Teurer Traumberuf Schriftsteller

von | 27. Januar 2011

Die Diskussion um das umstrittene Geschäftsmodell der Druckkostenzuschussverlage ist seit über einem Jahr praktisch verstummt. medienMITTWEIDA zeigt: Es ist zu Unrecht still geworden um die schwarzen Schafe der Buchbranche.

„Ein Druckkostenzuschussverlag ist für mich kein Verlag, weil die wesentliche Funktion eines Verlages, nämlich die Vermarktung, nicht im Geschäftsmodell enthalten ist“, sagt Oliver Gorus, Literaturagent aus Moos. Zwar versprechen einige dieser Unternehmen Werbemaßnahmen, welche Anstrengungen aber tatsächlich unternommen werden ist unklar. Das Thema hat es vor einigen Jahren bis ins Programm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender geschafft, mittlerweile kümmert sich beinahe niemand mehr darum. Dabei arbeiten die Druckkostenzuschussverlage weiter und im Netz starten neue unseriöse Plattformen. „Die Leute glauben, sie haben ein Buch, aber eigentlich ist das kein Buch, sondern sie haben einfach irgendetwas gedruckt.“

Um den Traum vom eigenen Buch zu realisieren, investieren die Jungautoren meist vierstellige Beträge. Die Startauflage des Debütwerkes liegt danach meist in einem Lagerhaus. Von Erfolg gekrönt sind etwaige Marketing-Maßnahmen also nicht: Bislang ist kein Händler bekannt, der Werke eines Pseudoverlages in die Auslage nimmt. Dass die Dienstleisterverlage ihren Büchern eine ISBN-Nummer aufdrucken, die Bücher eindeutig identifizierbar macht und somit deren Kauf erleichtert, sei da nur Augenwischerei. „Wenn ein Druckkostenzuschussverlag ganz offen sagen würde, was er da tut und sich am besten auch nicht Verlag nennt, finde ich das Geschäftsmodell völlig legitim“, erläutert Gorus. Mitleid mit den getäuschten Autoren hält der Fachmann für fehl am Platz. Schließlich wisse jeder, dass diesen Firmen nicht ernsthaft etwas an Büchern gelegen sei. Ohnehin hat der ehemalige Buchhändler noch nie mit diesen umstrittenen Häusern zu tun gehabt – weder als Autor, Ghostwriter, Agent oder Lektor. „Das ist für mich gar nicht Teil des Buchmarktes.

„Ich wollte nicht berühmt oder superreich werden“

Mitleid möchte Anke Späth auch nicht. Auch wenn sie in einem Dienstleisterverlag veröffentlicht hat. Sie wird es wieder tun, die Fortsetzungen für Kinderbuch und Lyrikband befinden sich bereits in ihrer „Literaturschublade“. Sie spricht oft über diesen Ort, wo ihre fertigen Texte später Platz finden. Hereingefallen ist die Lehrerin auf ihren Druckdienstleister nicht, sie hat sich nach intensiver Recherche für ihn entschieden. Das war an dem Tag, als ihre Literaturschublade das erste Mal voll war und sie zur Leipziger Buchmesse fuhr, um sich einen Verlag zu suchen. Sie hat sich ausgerechnet, dass sie mit ihren Buchprojekten nicht in die schwarzen Zahlen kommen wird. Nicht einmal der Verkauf der Startauflage von jeweils 1.000 Stück hätte dafür gereicht. Nach über zwei Jahren hat sie durch viel Engagement und einige Lesungen immerhin eine dreistellige Anzahl an Büchern abgesetzt. Das Leserfeedback sei durchgängig positiv. „Wenn andere von einem BMW träumen, sind sie auch der Meinung, sie bezahlen dort mehr Geld, das ist aber der Traum von jemand anderem.“

Ihrer Meinung nach könnte sie ihr Dienstleister, auch wenn vertraglich anders geregelt, mehr beim Vertrieb unterstützen. Sie könne zwar nicht überschauen, wie viele unbekannte Autoren ihr „Verlag“ habe und wie viel dort zur Förderung der Schreiber getan wird. Doch ist er „nicht zu aktiv, dass er jeden Monat Kontakt zu mir hält und sagt, das und das könnten wir machen.“ Wie das bei normalen Verlagen ist, weiß sie nicht. Die Chance bestehe jedoch, dass sie das eines Tages herausfinde, das haben ihr die Mitarbeiter ihres jetzigen Dienstleisters zumindest erzählt. Denn durch ihr selbst „bezuschusstes“ Buch könne sie von richtigen Verlagen entdeckt oder in deren Programm aufgenommen werden. Dass dies jedoch höchst unwahrscheinlich ist, sagt Literaturagent Oliver Gorus, dessen Buch „Erfolgreich als Sachbuchautor“ gerade nachgedruckt wird. Er würde einem Verlag „niemals etwas anbieten, dass schon einmal bei einem Druckdienstleister lag.“

Problematik ist trotzdem aktuell

Die Thematik ist bis auf einige ältere Foreneinträge aus der Öffentlichkeit verschwunden. Die letzte Pressemitteilung des Aktionsbündnis für faire Verlage stammt vom 23.April 2009. Zu Unrecht, wie die Recherche von medienMITTWEIDA zeigt: Denn im Netz sprießen langsam wieder unseriöse Angebote. Mit Hilfe von autoren-service.com sollen beispielsweise potentielle Autoren im getarnten Eigenverlag publizieren. Eintrittskarte in die Welt der Literaturschaffenden sind hier vermeintliche „Verlagsanteile“ oder „Kostenpauschalen“. Doch Vorsicht: „Das ist ein ganz klares, etwas umstrukturiertes Zuschussmodell“, warnt Fachmann Gorus. Anke Späth scheint währenddessen nicht mehr daran zu glauben, dass ihre Initiative eines Tages mit einem Vertrag bei einem etablierten Verlag endet: „Ich denke, der Traum im Zusammenhang mit Lyrik ist nicht realistisch.“

<h3>Marcel Fröbe</h3>

Marcel Fröbe