Kommentar: Schwarze Null für N24

von | 17. Juni 2010

ProSiebenSat.1 hat den Nachrichtensender N24 verkauft. Das bisherige Management des Informationssenders und der ehemalige Spiegel-Chefredakteur übernehmen den Sender als neue Eigentümer und planen einen massiven Stellenabbau.

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 ist sein größtes Sorgenkind los. Mit dem Verkauf von N24 verliert der Konzern seinen defizitären Nachrichtensender. Eine Entlastung der eigenen Bilanz wird dadurch jedoch vorerst nicht erreicht. Im Gegenteil: Dem Unternehmen aus Unterföhring entstehen zunächst Kosten von 41 Millionen Euro.

Vorerst keine Entlastung für ProSiebenSat.1

Zusätzlich entstehen weitere Kosten, da die neue N24 Media GmbH in den nächsten sieben Jahren die Produktion der Hauptnachrichten von Sat.1, ProSieben und kabel eins, sowie die der Nachrichtenbeiträge des Sat.1-Frühstücksfernsehens übernimmt. Dies allein wird für N24 jedoch nicht ausreichen, damit die eigene Bilanz nicht mehr defizitär ist. Gerade, weil nicht zu erwarten ist, dass die Aktiengesellschaft aus Unterföhring in Zukunft so viel Geld für die zugelieferten Informationen überweist, wie sie bisher in den Sender investierte. Bislang erwirtschaftete der Sender pro Jahr einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe.

An dieser Stelle wird der ehemalige Chefredakteur des Spiegels aktiv. Stefan Aust gab in derPressemitteilung zum Verkauf des Senders bekannt, dass es seine Aufgabe sei, sich „ab sofort um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen zu kümmern, die der neuen Unternehmensgruppe zugute kommen und zusätzliche Beschäftigung sichern.“ Ob die Eigenproduktion von Reportagen und Dokumentationen als Ersatz für die Magazine mit zweitverwertetem ProSiebenSat.1-Material und die Zulieferung an andere für das Unternehmen im Endeffekt jedoch günstiger werden, als weiter auf eingekaufte Produktionen zu setzen, darf bezweifelt werden.

Umstrukturierung für ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis

Der Hauptansatz um zukünftig endlich ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis zu erzielen, scheint die Umstrukturierung des Personalbestands. Was die N24 Media GmbH, wie allgemein üblich, als „Restrukturierungsmaßnahme“ bezeichnet, kommt einem kompletten Neustart gleich. Von den aktuell 227 in der Gesellschaft vorhandenen Stellen sollen schlussendlich noch 141 Posten übrig bleiben. Dies entspricht einem Personalabbau von rund 38 Prozent. Weitere Differenzen mit dem Betriebsrat sind so vorprogrammiert. Zusätzlich wollen die Verantwortlichen die Berichterstattung durch ein eigenes Videojournalisten-Netzwerk mit 13 Standorten sicherstellen.

Dass die Videojournalisten die Beitragsqualität eingespielter EB-Teams erreichen, ist unwahrscheinlich. Dabei wäre genau dies wichtig, will die neue Führung den Schwerpunkt der Berichterstattung doch auf das politische Tagesgeschehen verlagern. Überhaupt erscheint dieser Schritt ungewöhnlich bis utopisch. Mehr Werbeerlöse verspricht diese Ankündigung sicherlich nicht. Die Politik gilt gemeinhin als wenig quotensteigernd. Ihre Hoffnung können die neuen Besitzer wohl nur darauf richten, durch die veränderte Schwerpunktsetzung ein positiveres Image zu kreieren, als es der Wettbewerber n-tv unter Bertelsmann-Führung erreicht hat.

Mehr Ideen gegen die Pleite

Wirklich ernsthafte Ansätze zur schnellen Konsolidierung des Senders präsentierten die neuen Eigentümer nicht. Da die Subventionen durch den Mutterkonzern in Zukunft wegfallen, müssen diese jedoch schnellstens gefunden werden. Andernfalls wird das Projekt „Schwarze Null für N24“ endgültig begraben und an die Insolvenzverwalter übergeben.

<h3>Alexander Maack</h3>

Alexander Maack