Wie Google sein Monopol nutzt

Wie viel Gewicht haben Googles Eigeninteressen bei der Platzierung von Suchergebnissen?

Wie viel Gewicht haben Googles Eigeninteressen bei der Platzierung von Suchergebnissen?

Google sieht sich wieder einmal einem Verfahren wegen Wettbewerbsverzerrung gegenüber. Die EU-Kommission verkündete am 30. November 2010 die Einleitung einer Untersuchung gegen den Internetriesen. Andere Suchdienstbetreiber beschwerten sich im Vorfeld über ungerechte Suchergebnisse. Google soll ihre Angebote absichtlich schlechter positioniert haben und die eigenen Dienste bevorzugt anzeigen. Die Untersuchung wird sich auch mit dem Vorwurf beschäftigen, Google habe die Qualitätskennzahl anderer Suchdienste herabgestuft. Unter den bezahlten Suchergebnissen nimmt dies direkten Einfluss auf die finanziellen Mittel, die Werbetreibende einsetzen müssen, um ein möglichst hohes Ranking zu erhalten.

“Niemals exklusiv” seit zwei Jahren

Zudem wird dem Konzern vorgeworfen, seinen Werbekunden Ausschließlichkeitsverpflichtungen vorzuschreiben, um konkurrierende Werbung zu verbieten. Websites, die Google AdSense verwenden, dürften demnach keine Werbung anderer Anbieter schalten, die in Konkurrenz zu Googles Diensten stehen. Ein Sprecher von Google äußerte sich dazu gegenüber medienMITTWEIDA: “Unsere Onlineverträge für AdSense waren niemals exklusiv. Bei unseren wenigen direkt ausgehandelten AdSense-Kundenkonten haben wir die Verwendung exklusiver Verträge vor fast zwei Jahren eingestellt.” Ähnliches soll Google auch Soft- und Hardware-Herstellern auferlegt haben.

Die Kartellrechtsklage gegen Google ist indes kein Einzelfall. Ein ähnliches Verfahren läuft seit zirca drei Monaten in den USA. Dort klagte unter anderem das britische Unternehmen Foundem. Der Suchmaschinenanbieter soll auch beim EU-Kartellverfahren den Anstoß zur Untersuchung gegeben haben. Schon damals nahm Google in einem Blog Stellung. Ähnlich reagierte das Unternehmen auf das Verfahren der EU. Dort heißt es: “Wir […] werden fortfahren, eng mit der Kommission zusammenzuarbeiten, um ihre Fragen zu beantworten.” Im Rahmen dieser Zusammenarbeit könnten die Wettbewerbswächter der EU wohl Einblick in Googles geheimen Such-Algorithmus erhalten.

Harvard-Mitarbeiter bestätigt Vermutungen

Benjamin Edelman, Dozent an der Harvard Business School, hat in einer Untersuchung festgestellt, dass Google seine eigenen Suchergebnisse vermutlich bevorzugt, indem sie als “hard-coded” im Algorithmus eingetragen sind. Edelman versuchte dies unter anderem durch einen Komma-Test nachzuweisen. Zudem fand er sogar ein Eingeständnis seitens einer hochrangigen Google-Mitarbeiterin aus dem Jahr 2007. Auf einer Konferenz in Seattle gab sie an, es sei fair, Google Finance als erstes anzeigen zu lassen, schließlich habe das Unternehmen die Arbeit für die “Suche und all die anderen Dinge” geleistet. Edelman führt an, dass der erste angezeigte Link etwa 34 Prozent der Clicks auf sich ziehe, der zweite erhalte nur 17 Prozent. Wenn dies auch für Googles fest eingestellte Suchergebnisse zutrifft, entzieht die Suchmaschine der eigentlich an erster Stelle stehenden Website also die Hälfte ihrer Besucher.

Der Harvard-Dozent stellte außerdem fest, die Veränderung der Suchergebnisse gebe Google einen wichtigen Vorteil in jedem Bereich, der von Verkehr durch Suchergebnisse profitiert. So könnten Googles eigene Dienste kostenlos durch riesige Mengen von zusätzlichen Besuchern profitieren. Andere Unternehmen würden daher vermeiden, Konkurrenzprodukte auf den Markt zu bringen. Abschließend erklärte Edelman in seinen Ausführungen, Google habe die Öffentlichkeit anscheinend falsch informiert und sollte frühere Aussagen korrigieren und eine Richtigstellung zum Thema veröffentlichen. Dies wird wohl spätestens am Ende des Kartellrechtsverfahrens durch die EU geschehen.

Die Überfliegerin – Video folgt

Ulrike Gräßler war eine der ersten Skispringerinnen in Deutschland.

Ulrike Gräßler war eine der ersten Skispringerinnen in Deutschland.

Im finnischen Rovaniemi findet am 7. und 8. Dezember ein Wettkampf statt, der in den Medien kaum Anklang findet: Das Auftaktsturnier des Winter-Continentalcups im Frauenskispringen. Ein Grund für das scheinbar geringe Interesse ist, dass die Disziplin bei den Frauen noch immer nicht olympisch ist. Allerdings ist der Continentalcup, anders als bei den Männern, für Frauen die höchste Wettkampfklasse. Für Deutschland geht unter anderem Ulrike Gräßler an den Start.

Eine Kämpferin

Die 23-Jährige entdeckte bereits mit sechs Jahren ihre Leidenschaft für den Sport und trat damals in den örtlichen Skisprungverein SV Lok Eilenburg ein. Zu dieser Zeit rechnete natürlich noch keiner damit, dass sie eines Tages an der Weltspitze des Frauenskispringens vertreten sein wird. Bis es soweit war, musste die gelernte Polizeimeisterin sich aber auch oft durchbeißen. Sie war beispielsweise eines der ersten Mädchen, das als Skispringerin an das Sportgymnasium Klingenthal ging. Dank ihres Ehrgeizes gehört sie heute zur Weltspitze und berichtet im Interview über ihren Sport und ihre Karriere.

Kommentar: Hallo neuer JMStV! Tschüss, Blogger!

Auch wenn es das Bild vermuten lässt - das Internet wird durch Alterskennzeichnungen kaum bunter.

Auch wenn es das Bild vermuten lässt - das Internet wird durch Alterskennzeichnungen kaum bunter.

Ab 1. Januar 2011 soll der überarbeitete Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) in Kraft treten, der auch im Web für Ordnung sorgen will. Denn auch im Internet ist der Jugendschutz ein wichtiges Thema. Nur hat sich bislang leider kaum jemand darum gekümmert. Anders bei Videospielen, auf deren Verpackung sich seit 2003 verpflichtende Alterseinstufungen finden. Nun ist auch im Netz die Rede von Sendezeiten, Zugriffsbeschränkungen und Alterskennzeichnungen. In Sachen Einfachheit hätten sich die Verantwortlichen aber etwas vom Spielesektor inspirieren lassen müssen.

Internet wird noch mehr zum Paradies für Abmahnanwälte

Die Gesetzestexter haben es geschafft, so richtig Verwirrung zu stiften. Es handelt sich um einen Staatsvertrag, über dessen Auslegung sich nicht einmal Juristen einig sind, denn er lässt enormen Raum für Interpretation. Dieser Spielraum aber kann Bloggern und Webseitenbetreibern sehr schnell zum Verhängnis werden. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag stellt nämlich Anforderungen, die vielen Online-Anbietern Bauchschmerzen bereiten: So lassen sich die Bestimmungen, wie eindeutige Kennzeichnungen und Zugriffszeiten, zu schwer umsetzen und selbst wenn die Blogger diesbezügliche Maßnahmen ergreifen, bleibt ihnen die Ungewissheit, ob sie nicht doch etwas falsch eingestuft haben. Eine Ungewissheit, die für Webseitenbetreiber womöglich teuer wird. Denn manche Kanzleien suchen nur nach Rechtsverstößen – das wissen auch die Blogger. So kann der Klischee-Abmahnanwalt den Jahreswechsel wohl kaum erwarten, denn am Folgetag warten lukrative Briefe darauf, verschickt zu werden.

Blogger als aussterbende Spezies?

Kein Wunder also, dass viele teils bekannte Blogger das Handtuch werfen – Vzlog.de und der Blog von IT-Fachmann Kristian Köhntopp sind bislang die bekanntesten Beispiele. Klar, die Blogger könnten auf Nummer sicher gehen und ihre Inhalte nur Nachts freigeben. Dann ist das finanzielle Risiko, von unseriösen Anwälten abgemahnt zu werden, erheblich geringer. Sie können womöglich sogar ganz auf eine Kennzeichnung verzichten, wenn sie in Kauf nehmen, von Computern mit spezieller Filtersoftware nicht erreicht zu werden. Zwar gibt es solch ein Programm noch nicht, länger als ein halbes Jahr dürfte es trotzdem nicht auf sich warten lassen. Gut, Blogger können all das machen. Aber sie können eben auch das Handtuch werfen – einen großen Unterschied macht das nicht.

Resignierende Blogosphäre

Seit die Kritik aufbrandete, wird ebenso versucht, diese Art Befürchtung als unbegründet hinzustellen. Nur ein böser Traum, keine Sorgen machen! Doch die ungeträumte Realität sieht anders aus, denn das neue Mediengesetz pfuscht den Bloggern mächtig ins Handwerk. Gerade aus diesem Grund ist es richtig, dass einige von ihnen sagen: “Nein, so machen wir nicht weiter.” Denn das hat die Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Probleme wie die Abmahnpraxis gelenkt, mit denen Blogger und Journalisten zu kämpfen haben. Auch wenn beteuert wird, dass der Staatsvertrag für die meisten keine Auswirkungen habe, eines hat er bereits jetzt geschafft: Das Internet wird eintöniger, weil sich viele Schreiber daraus verabschieden. Gut, auch eine Möglichkeit die Jugend zu schützen. Es bleibt das Gefühl, dass es mal wieder die falschen getroffen hat.

Deutschland wird gezählt

Volkszählung mit neuer Methode.

Volkszählung mit neuer Methode.

Wie viele Einwohner hat die Bundesrepublik Deutschland? Eine gute Frage, die niemand ganz genau beantworten kann. Seit der Wiedervereinigung wurden die Bürger der Bundesrepublik nicht gezählt. Nun liegt die Vermutung nahe, dass es auf den einen Kopf mehr oder weniger nicht ankomme. Weit gefehlt, denn anhand der amtlichen Einwohnerzahl werden beispielsweise Wahlkreise eingeteilt, die Stimmverteilung im Bundesrat festgelegt oder Finanzausgleichszahlungen pro Kopf ermittelt. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die momentane offizielle Zahl um 1,3 Millionen Menschen über der eigentlichen Bevölkerungszahl liegt.

Ein Zustand, der geändert werden muss und zwar mit dem Zensus 2011. Laut EU-Verordnung sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, alle zehn Jahre aktuelle Bevölkerungszahlen vorzulegen. Deutschland war bisher ein wenig säumig, aber das wird jetzt nachgeholt – mit einem neu entwickelten registergesteuerten Erhebungsverfahren auf der Grundlage des Zensusgesetzes 2011. Ein Methodenwechsel, der ganz im internationalen Trend liegt und dank neuester Computertechnik möglich ist. Nur etwa ein Drittel der deutschen Bürger wird direkt befragt, hauptsächlich werden Daten verschiedener Verwaltungsregister, wie zum Beispiel die Melderegister der Kommunen, die Register der Bundesagentur für Arbeit und Daten der Vermessungsverwaltung genutzt.

EU-weite Zensusrunde 2011

Da es nicht für alle Informationen ein Register gibt und die alleinige Verwendung der Daten der Melderegister nicht die gewünschte Genauigkeit bringt, sind zusätzliche Befragungen vorgesehen. Die Befragung der Gebäude- und Wohnungseigentümer hat bereits begonnen. Folgen wird die Haushaltebefragung bei knapp 10 Prozent der Bevölkerung und die Umfrage in allen Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften. Etwa 25 Millionen Menschen werden so direkt einbezogen, allein in Sachsen 1,3 Millionen. Nach einem Stichprobenprinzip werden die Teilnehmer der Befragung nach Haushaltsdaten zufällig ausgewählt. Wer nicht antwortet, kann mit einem Bußgeld bis zu 5000 Euro rechnen. “Es konnte gezeigt werden, dass dieses kombinierte Verfahren zu ähnlich genauen Ergebnissen wie eine traditionelle Volkszählung als Vollerhebung durch InterviewerInnen führt, dabei aber wesentlich belastungsärmer ist und kostengünstiger bleibt.”, sagte Daniela Hartmann vom Statistischen Bundesamt gegenüber medienMITTWEIDA.

Allein in Sachsen gibt es 39 Erhebungsstellen, die sich um den geregelten Ablauf des Zensus kümmern werden. Unter strengsten Sicherungsvorkehrungen wird dort unabhängig gearbeitet. So soll gewährleistet werden, dass keine Daten in falsche Hände gelangen. Die Erhebungsstellen sind getrennt von Verwaltungsbehörden, ausschließlich anonymisierte Daten können aus dem abgeschotteten Bereich gelangen. Für jede Datenübermittlung gelten spezielle Sicherheitsanforderungen, es gilt das Rückspielverbot und zum frühestmöglichen Zeitpunkt werden die ausgefüllten Fragebögen vernichtet. Soviel zumindest zur Theorie.

Bekannt und transparent?

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz oder der Chaos Computer Club haben schon vor einiger Zeit Bedenken geäußert. Neben den enormen Kosten von 710 Millionen Euro gebe es erhebliche Datenschutzmängel. So werde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt, indem sensible Daten ohne Einwilligung von verschiedenen Institutionen zusammengeführt werden. Anhand einer Personenkennziffer könnten außerdem die Daten zugeordnet werden. Die Tatsachen, dass die Erhebung nicht anonym ablaufe und dass zusätzliche Informationen wie die Religionszugehörigkeit abgefragt werden, waren außerdem Gründe für die Zensus-Gegner, zwei Verfassungsbeschwerden einzureichen, die jedoch aufgrund von Formfehlern abgewiesen wurden. Auch die Bevölkerung sei nur unzureichend informiert. Frank Becker vom Chaos Computer Club Dresden sagte gegenüber medienMITTWEIDA: “Es gab keine Meldungen, dass Datenbanken zweckentfremdet zusammen geführt werden, dass man daraus Leute im Zeugenschutzprogramm ablesen kann, dass die Kosten über 750 Millionen Euro betragen werden, dass hoch gerechnet an den Kosten eines Datensatzes aus Meldedaten der Wert dieser Sammlung circa 1 Milliarde Euro beträgt. Das Statistische Bundesamt geht mittlerweile gegen Aufklärungsseiten im Internet vor.”

Es scheiden sich die Geister an der geplanten Volkszählung. Die ersten Ergebnisse werden im November 2011 vorliegen.

Weltrekordversuch hinter Gittern

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141 Jahre nachdem Karl May in der sächsischen Kleinstadt Mittweida inhaftiert wurde, wollen Studenten der Fakultät Medien in der Originalzelle einen interaktiven Lesemarathon organisieren. Vom 14. März bis zum 3. Mai 2011 soll Karl Mays Gesamtwerk sechs Wochen lang von Schauspielern, Schriftstellern, Karl-May-Verlegern, -Nachkommen, Studenten, Bürgern und Prominenten verlesen werden. Insgesamt werden zirka 3 000 Vorlesende für den neuen Weltrekord, bei dem jeder Teilnehmer 20 Minuten lang vorlesen wird, gebraucht. Der Lesemarathon wird von Ausstellungen und Veranstaltungen über den Schriftsteller Karl May umrahmt.

medienMITTWEIDA sprach mit den Producern des Projekts, Stefanie Walter und Marc Simon, über ihr Vorhaben, Probleme bei der Planung und über das Besondere der “Gefangenen Visionen”.

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Die erste „International Night”

Zum ersten Mal lädt das Medienforum Mittweida und das Auslandsamt der Hochschule Mittweida zur International Night”. Die Producerin Anne Brantin stand für ein Interview zur Verfügung und erzählte uns, wieso die International Night” nicht nur sehenswert, sondern gerade für Medienstudenten relevant ist.  Weiterlesen →