,,In Trench I’m not alone”

Twenty One Pilots: Trench

von | 2. Juni 2019

Tyler Joseph und Josh Dun veröffentlichten am 5. Oktober 2018 ihr fünftes Studioalbum. Titelbild: Copyright by Drew de F Fawkes, CC BY 2.0.

Ein Mix aus vielen Genre, Ukulele Passagen und tiefgründige Texte vereint in einer übergreifenden Story – das neueste Album von Twenty One Pilots ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Im Oktober letzten Jahres veröffentlichte das Duo ihre Platte Trench. Darin erzählen sie von der fiktionalen Stadt Dema und thematisieren mentale Gesundheit, Glaube und Unsicherheiten.

2015 feierte Twenty One Pilots bereits einen riesigen Erfolg mit Blurryface, das erste Album der digitalen Ära (in der Musikstreaming und der Erwerb digitaler Alben möglich ist), in welchem jeder Song mit Gold der Recording Industry Association of America’s (RIAA’s) ausgezeichnet wurde. Nun veröffentlichten sie am 5. Oktober 2018 ihr fünftes Studioalbum Trench. Genau 365 Tage nachdem Tyler Joseph und Schlagzeuger Josh Dun 2017 eine Pause bekannt gegeben hatten. Hat dieses Album Potenzial an den Erfolg des Vorherigen anzuknüpfen? Absolut!

Twenty One Pilots im Portrait

Twenty One Pilots ist eine amerikanische Band aus Columbus, Ohio, bestehend aus Leadsänger Tyler Joseph und Schlagzeuger Josh Dun. In dieser Konstellation gibt es die Band erst seit 2011. Das Plattenlabel Fueled by Ramen nahm die Band 2012 unter Vertrag. Nach der Veröffentlichung des vierten Studioalbums Blurryface im Jahr 2015 feierten sie weltweit große Erfolge mit Singles wie Stressed Out und Ride. Zudem lieferten sie auch den Soundtrack Heathens für den Film „Suicide Squad“. 2018 folgte schließlich das fünfte Studioalbum Trench.

Isolation, Glaube und Familie

„Isolation hilft, wenn man etwas kreieren will“, erzählt der Frontsänger Tyler Joseph im Gespräch mit Zane Lowe von Beats 1. Diese Isolation nutzte er, um im eigenen Tonstudio neue Songs für das Album Trench zu schreiben. Die einjährige Pause half ihm, wieder zu sich zu finden, um bei der nächsten Tour alles für seine Fans geben zu können. Bei der Produktion der Tracks arbeitete er teilweise zusammen mit Produzent Paul Meany, überwiegend sind die Lieder jedoch von Joseph selbst geschrieben wurden. Bei den Songtexten merkt man deutlich, wie viel Hingabe und Zeit in diese gesteckt wurden. Sie sind gut überlegt, treffend formuliert und können durchaus als lyrische Meisterwerke betrachtet werden. Doch nicht nur Isolation hilft beim Schreibprozess, auch der Glaube spiele für Joseph eine große Rolle: „Mein Glaube spielt bei jedem Prozess des Schreibens eine Rolle. Wie ich zu Gott und zu meinem Glauben stehe, ist komplett anders als die Art und Weise, wie meine Eltern an den Allmächtigen glauben.“ All das thematisiert er auch im Song Leave the City, leiser Gesang und starke Piano Abschnitte ziehen sich durch das Werk und reflektieren Tyler Josephs Kampf mit dem Glauben. Dieses Lied verursacht Gänsehaut.

Als Bruder von drei Geschwistern ist der Sänger in einer großen Familie aufgewachsen, die ebenfalls im Album einen Platz findet. Mit dem Song My Blood (siehe Video) singt er über Loyalität zu seinen Brüdern. Dieses Indie-Pop Lied weicht von den üblichen Tracks des Albums ab und lädt automatisch zum Tanzen ein. Das ist nicht unbedingt üblich im Vergleich zu den restlichen, eher ernsteren Werken des Duos. Es sticht aus der Masse heraus und verbreitet ein positives Gefühl von Verbundenheit zu den Menschen, die einem wichtig sind. Ein hörenswerter Song!

Das Video von My Blood ist eine wahrhaftige Hymne an die Loyalität. Video: YouTube/twenty one pilots

Ein bunter Genre-Mix

Das aus Ohio stammende Duo ist dafür bekannt, sich in ihrem Genre nicht festzulegen. Von Reggae, Rap über Electro bis hin zu Rock und Pop ist alles dabei. Kein Song ist wie der Andere. Mit dem rockigen Track Jumpsuit, ausgezeichnet durch leise, schon fast flüsternde Passagen und andererseits Schreien seitens des Sängers, startet das Album. Mit den Worten „Jumpsuit, Jumpsuit, cover me“ deutet Joseph im Interview mit DASDING darauf hin, dass sich viele Menschen wünschen etwas zu haben, was sie schützt. Doch, dass es auch schwer sei, sich einzugestehen, dass man manchmal einfach Hilfe braucht.

Neon Gravestones, ein sich langsam aufbauender und starker Rap-Song, thematisiert offen und ehrlich die Glorifizierung von Suizid in den Medien. Tyler Joseph ruft in ausgiebigen Piano Riffs dazu auf, die Menschen zu bewundern, die sich dazu entscheiden, weiter durchs Leben zu gehen und nicht den Suizid als optionalen Weg darzustellen. „Find your grandparents or someone of age. Pay some respects for the path that they paved. To life, they were dedicated. Now, that should be celebrated“, eine Textpassage, die ins Mark geht und einen zum Nachdenken anregt. Während Schlagzeuger Josh Dun jeden Song mit grandiosen rhythmischen Schlägen untermalt, frischt der Sänger oft ein paar seiner Lieder mit Ukulele-Klängen auf. Definitiv ein Markenzeichen von Twenty One Pilots. The Hype, ein Alternativ-Rock Track, der von innerem und äußerem Druck handelt, profitiert von so einer Ukulele-Bridge. Doch Tyler Joseph kann nicht nur ernst: Mit Smithereens erschafft er eine süße Liebeserklärung an seine Frau Jenna Joseph und zollt Tribut an seinen kürzlich verstorbenen Großvater im Song Legend. Musikalisch wird also eindeutig etwas geboten. Das Album bietet eine wahrhaftige Achterbahn an Genres.

Tracklist: Trench

  1.      Jumpsuit
  2.      Levitate
  3.      Morph
  4.      My Blood
  5.      Chlorine
  6.      Smithereens
  7.      Neon Gravestones
  8.      The Hype
  9.     Nico and the Niners
  10.   Cut My Lip
  11.   Bandito
  12.   Pet Cheetah
  13.   Legend

Schlagzeuger Josh Dun unterstützt jedes Lied mit taktvollen Schlägen. Foto: Diane Wellert

Die Reise ins Ungewisse

Der Leadsänger erklärt, dass das Konzept von Trench im Großen und Ganzen die Reise zwischen zwei verschiedenen Orten ist, was er auch im Lied Leave the City thematisiert. Dieses Gefühl könne verunsichern und beängstigen. Man wisse nie, zu welchem Ort es einen als nächstes ziehe, was kommen wird. Doch der Sänger sei nicht alleine, insbesondere die Fans geben ihm immer wieder die Kraft, die er braucht, um weiter zu machen.

Twenty One Pilots überrascht mit jedem Album aufs Neue. Trench ist ein lyrisches Meisterwerk und definitiv ein Reinhören wert. Wer an vielen Genre gefallen findet und tiefgründige, inhaltsschwere Texte bevorzugt, sollte dieses Album in Betracht ziehen. Die Platte überzeugt nicht nur an Regentagen zu Hause auf der Couch in melancholischer Stimmung, sondern eignet sich auch auf Autofahrten, wo man laut aufdrehen und mitsingen kann. Tyler Joseph und Josh Dun nehmen den Hörer mit auf eine Reise. Und es bleibt abzuwarten, wohin diese als nächstes führt.

Text: Diane Wellert,  Titelbild: Copyright by Drew de F Fawkes – Twenty One Pilots, Brixton Academy, London, CC BY 2.0, Foto: Diane Wellert