Autor: Laura Berghold

Yussi Pick - Über Wahlkampftrends & Polit-PR

Yussi Pick ist Online-Campaigner, Communication Strategist, Blogger, Lehrer und obendrein TV-Show-Experte. Im Interview mit medienMITTWEIDA spricht der breit aufgestellte Medienprofi über die Obsession mit Fan- und Followerzahlen, „Negative Campaigning“ und die bedenkliche Entwicklung der Medienhäuser. Yussi Pick kennt sich auch mit dem US-amerikanischen Wahlkampf aus. 2010 war er beispielsweise „Online Communications Director“ bei „Ariana Kelly for Delegate„. So weiß er, welche der dortigen Wahlkampftrends aktuell nach Deutschland übergeschwappt und wie diese zu bewerten sind. Pick ist geschäftsführender Partner im eigenen Unternehmen „Pick & Barth Digital Strategies“, einer Agentur für Kommunikations-, Strategie-, und Kampagnenberater. Zudem ist er ein fester Bestandteil der Medienwelt und somit ein guter Ansprechpartner für die Medienmacher von morgen. Herr Pick, einer Ihrer letzten Artikel auf Ihrem Blog war mit „Hört auf zu beschreiben, fangt an zu begreifen“ übertitelt. Was wollten Sie Ihren Lesern beziehungsweise den Politikern und deren Presseteams damit sagen? Die Obsession mit Fan- und Followerzahlen, sowohl auf Seiten der PolitikerInnen als auch auf Seiten der Social Media Analysierer, muss ein Ende haben. Es geht mir auch in meinem Buch nicht primär darum, wie Politiker, also Persönlichkeiten, im Netz funktionieren. Manche sind um- und zugänglich, andere nicht. Daran werden auch Onlinekanäle nichts ändern. Was viel interessanter ist, ob sie und ihre KommunikationsstrategInnen dies verstehen, um dort zum Diskurs beizutragen. In diesem Jahr scheinen die Wahlkampagnen der einzelnen Parteien noch härtere Geschütze aufzufahren, Stichwort: „Negative Campaigning“....

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Journalistische Qualität durch Hundefutter

Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, alle kämpfen mit den gleichen Problemen. Wie kann journalistische Qualität gehalten werden, wenn Auflagenzahlen sinken und Anzeigenkunden wegbrechen? Eine Lösungsmöglichkeit bietet die zunehmende Diversifikationsstrategie verschiedener Medienunternehmen. Hubert Burda Media zählt zu den innovativsten Medienunternehmen Europas. Grund genug, sich ein kurzes Update über das Unternehmen zu verschaffen. Interessant: Um fast 13 Prozent soll Hubert Burda Media den Umsatz 2012 im Vorjahresvergleich gesteigert haben. Doch halt, was ist das? Nicht etwa mit der auf der Website angepriesenen Investition in innovative Magazintitel wie etwa FOCUS Online oder ähnliches. Nein. Sondern mit Tierfutter und Urlaubsreisen auf „Zooplus.de“ oder „HolidayCheck“. Was das soll? Das Schlagwort heißt Konvergenz. Eigentlich gar keine so schlechte Idee. Was an Erlösen nicht über traditionelle Wege erwirtschaftet wird, soll mit dem Vertrieb von Tiernahrung ausgeglichen werden. Und wenn die Anzeigenkunden wegbrechen? Kein Problem, dann werden einfach Anzeigen des eigenen Unternehmens geschalten, ohne das es der Leser merkt. Wie praktisch. Radio setzt auf Dienstleistung Natürlich ist gerade der Verkauf von Tierfutter ein vergleichsweise untypisches Beispiel. Auch „RADIO PSR“ setzt auf ergänzende Geschäftsfelder. Neben Werbeeinnahmen kommen sogenannte Business-to-Consumer Themen hinzu – wie der Verkauf eigener CDs und Bücher. „Weiterhin bieten wir über die ,RADIO PSR‘-Muttergesellschaft ,REGIOCAST‘ Dienstleistungen wie New Media Lösungen und Werbedisposition für andere Radiounternehmen in ganz Deutschland an“, erklärt Nico Nickel aus der Unternehmenskommunikation „RADIOZENTRUM“ in Leipzig. Diese Angebote umfassen neben Projektmanagement und Screendesign auch Sendelistenplanung und...

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Die Stimmen in meinem Netz – der Social Media-Aggregator Storify

Unzählbare Tweets, Posts, Videos und Kommentare sammeln sich tagtäglich und weltweit im Internet. Jeder einzelne Eintrag kann seine eigene Geschichte erzählen. Zusammenhänge zwischen einzelnen Plattformen herzustellen, war bisher oft zeitaufwendig. Abhilfe schafft hier der auch für Journalisten interessante Social Media-Aggregator „Storify“. Storify ist zwar kein neues Phänomen, aber selbst für viele Web-Profis noch ziemliches Neuland. Bereits 2009 kreierte Mitbegründer Xavier Damman das Konzept unter dem Namen „Publitweet“. Als er weder in Frankreich noch in Belgien Geld für die Umsetzung seiner Idee auftreiben konnte, versuchte er sein Glück in San Francisco. Mit der Vision, Stimmen aus Social Media-Plattformen zusammenzutragen, die es verdient haben, eine breitere oder gemeinsame Öffentlichkeit zu erlangen, lernte Damman letztlich Mitbegründer Burt Herman kennen. 2010 gründete sich das Unternehmen schließlich in Kalifornien, zunächst nur als private Beta-Version. Seit 2011 ist der Social Media-Aggregator für die breite Öffentlichkeit unter dem Namen „Storify“ zugänglich. Das Mysterium um den Namen Der Name erinnert an den beliebten Musik-Stream „Spotify“. Zurückzuführen ist er allerdings auf das Verb „to storify“, was soviel bedeutet wie „eine Geschichte aufbauen oder erzählen“. Burt Herman stieß während seiner Arbeit als Korrespondent bei „The Associated Press“ auf den Begriff, denn hier wurde „storify“ ständig von den Redakteuren verwendet. Auch im deutschen Raum ist das Buzzword „Storytelling“ Journalisten wie auch PR-Fachleuten geläufig. Die Chancen des Webdiensts Ulrike Langer, Spezialistin für digitale Medieninnovationen, beschreibt Storify als „ein Tool, um unkompliziert...

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Wie Karla Kolumna und Marsianer den Journalismus beeinflussen

Journalisten agieren in einem Spannungsfeld aus Wahrheit und Verkaufsstrategie. Klar, dass auch gegenüber dieser Berufsgruppe gewisse Vorurteile herrschen. Aber woher kommen die eigentlich genau? Und vor allem: Wie kann gegen sie angeschrieben werden? Das Bild eines nach spektakulären Geschichten suchenden Journalisten wird schon kleinsten Kindern vermittelt. Sie erinnern sich noch an Karla Kolumna, die rasende Reporterin aus den Benjamin Blümchen- und Bibi Blocksberg-Geschichten? Sensationsbegeistert ist sie im fiktiven Städtchen Neustadt hinter jeder Neuigkeit her und auch der etwas zweifelhafte Bürgermeister bleibt von ihren Sensationsberichten nicht verschont. Karla Kolumna ist nicht das Symbol des objektiven Journalismus, sie setzt sich ein für die Dinge, die sie für unterstützenswert hält: Den Neustädter Zoo oder eine zu fällende Eiche. Sie nutzt ihre Kommunikationsmacht bewusst aus, könnte man sagen. Journalisten im Film: Arbeitseifer versus Skrupellosigkeit In dieses Schema passt auch die Science-Fiction-Satire Mars Attacs. Wobei, Marsianer? Nein, es geht um das Fernsehmoderatorenpaar Michael J. Fox und Sarah Jessica Parker. Die haben da mitgespielt? Ja, und sogar sehr einprägsam für das Spannungsverhältnis, in dem Journalisten agieren. Der seriöse Nachrichtenreporter konkurriert mit der Klatschjournalistin. Das Interview bekommt sie. Das sollte uns zu denken geben. Stefan Plöchinger, Chefredakteur des Webportals der Süddeutschen, weiß, dass das öffentliche Verständnis von Journalisten vermutlich am Stärksten durch Filme und Berichte über Exzesse innerhalb der Branche geprägt wird. So unterscheidet Plöchinger zwei typisch auftretende Rollenbilder: „Zwischen hart arbeitendem Rechercheur und skrupellosem Menschenvernichter.“...

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News-it-Yourself – Info-Aggregatoren statt Tageszeitung

Newsaggregatoren im Internet stellen übersichtliche Alternativen zu Zeitungen und Zeitschriften dar. Aus der Masse an Informationen filtern die Dienste die gewünschten Neuigkeiten – speziell auf den Leser abgestimmt oder von der Crowd empfohlen. An der Kasse des vertrauten Supermarkts sticht sie vielversprechend ins Auge – die Schlagzeile. Ein schneller Griff und die Zeitung landet im Einkaufswagen. Zu Hause folgt die Enttäuschung. Der erste Artikel ist noch ganz spannend, der Rest interessiert nicht. Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit, die weniger interessanten Artikel wegzulassen? Newsaggregatoren als Alternative Die Online-Nachrichtendienste filtern Neuigkeiten aus einer großen Masse von Informationen und präsentieren sie in kompakter Form. Mit verschiedenen Konzepten gehen dabei Entwickler von Diensten wie „Filtr“, „10000 Flies“ und „niiu“ vor. Für beinahe jedes Themengebiet gibt es spezielle Informationsprogramme. Anfang April startete „niiu“ als iPad-App in die zweite Runde. Bereits 2009 versuchten die Gründer Hendrik Tiedemann und Wanja Sören Oberhof ihr Glück mit einer individualisierten Tageszeitung. Die beiden stellten allerdings die Produktion 2011 wieder ein. Jetzt reihen sie sich mit „niiu“ in die Riege zahlreicher digitaler News-Dienste ein. Die mit den meisten „Fliegen“ „10000 Flies“ greift auf Daten der sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Google+ zurück. Das Ranking hierbei ist einfach beschrieben: Die Nachricht mit den meisten Likes, Shares oder +1-Klicks, wird veröffentlicht. Es entscheiden also Social-Networker mit ihren Aktivitäten, was wichtig ist und was nicht. Oder um es in der Sprache von „10000 Flies“ zu formulieren:...

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