“Sie wollen Menschen, die Facebook kaltmachen”

Drei Jahre bei Google, dann eine kurze Auszeit, ein paar Facebook-Apps und schon das erste Internetunternehmen gegründet – Mike Turitzins Karriere hört sich typisch für das amerikanische Silicon Valley an. Sein aktuelles Projekt Workflowy konkurriert mit seinem alten Arbeitgeber aus Mountain View. Doch ohne die Hilfe von Risikokapitalgegebern, so genannten Venture Capitalists, würde das Projekt schnell austrocknen, wie Turitzin im Interview zugibt.

Leser ignorieren Feueralarm

Schon in der letzten Woche hatten die Organisatoren sich beim Einräumen des alten Gefängnisses darüber unterhalten, wie sie im Falle eines Feueralarms reagieren könnten. Der Grund: Die im ehemaligen Stadtarchiv montierten Rauchmelder sind hochempfindlich, weil sie die historischen Akten schützen sollen. “Ich habe erstmal weitergelesen”, sagt Stefanie Walter. Die Producerin des Rekordversuchs saß gerade in der Lesezelle.

Als die Freiwillige Feuerwehr schließlich am ehemaligen Stadtarchiv eintraf und die Räumung des Gebäudes anordnete, reagierte Stefan Sturm am schnellsten. Er hatte sich den aktuellen May-Band in Buchform genommen und ging laut lesend in den Hof des Gebäudes, um den Weltrekordversuch nicht zu unterbrechen. Die Feuerwehrmänner stellten im Haus unterdessen fest, dass kein Brand ausgebrochen war. Walter: “Es wurde wohl irgendwie Staub aufgewirbelt. Wir sind aber froh, dass wir so schnell reagieren konnten und die Lesung nicht unterbrochen haben.”

Der Rekordversuch war erst um 13 Uhr unter großem Medieninteresse gestartet. Sogar Journalisten aus Italien reisten extra für einen Bericht über das Projekt der Studierenden an. Die Lesung soll noch bis zum 3. Mai weitergehen. Bis dahin sollen alle 88 Bände des Reiseschriftstellers, der in Mittweida selbst im Gefängnis saß, vorgelesen werden.

Eine neue Chance für Jugendliche

Eine Möglichkeit für die Wiedereingliederung benachteiligter Kinder in die Gesellschaft sind die vielfältigen Hilfestellungen sozialer Einrichtungen. Ein Beispiel für eine solche Einrichtung ist die Intensivwohngruppe der Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Thüringen in Hümpfershausen. Hier werden Kinder und Jugendliche, die Missbrauchserfahrungen gemacht haben oder an psychischen Krankheiten leiden, rund um die Uhr betreut. Nach einem Beinbruch oder schwerwiegenderen Verletzungen verschreibt der Arzt meist einen Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik, für die meisten Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Werden aber Patienten in diese Intensivwohngruppe geschickt, um ihre seelischen Verletzungen auszukurieren, ernten sie meist nur misstrauische Blicke und Vorurteile.

Diese Vorurteile aus dem Weg zu räumen, hat sich Philipp Rappsilber zur Aufgabe gemacht. Er produzierte einen Dokumentarfilm über die Intensivwohngruppe in Hümpfershausen. medienMITTWEIDA hat sich mit dem Filmemacher über seine Motivation und die Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten unterhalten.

“Einfach vorbeikommen und an die Tür klopfen”

“Ein Event dieser Größenordnung bedarf im Normalfall einiges an Vorbereitungszeit”, erklärten Stefanie Walter und Marc Simon, Producer des Hochschulprojekts, im medienMITTWEIDA-Interview. Dass “Karl May – gefangene Visionen” ein besonderes Projekt ist, das zeigen schon allein die Fakten: 3.000 Lesende, 42.324 Buchseiten, sieben Wochen Dauerlesen am Tag und bei Nacht. Doch damit nicht genug: Die Lesung wird zudem über die gesamte Dauer der Zeit im Internet zu verfolgen sein. Bei diesem Berg an zu bewältigenden Aufgaben scheint ein knappes Vierteljahr an Vorbereitungszeit wirklich etwas wenig. Aber die Verantwortlichen haben ganze Arbeit geleistet, denn der Plan geht auf: Wie für Karl May damals geht es für die Leser ab dem 14. März in die Zelle.

Prominente Bewunderer Karl Mays lesen in Mittweidaer Gefängniszelle

Für jeden Leser sind rund 20 Minuten Vortragszeit in der Zelle vorgesehen. Viele Studierende und Bürger aus Mittweida haben sich schon im Vorfeld dafür angemeldet. Weil Tag und Nacht gelesen wird, können sich die Leser ihre Zeit sogar recht flexibel und komfortabel auswählen. Auch einige prominente Leser haben sich angekündigt. So werden sich unter anderem MDR-Moderator Peter Escher, Tagesschau-Sprecher Jan Hofer, Tatort-Kommissar Peter Sodann und TV-Komiker Hanno Friedrich in die Zelle begeben. Die Schauspielerin Suzanne von Borsody übernimmt die Schirmherrschaft des Kulturweltrekords. Kein Wunder, denn die gebürtige Münchnerin sagt selbst: “Auch ich habe als Kind Karl May verschlungen.”

Im Video sprechen die studentischen Producer der Hochschule Mittweida, Stefanie Walter und Marc Simon, über die Vorbereitungen in der Zelle und den Lesemarathon als Kulturweltrekordversuch, geben Einblick in ein vielfältiges Rahmenprogramm und erklären, wie Interessierte sich als Leser noch anmelden können.

Eine Frage der Herkunft

Es scheinen recht simple Entscheidungskriterien zu sein, die deutsche TV-Sender anwenden, um zu prüfen, welche neuen ausländischen Serien sie ins Programm übernehmen. Eine Handlung um labile Männer oder Frauen und deren nymphomanische Beziehungen, ihre Straftaten und die heroischen Ermittler oder um Krankenhäuser in irgendeiner Form scheinen die einzigen erfolgreichen Serienthemen zu sein. Ein Blick in die Spartenkanäle und in den digitalen Bereich lassen dagegen Perlen der Serienwelt erblicken, die in ihren Produktionsländern und teils weltweit riesige Erfolge feiern, aber in Deutschland fast unbeachtet über den Äther gehen.

Bei Kritikern beliebte Serien sind ein Risiko

Ein leuchtendes Beispiel für die Verbreitung guter, doch unbekannter Serien – zum Teil auch aus nicht-amerikanischer Produktion – ist dabei der digitale Sender ZDFneo. Mit mehrfach ausgezeichneten US-Produktionen wie Mad Men und 30 Rock, sowie dem britischen Quotengarant Hustle hat das Jugendprogramm des ZDF einige hochkarätige Serien im Angebot. “Viele Zuschauer präferieren Serien mit einer klaren Genre-Einordnung, zum Beispiel Crime- oder Medicalserien”, sagt der verantwortliche Redakteur für internationale Serien bei ZDFneo, Sebastian Lückel. “Für einen großen deutschen TV-Sender ist es stets ein Risiko eine bei den US-Kritikern beliebte und im Rahmen einer bestimmten Nische erfolgreiche Serie einzukaufen”, fügt er hinzu. Begründet sei dies durch soziokulturelle Unterschiede. Der Erfolg mancher US-Serien sei aufgrund der nationalspezifischen Themen nicht eins zu eins auf den deutschen Markt übertragbar, so Lückel.

Nun besteht ein Großteil des Programms deutscher Privatsender aus importierten Serien, fast ausschließlich aus den Vereinigten Staaten. Laut Lückel sind die amerikanischen Episoden am professionellsten produziert und deren Look sei äußerst hochwertig. Eben diese professionelle Aufmachung ist für viele deutsche Privatsender eine Voraussetzung für die Aufnahme einer Serie in das tägliche Programm. Stella Rodger, die PR-Beauftragte für Serien der ProSiebenSat.1 Media AG, sieht ebenfalls “für das deutsche Publikum nachvollziehbare Charaktere und Geschichten” als unverzichtbar. Außerdem gebe es “natürlich viele erfolgreiche US-Serien, die für den breiten deutschen Markt nicht geeignet sind, die daher ihr zu Hause im Pay-TV oder bei den Spartensendern finden”, so Rodger. Für Sebastian Lückel kommt außerdem noch hinzu, dass die amerikanischen TV-Netzwerke meist mindestens dreizehn oder sogar 22 Episoden einer Serie ordern. “Diese Konstanz einer langlaufenden Serie mögen die meisten Serienfans weltweit”, so der ZDFneo-Serienexperte.

Eine Frage der Nationalität

Ob ein Serienkonzept potentiell ins deutsche Fernsehkonzept passt, ist weitaus komplexer. “Auch andere Länder produzieren interessante Serien – wie zum Beispiel Israel”, beschreibt Lückel den internationalen Serienmarkt. “Allerdings sind die Erfolgsaussichten beim Publikum bedeutend höher, wenn ein Serienkonzept in den USA adaptiert wird und so wieder auf den TV-Markt gelangt”, erläutert Sebastian Lückel die Bedeutung amerikanischer Produzenten. Letztendlich ist die Dominanz US-amerikanischer Produktionen auf dem deutschen Serienmarkt sicherlich durch die deutlich höheren Budgets und die Sehgewohnheiten der Zuschauer begründet. Zu finden sind die meisten abwechslungsreicheren und tiefgründigen Serien auch im deutschen Rundfunk. Ein Blick in das Programm der Spartenkanäle und digitalen Sender oder der Griff zur DVD und schon kann jeder dem deutschen Serieneinerlei entfliehen.

In der Galerie empfiehlt der Autor drei Serien, die im deutschen Fernsehen auf ZDFneo, RTL2 und TNT Serie zu sehen sind.

[RoyalSlider Error] No post attachments found.

Seite 243 von 347« Erste...102030...241242243244245...250260270...Letzte »