbessert werden können. So wären Patienten, die beispielsweise an chronischen Kopf- oder Nackenschmerzen leiden, im Idealfall nicht mehr auf eine dauerhafte Medikamenteneinnahme angewiesen.
Schmerzmittel als ständiger Begleiter, Foto: Loreen Pohl
Unser Gehirn ist auf Ruhephasen angewiesen, welche durch die Bildschirmnutzung gestört werden. Diese Pausen sind wichtig, da sie dem Gehirn ermöglichen, wichtige Informationen zu verarbeiten und zu speichern und unnütze Informationen zu löschen. Werden diese gestört, kann es zu besagten Schlaf- und Konzentrationsstörungen kommen.
Ständige Erreichbarkeit
Durch digitale Geräte ist man ortsunabhängig und erreichbar für jeden. Dementsprechend wird man nicht nur privat schnell erreicht, sondern auch beruflich. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen und Themen aus der Arbeit können leichter auch in der Freizeit bearbeitet werden. Die Folge daraus ist weniger Ruhe ─ sowohl für den Körper, als auch für den Geist. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und ein erhöhtes Risiko für ein Burnout sind weitere Gefahren von dieser ständigen Erreichbarkeit. Auch aus diesen Gründen heraus empfehlen Experten „Digital Detox“ – zumindest in der Freizeit.
Probleme bei der Durchführung
„Digital Detox“ kann also hilfreich sein, um verschiedene Probleme zu lösen und vorzubeugen. Jedoch ist die Durchführung nicht immer leicht, da man in unserer Gesellschaft teilweise sehr auf die Nutzung digitaler Geräte angewiesen ist. Katrin R., eine Verfechterin der „Digital Detox“-Methode führt mindestens einmal im Jahr selber einen „Digital Detox“ durch. Sie berichtet in einem persönlichen Interview mit medienMITTWEIDA, dass der Grund dafür sei, dass sie sich selbst nicht von einem Smartphone abhängig machen möchte und die weihnachtlichen Festtage lieber vollständig mit ihrer Familie genießen wolle. „Ich würde einen ‚Digital Detox‘ gerne öfter durchführen, doch leider ist mir das durch meine Arbeit nicht möglich. Außerdem möchte ich erreichbar sein, falls mich meine Kinder oder mein Mann erreichen müssen“, sagt sie. Wer einen Verzicht auf digitale Endgeräte durchführen möchte, muss sich also vorher genau überlegen, auf welche Geräte er verzichtet und wann er diesen „Digital Detox“ macht. Denn oft gehören die digitalen Geräte bereits sowohl zum privaten, als auch zum beruflichen Alltag.
Ausblick
Am Ende zeigt sich: Ein „Digital Detox“ ist kein kompletter Abschied von der digitalen Welt, sondern ein bewusster Umgang mit ihr. Der zeitweise Verzicht auf Smartphone und Co. kann helfen, Stress zu reduzieren, die Konzentration zu verbessern und dem eigenen Körper sowie Geist notwendigen Ruhephasen zurückzugeben. Gerade in einer Gesellschaft, in der ständige Erreichbarkeit als selbstverständlich gilt, wird das Abschalten zu einer wichtigen Form der Selbstfürsorge. In Zukunft soll es deshalb weniger darum gehen, digitale Geräte vollständig zu meiden, sondern klare Grenzen im Alltag zu setzen. Bewusste Offline-Zeiten, feste Ruhephasen und ein reflektierter Medienkonsum könnten dabei helfen, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, ohne die eigene Gesundheit aus dem Blick zu verlieren.
Dossier im Überblick
Social Media
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Text, Titelbild, Foto: Loreen Pohl


