Medienstudium – Der einzig wahre Weg in die Medien?

von | 22. Februar 2019

Vielleicht erkennst du dich wieder?  Foto: Domenique Liebernickel

Mehr als 2,8 Millionen Studierende sind in diesem Wintersemester in Deutschlands Hochschulen eingeschrieben. Nie waren es mehr und seit 2007 steigt die Studentenzahl kontinuierlich, wie es eine Statistik von Statista zeigt. Der Weg in die Medien wird dabei auch immer beliebter. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Medienschaffenden verdoppelt, wie es aus dem „Xing Media Worker Report 2018“ hervorgeht.

Spätestens seit der Jahrhundertwende ist die Digitalisierung vollständig in unserer Gesellschaft angekommen und alles entwickelt sich rasant und erfindet sich stets neu. So auch der neue und mittlerweile sichere Wirtschaftszweig der Medien. Wenn du heute in den Medien Fuß fasst, kannst du in fast jeder Branche arbeiten. Immerhin ist bereits jeder sechste Medienschaffende in einer eigentlich branchenfremden Firma beschäftigt, da die Unternehmen in vielen Hinsichten mit ihren Kunden kommunizieren – und das eben digital.

Also bietet sich ein Medienstudium an?

Bevor du nun „irgendwas mit Medien“ studierst, solltest du dir vorher genau überlegen, ob das letztendlich der richtige Weg für dich ist. Ein Studium ist im Gegensatz zu früher kein wesentlicher Garant mehr für einen sicheren Arbeitsplatz und materielle Sicherheit.
Gerade durch die hohe Absolventenzahl in den Hochschulen stehen nach dem vollendeten Studium alle vor den Türen der großen Medienunternehmen und reißen sich um eine Anstellung. Die Gefahr, später nicht im erwarteten Beruf zu arbeiten, ist also hoch, wie auch die Untersuchungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigen. Denn schon 2016 übte mehr als jeder fünfte Erwerbstätige einen Beruf aus, für den er überqualifiziert ist – Tendenz steigend.
Auch wenn gute Fachkräfte in der Öffentlichkeitsarbeit gefragt sind, der Konkurrenzkampf ist hart.

Eine Ausbildung ist demzufolge günstiger?

Das wäre der falsche Umkehrschluss. Überall sind die unterschiedlichsten Medienberufe zu finden und darüber hinaus führen die verschiedensten Wege dahin. Vom Crossmedia Developer über den Online-Redakteur bis hin zum Art Director ist alles dabei. Der Trick ist, sich in diesem Chaos der Berufsbezeichnungen zurechtzufinden und sich selbst darin einordnen zu können.

Vor der Ausbildungs- oder Studienwahl sollte also schon eine ungefähre Vorstellung der beruflichen Richtung erkennbar sein. „Was macht mir am meisten Spaß? Wofür interessiere ich mich besonders? Welche Fähigkeiten besitze ich bisher? Welche möchte ich dazu lernen? Worauf möchte ich mich spezialisieren?“ sind einfache Fragestellungen, welche dir dabei helfen können, dem Klischee „irgendwas mit Medien“ entgegenzuwirken. Es sollte auch klar sein, ob dir der kreative, der technische oder der kaufmännische Part am meisten liegt, da dies die Hauptausrichtungen der meisten Medien-Studiengänge und –Ausbildungen sind. Diese Erkenntnisse verschaffen eine erste gute Orientierung bei der Ausbildungsauswahl.

Einen grundlegenden Überblick der Medienberufe findest du übrigens hier.

Für welchen Weg entscheide ich mich nun?

Für die bessere Orientierung haben wir die wichtigsten Ausbildungsmethoden zusammengefasst:

Ausbildung

Wenn du schon eine genauere Vorstellung davon hast, welchen Medienberuf du später mal ausüben möchtest, bietet sich möglicherweise eine Ausbildung an. Diese ist meist schon sehr auf einen Arbeitsbereich ausgelegt und bietet dir einen guten roten Faden. Natürlich variieren Ausbildungen untereinander je nachdem, wo sie stattfinden. Hier sollte man sich also vorher genau informieren.

Hast du jedoch die für dich optimale Ausbildung gefunden, bietet sie dir zwei- bis dreieinhalb-jährige Praxiserfahrung, bei der du auch noch Geld verdienst. Dieser praktische Einblick in die mediale Berufswelt kann sehr von Vorteil sein. Viele der modernen Medienunternehmen sind heute weniger auf gute Abschlussnoten, umso mehr aber auf gute Praxisnachweise fixiert.

Darüber hinaus ist eine berufliche Übernahme nach der Ausbildung nicht unwahrscheinlich. Mehr als ein Drittel der befragten Auszubildenden gaben in einer Umfrage vom letzten Jahr an, nach ihrer Ausbildung übernommen zu werden.

Bei einer Ausbildung musst du aber auch beachten, dass dein Lebenseinkommen, also deine Einnahmen im gesamten Verlauf deiner Karriere, im Durchschnitt geringer ist als die eines Akademikers. Außerdem werden Ausbildungen speziell im Medienbereich oft nicht staatlich gefördert, wodurch Gebühren anfallen können. Auch ein Berufswechsel ist nach einer eher spezialisierten Ausbildungen später schwierig.

Dem kannst du aber mit diversen Fortbildungen entgegenwirken.

Studium

Ein Studium könnte aus den verschiedensten Gründen interessant für dich sein. Vor allem, wenn du deine Berufspläne noch nicht zu 100 Prozent konkretisieren kannst, deine Richtung aber kennst. Viele Medienstudiengänge sind vielfältig, verbinden gestalterische, kaufmännische und technische Elemente miteinander und verlangen eine Spezialisierung erst nach dem Grundstudium in späteren Semestern.

Welcher Medienstudiengang der richtige für dich ist, kannst du in unserem Artikel „Viele Wege führen in die Medien“ nachlesen.

Der Ausbildungsweg des Studiums ist also freier, jedoch auch selbstständiger. Die Themen werden an einer Universität sehr theoretisch vermittelt, wodurch man ein größeres Wissensspektrum aufbaut. An einer Fachhochschule ist der praktische Anteil etwas höher, jedoch nicht vergleichbar mit dem in einer betrieblichen Ausbildung.

Mehr über den Unterschied zwischen Fachhochschulen und Universitäten gibt es hier.

Diese praktischen Defizite solltest du als Medienstudent im Idealfall selbstständig kompensieren. Im Studium hast du die Chance und die Zeit mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, ohne dabei durch Regeln eines Betriebs eingeschränkt zu werden. Studentische Projekte (wie zum Beispiel ein Kurzfilm) werden an Hochschulen und Universitäten in der Regel gerne unterstützt. Und falls das nicht zustande kommen sollte, kannst du als Student trotzdem noch die Möglichkeit eines oder mehrerer Auslands- oder Praktikumssemester nutzen. Damit hast du im besten Fall am Ende deines Studiums ausreichend praktische Referenzen in der Hand, um in der Medienwelt zu punkten.

Letztendlich kommt aber auch das Studium nicht ohne Nachteile aus. Der Größte ist, dass ein Studium nicht vergütet wird. Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, während des Studiums BAföG zu beziehen, wozu nach den Richtlinien des BAföG-Amts nicht jeder Student berechtigt ist. 2017 waren es nur 20% aller Studenten, welche BAföG bezogen und durchschnittlich einen Betrag von 499€ bekamen. Aus diesen Gründen gehen ungefähr zwei Drittel aller Studenten  neben ihrem Studium arbeiten, um sich etwas dazu zu verdienen. Da bleibt bei einem Vollzeitstudium nicht mehr viel Zeit für andere Dinge.

Dazu kommt allerdings auch noch der hohe Anteil der Selbstorganisation des Selbststudiums. Weiß man sich selbst nicht richtig zu organisieren, kann ein Studium schon ziemlich stressig werden.

Da könnten dir unsere Tipps gegen den Stress im Studium sehr helfen.

Falls du dich bei keinem dieser beiden Ausbildungswege angesprochen fühlen solltest – Kein Problem! Einer dieser beiden Mittelwege könnte demnach etwas für dich sein:

Duales Studium

Ein duales Studium ist nichts anderes als der Verbund einer betrieblichen Ausbildung und einem Studium. In den praktischen Phasen lernst du in Verbindung mit einem Betrieb dessen Arbeitsabläufe kennen, während du in den theoretischen Phasen dein Wissen an der Hochschule erweiterst.

Ein duales Studium bietet also einen wirkungsvollen Ausgleich zwischen Theorie und Praxis, bei dem, wie in einer Ausbildung, eine monatliche Vergütung gezahlt wird.

Auch hier solltest du dich vorher sowohl über deinen Betrieb, als auch deine Hochschule informieren, um anschließend ein möglichst effektives duales Studium absolvieren zu können.
Dabei solltest du dich möglichst schnell auf die Suche nach einem dualen Studienplatz begeben. Es werden vergleichsweise wenige Plätze für duale Studenten angeboten. Desweiteren erfreut sich diese Ausbildungsvariante gerade bei den Abiturienten immer größerer Beliebtheit.

Leider gibt es gerade im Medienbereich weniger duale Studienplätze als zum Beispiel im Finanzbereich. Im vergangenen Jahr kamen 59% aller Unternehmen, welche ein duales Studium anboten aus dem Finanzbereich, Unternehmen aus dem Medien- und Kommunikationsbereich schafften es dabei nur auf 2%.

Ausbildung und Studium

Ebenso können beide Möglichkeiten miteinander kombiniert werden und aufeinander aufbauen. Besonders im Bereich des Journalismus ist es üblich, nach einem abgeschlossenen Medienstudium ein Volontariat zu absolvieren.

Doch auch ein Studium nach einer abgeschlossenen Ausbildung kann sehr hilfreich sein, um das praktisch erworbene Wissen noch weiter auszubauen und die beruflichen Perspektiven zu verbessern.

Der größte Nachteil hierbei ist, dass sich deine Ausbildungszeit schnell auf über sechs Jahre summieren kann, bevor du letztendlich in das richtige Berufsleben einsteigen kannst.

Klappt nur mit einen dieser Wege mein Sprung in die Medien?

Nein, natürlich nicht. Einen einzig wahren Weg gibt es nicht. Wenn dann gibt es nur deinen richtigen Weg. Ob dieser nun über einen der oben aufgeführten Ausbildungswege oder aus reiner Eigeninitiative entsteht, kannst am Ende nur du wissen und beeinflussen.

Das bestätigt auch Benjamin Diedering. Er ist ein junger Medienschaffender im Foto- und Filmbereich, der den Sprung in die Medien bereits geschafft hat. Im Interview erzählt uns unter anderem über seinen eigenen Werdegang und wie die Chancen für Berufseinsteiger aussehen.

Einige Ausschnitte aus dem Arbeits- und Privatleben, die Benjamin auf Instagram teilte. Quellen: instagram.com/benjamindiedering , instagram.com/bdxmedia

Text, Titelbild: Domenique Liebernickel

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