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Serienformate sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Netflix, Amazon Prime, Maxdome und viele andere Streamingdienste erfreuen sich von Jahr zu Jahr an immer mehr Beliebtheit. Ein Ende des Serien-Booms ist nicht abzusehen, im Gegenteil, der Markt scheint derzeit unersättlich. Doch wer steht hinter dem Ganzen? Wie entstehen die Serien und was steckt dahinter? Mit Bob Konrad und Josef Ballerstaller waren zwei Größen der deutschen Drehbuchautoren zu Gast beim Medienforum 2017 in Mittweida und gaben einen exklusiven Einblick in die Aufgaben eines Drehbuchautors und gingen dabei auch auf den Wandel des Serienformats in Deutschland ein.

Oftmals werden deutsche Serienformate kritisiert. Sie würden nix taugen, leiden unter Logiklöchern und könnten Serienformaten aus den USA und Großbritannien nicht ansatzweise das Wasser reichen. Doch was sagen die Größen der deutschen Drehbuchautoren dazu? Bob Konrad gibt den Kritikern zumindest in einem Punkt recht, nämlich in dem, dass Deutschland noch viel aufzuholen hat im Bereich der Serien. Ende der 90er Jahre begann das sogenannte „Golden Age of Television“. Sender wie HBO und AMC entdeckten damals die Niesche Serienformate auf dem Markt und begannen eigene Serien zu produzieren. Erst nach und nach schwappte das „Golden Age of Television“ dann nach Europa und erreichte als erstes Dänemark und Großbritannien, wo Serien wie „Luther“ oder „Sherlock“ entstanden.

In Deutschland dauerte es ziemlich lang bis sich die Serienformate auf dem Markt etablierten. Erst mit dem Vormarsch der Streamingdienste wie Netflix und Co. kam der Serienhype auch zu uns. Doch warum erst so spät? Konrad begründet diese späte Entwicklung zum einen mit der Einstellung der Verbraucher, welche oftmals Serien sehen wollen in welchen sie beliebig einsteigen können, egal in welcher Staffel oder Episode. Des Weiteren haben auch die Sender in Deutschland einen großen Anteil daran. Denn vergleicht man die Aufteilung des Budgets für die Produktion einer Serie, so gibt es immer noch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. Werden in den USA zum Beispiel ca. 10 Prozent des Budgets in die Entwicklung einer neuen Serie gesteckt, so sind es in Deutschland lediglich 2-3 Prozent. Davon abgesehen, dass Sender aus Amerika generell mehr Budget für die Produktion von Serienformaten zur Verfügung stellen. Doch Konrad sieht in Deutschland eine positive Entwicklung und ist guter Dinge, dass wir in den nächsten Jahren auch hier eine Revolution in Sachen Serienformat erleben werden. Mit der Serie „Babylon Berlin“ wurde zuletzt die teuerste deutsche Serie aller Zeiten produziert und der Erfolg dieser spricht auch für die Entwicklung in Deutschland, so Konrad.

Doch wie sieht die Arbeit eines Drehbuchautors überhaupt aus? Josef Ballerstaller hat uns hier einen genaueren Einblick in die Arbeitsabläufe gegeben und die Aufgaben der Autoren genauer beschrieben.

Der Writersroom – einer der wichtigsten Orte für Autoren

Der wichtigste Ort für Drehbuchautoren ist der sogenannte „Writersroom“. Dort treffen sich die Autoren und Beteiligten einer Serie. Je nach Format der Serie laufen solche Meetings auf unterschiedliche Art und Weise ab. Handelt es sich Beispielsweise um eine Daily-Soap, so wird Montags besprochen was über die gesamte Woche im Groben passieren soll. Ist der Rahmenplan fertig, werden die Handlungen in sogenannte „Plots“ verteilt. Der A-Plot ist dabei die Haupthandlung, Nebenhandlungen werden dann in B-, C- und weiteren Plots eingeteilt. Die einzelnen Plots werden konkretisiert und danach geht es in die einzelnen Tage der Woche. Dies nimmt alles bis Donnerstag Zeit in Anspruch. Am Donnerstag ist der sogenannte „Erzähltag“, an welchem alles durchgegangen wird. Am Freitag schreibt jeder Autor seine Storyline auf, bevor diese dann nach mehreren Überarbeitungen und Korrekturen zur Regie und zum Dreh gehen.

Natürlich ist der Ablauf von Serie zu Serie unterschiedlich. Die Produktion einer neuen Serie beginnt entweder durch einen Auftrag bzw. einer Anfrage oder einer eigene Idee. Diese wird dann in einem kleinen Team ausgereift. In dieser Phase sind vor allem Fragen wie: „Für wie viele Folgen/Staffeln soll der Inhalt der Serie ausreichen?“, „Wen soll die Serie ansprechen?“, „Wo soll die Serie hinführen?“.

Doch da, wie vorhin schon erwähnt, lediglich 2-3 Prozent des Budgets für die Entwicklung einer Serie und die Handlung eingesetzt werden, sind die Drehbuchautoren in Deutschland oftmals dazu verdammt, mehrere Projekte gleichzeitig zu stemmen um sich über Wasser halten zu können, was manchmal auch auf die Qualität deutscher Serien Auswirkungen hat, so Konrad.

Sender wie BBC aus Großbritannien geben beispielsweise Aufträge mit hohem Budget an Drehbuchautoren, mit der Vorgabe innovativ zu sein. In Deutschland ist man zwar auf dem richtigen Weg, jedoch ist das Hauptaugenmerk hier zu Lande immer noch sehr oft auf die Quote bezogen, was für die innovativen Produktionen nicht förderlich ist.

In der abschließenden Question and Answer (Q&A) stellten sich Konrad und Ballerstaller den Fragen der interessierten Zuschauer. Zusammenfassend waren beide der Meinung, dass die Entwicklung der deutschen Serienformate in die richtige Richtung gehen und sich auf einem guten Weg befinden.

„Ein Drehbuchautor muss innovativ und mutig sein.“

Zum Abschluss wandte sich Ballerstaller mit ein paar motivierenden Worten an alle begeisterten Nachwuchs-Drehbuchautoren oder die, die es noch werden wollen. Innovativ und Mutig, zwei Eigenschaften welche für gute Autoren stehen. Außerdem sei es wichtig für die eigenen Werte einzustehen und immer offen für Neues zu sein.

Nach zwei spannenden Vorträgen und der anschließenden Q&A Runde fand Ballerstaller mit diesen Worten ein schönes Ende. Beide Autoren gaben einen spannenden Einblick in ihre eigenen Karrieren, sowie die generelle Arbeit der Drehbuchautoren. Ein rundum gelungener Vortrag.

Ihr wollt euch die Q&A Runde nochmals im Detail ansehen? Dann klickt einfach auf das folgende Video.

Bob Konrad

Bob Konrad wurde 1968 in Heidelberg geboren und ist derzeit Produzent bei der Raumstation GbR. Nach seinem Studium an der UdK Berlin begann 1993 seine Karriere mit dem verfassen und realisieren von Hörspielen für Öffentlich-Rechtliche Sendeanstalten. Außerdem produzierte er über viele Jahre Hörfunkcomedy. Im Jahre 2000 fand er dann seinen Weg zum Fernsehen. Nach der Zeichentrickserie „Tim Tahler“ folgte sein erster Kinofilm „Besser als Schule“. Seither arbeitet der Heidelberger Schwerpunktmäßig als Drehbuchautor. Seine beiden letzten Werke kommen aus dem Jahre 2016. Mit der Sechsteiligen Miniserie „You Are Wanted“ auf Amazon Prime, und der Serie „Vier Blocks“ auf TNT feierte Bob Konrad große Erfolge.
Neben der Tätigkeit als Drehbuchautor schreibt Bob Konrad leidenschaftlich gern Kinderbücher. Mit dem Werk „Fanta Lemonski-Die Sache mit dem Zombie-Pony“ veröffentlichte der Heidelberger Anfang 2016 sein bislang zweites Kinderbuch.

Josef Ballerstaller

Josef Ballerstaller ist 68 Jahre alt und mittlerweile eine lebende Legende der deutschen TV-Comedy. Sein Weg in die TV-Produktion ging über Umwege. Nachdem er drei Jahre Schauspiel studiert hatte, verfolgte er noch ein Germanistik- und Philosophie Studium, bevor er durch seine spätere Anstellung beim Bayrischen Rundfunk lernte was Textarbeit bedeutete und Ballerstaller dort seine erste serielle Produktion startete. Als der Sender Sat. 1 entstand, wurde Herr Ballerstaller von diesen angeworben und seine Karriere ging steil Bergauf.
Neben Sendungen wie der „Wochenshow“, der „Harald Schmidt Show“, „Ladykracher“ oder „Genial daneben“ war er zuletzt an der sehr erfolgreichen Serie „Pastewka“ beteiligt und prägte die deutsche TV-Comedy wie kaum ein anderer Autor und Produzent. Mehrfach Preisgekrönt für seine Redakteurslaufbahn ist Herr Ballerstaller eine nicht wegzudenkende Größe der deutschen Comedy-TV Produktion.