„Call me friend, but keep me closer”

Billie Eilish: When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

von | 2. Juni 2019

Eilish setzt auch Authentizität und Emotion in ihrem Debut-Album When We All Fall Asleep, Where Do We Go?  Titelbild: Justin Higuchi , CC BY 2.0

Sie ist das Idol der Generation-Z Billie Eilish revolutioniert mit gerade einmal 17 Jahren die Musikindustrie und setzt dabei auf Authentizität und ein wenig „Fuck it“-Mentalität. Drei Jahre nach ihrer ersten EP Ocean Eyes ist der Hype um die freche und charmante Sängerin größer denn je. Nun folgte Ende März 2019 ihr Debüt-Album When We All Fall Asleep Where Do We Go?.

„Mit ihr passiert gerade, was 1991 mit Nirvana passiert ist“ – der ehemalige Nirvana- Drummer Dave Grohl bringt es bei Watson genau auf den Punkt. 2019 ist das Jahr der Billie Eilish – und der Höhepunkt ihres Hype-Phänomens. Mit 14 Millionen Spotify-Streams innerhalb einer Woche – allein in Deutschland –  und 800.000 Album- Vorbestellungen setzt Eilish neue Rekorde auf und gilt als Ausnahmeerscheinung in der Musiklandschaft. Ihr Album When We All Fall Asleep, Where Do We Go? schwankt zwischen Synth-Pop und minimalistischem Elektro und ist gemacht für die Generation, die sich nicht mehr nur auf ein Genre beschränken will. 14 Tracks voller Gefühl, Selbstfindung und Konfrontation – und auch ein wenig Humor.

Das Video glorifiziert Eilish’s Angst vor Spinnen auf die wohl ästhetischste Art und Weise. Video: YouTube/Billie Eilish- you should see me in a crown

„I have taken out my Invisalign and this is the album hahaha“

Das sind die ersten Worte des Albums. Wahrscheinlich einer der bizarrsten, aber gleichzeitig auch besten Einstiegssätze seither. 14 Sekunden dauert der erste „Track“, in dem man Billie und ihren Bruder Finneas O’Connell zusammen scherzen hört, während sie mit einem lauten Schmatzer ihre Zahnspange rausnimmt und ihr Album einleitet. Finneas schreibt und produziert zusammen mit Eilish die Musik – die Songs werden im selbstgebauten Tonstudio im Schlafzimmer des Bruders aufgenommen. Die Intimität des Albums wird dadurch mit einem Mal noch verständlicher.

Portrait Billie Eilish

Billie Eilish, die mit ganzem Namen Billie Eilish Baird O’Connell heisst, ist eine US-amerikanische Singer- und Songwriterin. Mit ihren 17 Jahren ist sie eine der jüngsten und erfolgreichsten Newcomerin und hält mit circa 46 Millionen monatlichen Spotify-Hörern den 2019-Rekord im Musikbusiness. Mit gerade mal 14 Jahren veröffentlichte sie 2015 ihre erste EP Ocean Eyes, welche über Nacht viral ging und den Generationshype um die charmante Sängerin auslöste.  Nun folgte am 29. März 2019 ihr Debüt-Album, das mit Synth-Pop, elektronischen Einflüssen und psychadelic Indie begeistert.

„Don’t say I’m not your type. Just say that I’m not your preferred sexual orientation“ singt Eilish in dem Track Wish You Were Gay und zeigt damit vor allem eins: Ihre Songs sind schmerzhaft ehrlich. Sie singt von Selbstzweifel, Depression und unerwiderter Liebe und führt uns in eine Welt der Entfremdung und Gewaltphantasien. Eine düstere Fiktionswelt, die den Hörer alles intensiver wahrnehmen lässt. Und doch kann man einfach nicht aufhören, wenn man einmal angefangen hat, ihre Musik zu hören. 

„Es hört sich an wie eine Playlist,
die keinem Thema untergeordnet ist,
sondern allein dem persönlichen
Geschmack der Künstlerin.”

musikexpress in: Album der Woche
Quelle: musikexpress.de

Zwischen The XX und Lana Del Ray

Übersteuerte Bässe und Synthesizer wechseln sich je nach Song mit psychedelischen Indie-Pop Melodien ab und geben dem Album surreale Trance-Vibes. Billies Stimme ist abwechselnd zart, dann wieder dominant, abgehackt. Die melancholische Grundstimmung zieht sich durch jeden Song und doch haben sich Tracks wie Bad Guys und Bury A Friend, laut einer Rezension von laut.de, zu „klaustrophobischen ansteckenden Bangern“ entwickelt, an denen man nicht vorbeikomme. Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen früheren The XX-Werken und Lana Del Ray – und doch ist jeder Track einmalig.

Eilish ist bei der Produktion des Albums vor allem eines wichtig: „Wenn alles gleich klingt, kann man es gleich lassen. Mich muss jeder Song packen und schütteln. Und jeder Song soll anders klingen“, sagt sie im Interview mit jetzt.

Nicht nur musikalisch sondern auch visuell variiert die Kunst der Sängerin. Ihre Musikvideos sind irgendwo zwischen Horrorfilm und kitschigem Teenie-Drama. Eine nahezu perfekte Ästhetik zieht sich durch all ihre Videos. Ob Spinnen, die aus ihrem Mund und auf ihrem Körper krabbeln oder schwarze Tinte, die aus ihren Augen läuft – ihre Musikvideos sind Kunstwerke moderner Inszenierung. Die Inszenierungsideen für ihre Musikvideos entwickelt Eilish selbst, was die perfekte Symbiose zwischen Bild und Musik erklärt.

„Ich tue immer das, was mir Angst macht.
Ich liebe das Gefühl, auszuflippen.
In meinen Videos glorifiziere ich seit einiger Zeit Ängste – Spritzen und Spinnen zum Beispiel.“

Bilie Eilish im Musikmagazin Rollingstone
Quelle: rollingstone.de

Im Interview mit jetzt.de bekennt die Sängerin: „Ich habe extreme Einschlafstörungen.“. Trotz dessen ist sie von dem Dunklen und der Nacht fasziniert, was den Albumtitel „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ erklärt. Sie spielt mit Ängsten und legt diese nicht nur offen und authentisch dar, sondern umhüllt den Hörer gleichzeitig mit einer unglaublichen Klangtiefe. Es lässt sich nicht bestreiten: Eilishs’ Album ist ein Meisterwerk, egal für welche Generation.

Tracklist: When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

  1. !!!!!!
  2. Bay Guy
  3. Xanny
  4. You Should See Me In A Crown
  5. All The Good Girls Go To Hell
  6. Wish You Were Gay
  7. When The Party’s Over
  8. 8
  9. My Strange Addiction
  10. Bury A Friend
  11. Ilomio
  12. Love You
  13. Goodbye

Text: Hayam El Hachoumi, Titelbild: Copyright by Justin Higuchi from Los Angeles, CA, USA – Billie Eilish 08/10/2017 #24, CC BY 2.0