Plauderkasten, Twitter, Facebook, Statusmeldungen in sämtlichen Instant Messengern. Bestmöglich verbreitet der aufgeschlossene Nutzer seine Information, wenn er auf allen Kanälen gleichzeitig aktiv ist und sie, des verringerten Arbeitsaufwands wegen, miteinander verknüpft. Das schafft Aufmerksamkeit und klärt jedermann über die dringendsten Wünsche, Bedürfnisse und Errungenschaften auf.
Die Weisheiten des Alltags
Einige, wie die Twitternutzer, klären die Bekannten mit Wortkonstrukten wie „Essen, Kacken, Essen, Kacken, … ein Teufelskreis“ über die Weisheiten, die sich im täglichen Leben erschließen, auf. Andere, wie das Politikressort der Süddeutschen Zeitung, informieren über das aktuelle Weltgeschehen mit „Hartz IV: Merkel distanziert sich von Westerwelle“. Jeder findet seine Nische der Kommunikation.
Was hätte die Menschheit in ihrem uneingeschränkten Mitteilungswahn nur ohne die Erfindung des Internets gemacht? Was wäre wenn es kein Handy gäbe, um eine SMS zu schicken? Wie kann ein Mensch ohne ein Telefon leben und trotzdem seine Mitteilungen der Öffentlichkeit preisgeben?
Das Leben ohne Social Networks
Eine kurze Zusammenfassung: Die Stromkosten steigen ins Unermessliche, wenn jeder Plakate mit seinen aktuellen Gedanken an die Fensterscheiben seiner Wohnung klebt und aufgrund der Verletzungsgefahr bei absolutem Lichtmangel den ganzen Tag den Stromverbrauch mit seinen Energiesparlampen erhöht. Staus sind abgeschafft. Die Glasflächen jeglicher Kraftfahrzeuge sind mit „Sitze gerade im Auto und fahre jetzt los“-Schildern beklebt. An der Tür steckt der Schlüssel mit einem beschriebenen Anhänger: „Sicht ist zu schlecht. Muss zu Fuß gehen“.Umweltaktivisten können keinen Regenwald mehr schützen, weil sämtliche Bäume für die Papierherstellung abgeholzt wurden. Stattdessen ketten sie sich an Rindern fest, damit diese nicht zu Pergament weiterverarbeitet werden.
Doch es gibt auch Gruppen die sich freuen. Die Post freut sich, dass jeder Bürger am Tag zehn Briefe an seine besten Freunde schickt, um sie über seinen aktuellen Status aufzuklären. Die Orthopäden feiern, dass sich Deutschland auf dem Weg zum Briefkasten endlich ausreichend bewegt, und schlagen gleichzeitig Alarm. Der erhöhte Beförderungsaufwand für die aufgrund der Lieferschwierigkeiten bei Papier und Pergament auf einfachen Laubblättern niedergeschriebenen Statusmitteilungen führt bei zahlreichen Briefträgern zu akuten Rückenschmerzen.
Wenn die Bundeskanzlerin zwitschert
Die Menschheit kann also froh sein, dass das Internet den Mitteilungswahn befriedigt. Eins ist jedoch sicher: Wenn sich die amtierende Bundeskanzlerin nicht mehr in Zeitungen von ihrem Vizekanzler distanziert, sondern das erste mal zwitschert, wie gut es ihr auf der Toilette der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung gefallen hat, ist Schluss. Es folgt die Deaktivierung sämtlicher moderner Kommunikationsmittel und die Wohnungsfenster werden täglich neu tapeziert.