„You shook me“

Led Zeppelin: Led Zeppelin

von | 1. Juni 2019

Songwriter-Duo Page und Plant schrieben den Welthit Stairway to Heaven gemeinsam. Titelbild: Heinrich Klaffs, CC BY-SA 4.0 (bearbeitet)

Die ausgehenden Swinging Sixties hatten schon viel gehört: Den Nice Guy-Sound der Beatles, den Bad Guy-Sound der Rolling Stones und die völlig abgedrehten 9/8-Kompositionen von Genesis. Doch was 1968 auf dem britischen Musikmarkt  landete, hatte keiner „voraus hören“ können. Der Led-Zeppelin-Sound schlug ein, wie das bleierne Luftschiff, das der spätere The Who-Drummer Keith Moon scherzhaft für den Erfolg der Band vorausgesagt hatte.

„Havin‘ a nervous breakdown, a-drive me insane“- Communication Breakdown (Led Zeppelin)

Hart, dreckig und unkonventionell: Led Zeppelin mischt auf seiner ersten Platte traditionell Blues mit Hard Rock und erzeugen so einen Klang, der auch für die weichgespülten Ohren der heutige Vierakkord-Pop-Generation modern klingt. Trotz der für die damaligen Verhältnisse schweren Arrangements, wie in den Songs Good Times Bad Times oder Communication Breakdown. Außerdem weist das Album Led Zeppelin einen starken Folkeinfluss auf, beispielsweise im gecoverten Bluessong Babe, I‘m gonne leave you.

36 Stunden – länger habe es laut Gitarrist Jimmy Page nicht gebraucht, um Led Zeppelin aufzunehmen. „Das erste Album ist wirklich ein Live-Album und es ist absichtlich so gemacht. Es gibt Overdubs darauf, aber die Original-Spuren sind live“, erzählt der Gitarrist im Interview mit Biograf Chris Welch. Page finanzierte das erste Album der Band selbst und hatte dabei nach eigenen Angaben die künstlerische Überhand. Eine Jahr nach seiner Veröffentlichung gelangte es in Großbritannien auf Platz sechs in den Album-Charts. Das Cover zeigt das brennende Zeppelin „Hindenburg“, welches 1936 bei einer Fahrt über dem amerikanischen Lakehurst abstürzte. Für den Rolling Stone-Journalisten Greg Kot ein gelungenes Sinnbild: „Das Bild war richtig gut, um die Musik darin einzukapseln: Sex, Katastrophen und Dinge, die explodieren.“

Auch nach der Auflösung der Band performten Plant und Page den Song Babe, I’m gonna leave you gemeinsam. Video: You Tube/Robert Plant 

„Good times, bad times, you know I’ve had my share“ Good Times, Bad Times (Led Zeppelin)

Obwohl der Rolling Stone das Album heute als eines der „herrlichsten Debütalben aller Zeiten“ bezeichnet, konnte das Magazin vor 50 Jahren den innovativen Sound, den Led Zeppelin mit ihrem ersten Album prägten, nicht heraushören. So schrieb der Rolling Stone 1969: „Led Zeppelin bietet wenig, was sein Zwilling, die Jeff Beck Group, nicht schon vor drei Monaten genauso oder besser gemacht hätte.“ Vor allem die Stimme des Frontmanns Robert Plant bot für Kritiker Angriffsfläche. „Robert Plant mag so affig wie Rod Stewart sein, aber er ist niemals nur annähernd so aufregend.“

Dabei ist Plants Stimme ein Aspekt, der Led Zeppelin so besonders macht. Obwohl seine Vocals noch nicht ganz die fesselnde Kraft wie zum Beispiel auf Led Zeppelin IV oder Physical Graffiti hat, scheint Plants Stimme über allem zu schweben, was auch an der Aufnahme mit natürlicher Raumgebung liegt, die den Hall verbessert. Plant kann sanfte Töne wie in Babe, I‘m gonne leave you anschlagen und wenige Sekunden später rauen Blues herausschreien. In You Shook Me vermag er es sogar, die Gitarreneffekte von Jimmy Page im gospeltypischen „Call and response“- System nachzuahmen.

Led Zeppelin im Portrait

Mit rund 300 Millionen verkauften Tonträgern ist die britische Band Led Zeppelin Platz Drei der bisher erfolgreichsten Bands der Welt. 1968 gründete sich die Gruppe um Jimmy Page, der laut Musikmagazin Rolling Stone einer der besten Gitarristen aller Zeiten ist. Er und Sänger Robert Plant, Bassist John Paul Jones und Drummer John Bonham waren in den 70er Jahren Pioniere des Blues-, Hard- und Progressive Rock. Zu ihren bekanntesten Songs gehören der Prog-Rock-Hit Whole Lotta Love, der Hardrock-Titel Immigrant Song und die Ballade Stairway to Heaven. Besonders Page hatte über die Jahre mit Drogenproblemen zu kämpfen, doch der Überdosis-Tot des Schlagzeugers John Bonham führte dazu, dass sich die Band 1980 auflöste. Die übrigen Mitglieder der Band traten nur noch gelegentlich gemeinsam auf, so zum Beispiel zu Live Aid (1985). Led Zeppelin beeinflusste mit ihrem Stil maßgeblich andere Künstler wie die Bands Guns n‘ Roses und Nirwana. Obwohl die Gründungsmitglieder Plant, Page und Jones mit einem Konzert 2014 das o2-Stadium in London zu füllen vermochten, dementierten sie das Gerücht einer Reunion zu ihrem 50-jährigen Bestehen. 

„Been dazed and confused for so long, it’s not true“ – Dazed and Confused (Led Zeppelin)

Doch Plants Vocals sind nur die Gipfelspitze des massiven Led Zeppelin-Sounds. Mit nur einfachsten Mitteln legt die Band einen Klangteppich unter den Gesang Plants, der aufrüttelt, erregt und berührt. Die besten Beispiele dafür sind der vielfältige Einsatz von akustischer und elektrischer Gitarre, die Jimmy Page zum Teil mit einem Violinenbogen spielte und  die Einbindung von Orgelmusik in Your Time Is Gonne Come.

Einen Vorwurf an ihr Debütalbum müssen sich Led Zeppelin trotz allem gefallen lassen: Die Songs Black Mountain Side und You Shook Me, in denen Jimmy Page als Autor genannt ist, klingen verdächtig nach Songs der Musiker Bert Jansch und Jeff Beck. Bereits 1969 musste sich Jimmy Page gegen Plagiatsvorwürfe zur Wehr setzen. Diese Geschichte sollte sich viele Jahre später und um einiges verstärkt bei Led Zeppelins größtem Hit Stairway To Heaven wiederholen. Dennoch: Led Zeppelin ist das Debütalbum, das London und der ganzen Welt einen völlig neuen Sound präsentierte. Es legte den Grundstein für den Weltruhm Led Zeppelins, des Mutterschiffs des harten Bluesrock.

Tracklist: Led Zeppelin


Cover: George Hardie (Pressematerial)

  1. Good Times Bad Times
  2. Babe I’m Gonna Leave You
  3. You Shook Me
  4. Dazed and Confused
  5. Your Time Is Gonna Come
  6. Black Mountain Side
  7. Communication Breakdown
  8. I Can’t Quit You Baby
  9. How Many More Times

Text: Paul Haubold, Titelbild: Copyright By Heinrich Klaffs,  CC BY-SA 4.0 (bearbeitet),  Albumcover: George Hardie (Pressematerial)