Seit Montag läuft die „Rundshow“ auf dem „Bayerischen Rundfunk“. Das Format von Blogger und TV-Journalist Richard Gutjahr versucht die Verschmelzung von sozialen Netzwerken und Fernsehen, sprich „Social TV“. Dafür können die Zuschauer zum Beispiel mit der App „Die Macht“ direkten Einfluss auf die Sendung nehmen. Via „Google Hangout“ werden Gäste direkt in das Gespräch im Studio eingebunden. „Momentan dominiert die Frage ‚Was ist möglich?‘. In zwei, drei Jahren wird die Frage ‚Was ist sinnvoll?‘ lauten“, sagt Hannes Mehring, Gründer der Medienagentur „frischr“.

TV-Sender sind erst am Anfang

2012 sei das Jahr des Experimentierens. Darüber sind sich Hannes Mehring und der freie Social Media-Experte Heiko Ditges einig. „Wir stehen am Anfang – und es ist verdammt spannend“, erklärt Ditges. Das mögliche Potential werde jedoch noch nicht ausgeschöpft.

Dabei gibt es bereits einige Beispiele für eine erfolgreiche Verknüpfung von Fernsehen und Social Media. Ein Schritt in die richtige Richtung sei zum Beispiel dem „Tatort“ vom 13. Mai mit dem Titel „Der Wald steht schwarz und schweiget“ gelungen: Hier wurde der Täter nicht direkt von den Ermittlern gestellt, sondern online von „Facebook“- und „Twitter“-Nutzern. Insgesamt nahmen 8o.000 Hobby-Kriminalisten an der Mörderjagd teil.

Auch das Vorabendformat „Berlin – Tag & Nacht“ verdanke seinen Erfolg dem strategischen Einsatz von sozialen Netzwerken. Die „Facebook“-Profilseite ist Bestandteil der Geschichte. „Die Macher haben die Fanbase von Anfang an dort abgeholt, wo sie sich derzeit befindet“, erläutert Ditges. Zahlen belegen das: Während die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ mit circa 840.000 „Facebook“-Fans nur Inhalte von der offiziellen Website teilt, hat die Pseudo-Doku-Soap „Berlin – Tag & Nacht“ mit ihrer konsequenten Social Media-Ausrichtung dagegen mehr als 1.700.000 Fans vorzuweisen.

Nächster Schritt: Einnahmen durch Applikationen

Doch „Likes“ sind noch lange nicht gleichbedeutend mit Einschaltquoten oder sogar Umsätzen. Social Media-Berater Heiko Ditges sieht dafür eine lukrative Geldquelle im App-Geschäft. Die Anwendungen könnten beispielsweise der Vermarktung von Songs oder Kleidung dienen. Möglichkeiten gäbe es, so Ditges, genügend: „Aber man muss abwiegen zwischen Kommerzialisierung und Zuschauerüberreizung.“

Noch sei es eine Herausforderung, die parallel stattfindende Nutzung von TV und sozialen Netzwerken konsequent und einheitlich zu bündeln. „Hier sehe ich in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren noch großes Potential“, sagt Ditges.