Wahrheit oder Fake?

Sie lauern nicht nur auf Social-Media-Feeds und in den Untiefen des Internets sondern sogar in etablierten Nachrichtenmagazinen: Fake-News. Welchen Medien kann man da noch vertrauen? Und vor allem: Wer sieht in diesem Informations-Chaos noch durch?

Nicht nur die Mediennutzung, sondern auch die Art der medialen Berichterstattung haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Darling, we need to talk“ beim Medienforum 2017 einig. Vor allem junge Menschen informieren sich heutzutage viel über Social Media und bestimmen somit selbst, welche Inhalte sie sehen möchten. Diese Informationen stammen zu einem großen Teil nicht mehr aus den klassischen Medien, sondern kommen auch von Parteien, Vereinen und Verbänden selbst.

 

Ohne Frage hat Social Media viele Vorteile für die Konsumenten: Informationen verbreiten sich schneller, jeder kann seine Meinung zu einem Thema äußern und man muss noch nicht einmal für die Angebote zahlen. Doch spätestens seit dem US-Wahlkampf im letzten Jahr dürfte klar geworden sein, dass all diese Vorteile auch schnell zu Nachteilen werden können und sogar Wahlen beeinflussen können. Laut Recherchen des Internet-Magazins BuzzFeed erzielten unmittelbar vor der Wahl erfundene Nachrichten von der Fake-News-Website „Ending the Fed“ eine höhere Reichweite als die ihrer seriösen Konkurrenten.

 

Gerade deswegen ist die Rolle der klassischen Medien auch in dieser Zeit immer noch unverzichtbar. Sie ordnen nicht nur Informationen in den richtigen Zusammenhang oder wählen die für ihre Zielgruppe relevanten Beiträge aus, sondern sind auch maßgeblich an der Verifizierung von Nachrichten beteiligt. Doch wie steht es eigentlich um das Medienvertrauen in Deutschland und wer macht sich überhaupt noch die Mühe, Nachrichten aus dem Internet zu überprüfen?

Umgang mit Fake-News ist altersabhängig

Zum Thema Fake-News gab es in letzter Zeit einige Untersuchungen. Im Mai 2017 veröffentlichte die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen eine Studie zur Wahrnehmung von Fake-News, für die über 1.000 Deutsche über 14 Jahren online befragt wurden. Dieser Studie zufolge sind schon über die Hälfte der Leute schon einmal mit Fake-News in Berührung gekommen. Besonders junge Männer unter 45 bemerkten diese besonders häufig. Nur 16 Prozent gaben an, noch nie über eine vermutliche Falschnachricht gestolpert zu sein.

 

Doch wie entlarven die Deutschen eigentlich solche Nachrichten? Fast die Hälfte der Befragten wurde über die klassischen Medien darüber aufgeklärt. Erstaunlicherweise wurden aber fast genauso viele über eigene Recherche der Sachverhalte auf die Fake-News aufmerksam. Weniger Nutzer informierten sich dagegen untereinander oder überprüften die Bilder, das Impressum oder die Autoren der Nachrichtenseiten. Insgesamt betrieben hier die jüngeren Nutzer mehr Aufwand, um die Richtigkeit der Inhalte sicherzustellen. Sie unternahmen öfter aktive Schritte, um die Nachrichten zu verifizieren.

Diese Grafik zeigt, wie Nutzer im Allgemeinen auf Fake-News im Internet aufmerksam werden. (Angaben in Prozent)

Vertrauen in die Medien auf hohem Niveau

Auch vor dem Hintergrund der Lügenpresse-Debatte, die in den letzten Jahren aufkam, stellt sich die Frage, wie hoch das Vertrauen in die Medien überhaupt noch ist. Hiermit haben sich im letzten Jahr Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Gedanken gemacht. Sie untersuchten in einer Telefonumfrage mit 1.200 Teilnehmern die Erosion des Vertrauens zwischen Medien und Publikum. Dabei wurde herausgefunden, dass eine Mehrheit der Bevölkerung immer noch an die Gewissenhaftigkeit der klassischen Medien glaubt. Vor allem den öffentlich-rechtliche Rundfunk und Tageszeitungen hielten über zwei Drittel der Befragten für sehr glaubwürdig. Angezweifelt wurde dagegen die Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Internet.

Interessant ist hier auch die Entwicklung, die mit der Zeit stattgefunden hat: Gaben in Untersuchungen im Jahr 2008 nur acht Prozent der Befragten an, dass man den Medien eher oder gar nicht vertrauen könne, so waren es 2016 mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig nahm aber auch die Zahl derer zu, die die Medien für besonders glaubwürdig hielten. Hier stieg die Zahl von 29 auf 41 Prozent an.

Bei einer Untersuchung der Mediennutzung fanden die Forscher allerdings heraus, dass die Nutzung etablierter Medien unter den Jüngeren abnimmt. Bei der Nutzung im Internet waren aber trotzdem vor allem Portale dieser Medien eine der häufigsten Informationsquellen. Nur die Angebote von Suchmaschinen und Social Media waren etwas beliebter.

Die Studie der Uni Mainz untersuchte unter anderem die Glaubwürdigkeit von verschiedenen Mediengattungen. (Angaben in Prozent)

Viele Nutzer hinterfragen die mediale Berichterstattung

Auch Kritik an den Medien untersuchte die Studie der Uni Mainz. Eine wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchungen war, dass sowohl empirisch gestützte als auch nicht gestützte Medienkritik Anklang finden. So stimmten zum Beispiel 87 Prozent der Aussage zu, dass Medien gerne Experten zitierten, die zu ihrer Berichterstattung passt. Nur etwas weniger Zustimmung fand die korrespondierende nicht-gestützte Aussage, dass Medien Meinungen, die sie selbst für unerwünscht halten, in ihrer Berichterstattung komplett auslassen. Anhand dessen wird deutlich, dass sich viele Mediennutzer kritisch mit der Berichterstattung auseinandersetzen und die Inhalte in den Medien hinterfragen.

Auch einer besonders starken Form der Medienkritik, die Zustimmung zu Verschwörungstheorien, wurde nachgegangen. Diese wurden von eher wenigen Leuten unterstützt, tendenziell aber eher von Frauen als von Männern und von Menschen mit geringeren Bildungsabschlüssen, während Akademiker quasi „immun“ dagegen waren. Ein sehr geringes Medienvertrauen hatten oft ältere Ostdeutsche, die auch das Vertrauen in die Volksparteien verloren haben und einen eher geringen sozioökonomischen Status in der Gesellschaft hatten. Auch geringerer formaler Bildungsgrad begünstigte den Hang zu nicht gestützter Medienkritik und Verschwörungstheorien.

Unterschiede in der Bevölkerung erkennbar

Insgesamt lässt sich also sagen, dass viele Menschen verantwortungsvoll mit den Inhalten der klassischen Medien umgehen. Ihr Stellenwert in der Gesellschaft ist, insbesondere auch im Hinblick auf die Problematik der Fake-News, unverändert hoch. Trotzdem gibt es bestimmte Bevölkerungsgruppen, die sich der Brisanz des Themas Medienkompetenz bewusster sind als andere.

Wer sich den Funktionen der Medien besonders bewusst ist, lässt sich durch eine Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) gut illustrieren. Diese fand im Rahmen einer Online-Befragung im Frühjahr 2017 heraus, dass sich zwar 90 Prozent der Befragten Verstärkungen in den Redaktionen wünschten, um Fake-News besser zu erkennen, sich aber nur ein Viertel vorstellen könne, dafür auch mehr zu zahlen. Die Zahlungsbereitschaft nahm dabei zu, je höher der Bildungsabschluss der Befragten war. Die Untersuchungen zur Medienkritik der Uni Mainz erzielten ja ein ähnliches Ergebnis, nur eben im Hinblick auf einen anderen Aspekt der Thematik.

Die Studie von PwC fragte die Teilnehmer unter anderem, ob sie sich personelle Verstärkungen in den Redaktionen wünschen, damit Fake-News zuverlässiger erkannt werden können. (Angaben in Prozent)

Und zum Schluss noch etwas Utopie: Sabine Friedel ließ in der Diskussion beim Medienforum anklingen, dass Filterblasen oder Fake-News in einigen Jahren gar kein Thema mehr sein sollten. Das würden wir uns für die Zukunft auch wünschen.

Ein Beitrag von Lisa Marie Pigulla